Rot und süß

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Fraktion zieht Handbremse

Beim Ortsaugenschein in der fast fertigen neuen Bahn-Remise in Mals (v.l.): Michael Prader, BM Ulrich Veith, Vize-BM Josef Thurner, LR Daniel Alfreider, Joachim Dejaco und Mario Cagol. MALS - Seit Oktober wird am Bahnhof Mals an der neuen Remise für die Vinschger Bahn gearbeitet. Das Projekt reiht sich in das Gesamtkonzept zur Elektrifizierung der Vinschger Bahnlinie. Mobilitätslandesrat Dnaiel Alfreider sagte am 18. Juni beim einem Lokalaugenschein auf der Baustelle: „Die Vinschger Bahn platzt heute bei Normalbetrieb aus fast allen Nähten. Für zahlreiche Pendler, Schüler und nun auch wieder Urlaubsgäste ist die Bahn tägliches Mobilitätsmittel und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.“ Damit das so bleibe und Bahnfahren noch bequemer, einfacher und attraktiver wird, wird seit 2016 an der Elektrifizierung gearbeitet, so Alfreider. Die Remise in Mals wird verlängert und angepasst. Nach dem Abschluss der Arbeiten wird sie 125 Meter lang sein, also 80 Meter länger als die alte. Wie der Generaldirektor der STA-Südtiroler Transportstrukturen AG, Joachim Dejaco, erklärt, „können somit in der neuen Remise längere Züge, die nach der Elektrifizierung der Bahnlinie auch im Vinschgau eingesetzt werden, geschützt abgestellt werden.“ Künftig sollen sechs 106 Meter lange Züge über Nacht am Malser Bahnhof stehen. Im Zuge der Bauarbeiten wurden die elektrische und mechanische Ausstattung der Remise erneuert und im Außenbereich je eine Anlage für die Wasserversorgung bzw. die Entwässerung errichtet. Die nächsten baulichen Eingriffe im Rahmen der Elektrifizierung sind ab 2021 geplant. Dann wird u.a. mit dem Setzen der 1.500 Oberleitungsmasten begonnen. Bei der STA rechnet man damit, dass der erste Zug voraussichtlich 2022 elektrisch durch den Vinschgau LPA rollt.

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DER VINSCHGER 22/20

ALLITZ - Die Bemühungen der Fraktion Laas, den Strimmhof am Allitzer Sonnenberg zu verpachten, sind vorerst ins Leere gelaufen. Die Eigenverwaltung Bürgerlicher Nutzungsrechte Laas, die den geschlossenen Hof im September 2016 zu einem Preis von 607.000 Euro gekauft hatte, wollte den auf 1.754 m Meereshöhe gelegenen Hof verpachten und wählte den Weg einer Ausschreibung. Es haben sich 10 Bewerber gemeldet. „Wir haben alle 10 Konzepte begutachtet und bewertet“, bestätigte der Fraktionsprä sident Oswald Angerer (im Bild) dem der Vinschger. Das überzeu-

gendste Konzept habe ein Bewerber aus Schlanders vorgelegt. Demnach hatte dieser vorgeschlagen, zusammen mit seiner Familie nicht nur einen Buschenschank am Hof zu errichten, sondern auch Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten, ein Heubad einzurichten und den Hof natürlich auch als Viehbetrieb zu bewirtschaften. Warum es letztendlich nicht zur Unterzeichnung des Pachtvertrages kam, führt Angerer auf eine Kostenfrage zurück: „Wir als Fraktion wären bereit gewesen, bis zu 150.000 Euro für die Fertigstellung des zweiten Stockwerkes zu investieren, das sich immer noch im Rohbau-Status befindet.“ Laut dem Vorschlag bzw. Konzept des Bewerbers hingegen hätte die Fraktion ca. 400.000 Euro plus Mehrwertsteuer in-

vestieren sollen. Angerer: „Das ist für die Fraktion ein Ding der Unmöglichkeit.“ Man habe daher beschlossen, die Handbremse zu ziehen und vorerst ein Jahr lang abzuwarten. Ansonsten hätte es zu unguten Entwicklungen kommen können, zumal ja noch 9 weitere Bewerber Interesse angemeldet hatten. Dass der Hof, der insgesamt 14,64 Hektar Grundflächen umfasst, im Bauleitplan derzeit noch als „alpines Grün“ eingetragen ist, wird laut Angerer von den zuständigen Stellen in Bozen von Amtswegen geändert. Der Strimmhof liegt übrigens am Vinschger Höhenweg. Um die heurige Heuernte muss sich erneut die Fraktion kümmern. Ob diese Arbeit im nächsten Sommer ein Pächter übernimmt, bleibt abzuwarten. SEPP

Die Geschichte des Brotbackens UNSER FRAU - Um das Thema Brot geht es heuer und im nächsten Jahr im archeoParc Schnalstal. Die kürzlich im Rahmen einer „Geistervernissage“ eröffnete Ausstellung widmet sich der Geschichte des Brotbackens von ihren Anfängen im Vorderen Orient bis zur industriellen Produktion unserer Tage. Seit wann essen wir Brot? Wieso haben unsere Vorfahren überhaupt damit begonnen, Mehl zu mahlen und daraus Brot zu backen? Haben auch Ötzi und seine Zeitgenossen schon Brot gegessen? Antworten auf diese und weitere Fragen sucht die diesjährige Sonderausstellung im archeoParc, die seit dem 28. Juni geöffnet ist. Sie spannt einen Bogen von den ersten Brotbackversuchen in der frühen Steinzeit bis zur Entdeckung von Triebmitteln in den frühen Hochkulturen und weiter zur modernen Backindustrie. „In einer Gesellschaft des Überflusses wie der unsrigen, vergisst man leicht wie wertvoll Brot für unsere Vorfahren war. Und welch mühselige Arbeit sie für die Herstellung desselben in Kauf genommen haben“, sagt die archeoParc-Mitarbeiterin Magdalena Alber. Sie hat die Ausstellung zusammen mit Johanna Nieder-

Foto: archeoParc Schnalstal/Peter Santer

Foto: LPA/Margit Perathoner

Neue Remise

Eröffnung der Sonderausstellung zur Geschichte des Brotbackens im archeoParc Schnalstal (v.l.n.r.): Magdalena Alber, Mitarbeiterin im archeoParc, Otto Rainer, Vorstand im Museumsverein, die archeoParc-Leiterin Johanna Niederkofler und Karl Josef Rainer, Bürgermeister der Gemeinde Schnals.

kofler, archeoParc-Leiterin, gestaltet. „In einem kleinen Stückchen Brot verbirgt sich faszinierendes, über Generationen überliefertes Wissen. Dieses Bewusstsein macht für mich das Brot zu viel mehr als einfachem Nahrungsmittel“, so Alber weiter. Neben Objekten, kurzen Filmen und Texten bietet die kleine Ausstellung die Möglichkeit, sich dem Thema Brot auf spielerische Weise zu nähern. Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten digital und über das persönliche Handy. Aus demselben Grund fand die Eröffnung der Ausstellung ohne Publikum statt. Die Vorsitzende des archeoParc Schnals Museumsverein, Sonja Santer, der Schnalser Bürgermeister Karl Josef Rainer

und die beiden Gestalterinnen freuen sich über die gelungene Ausstellung. Sie wird bis Sonntag, 7. November 2021, während der archeoParc-Öffnungszeiten zu sehen sein. Die ursprünglich geplanten Rahmenveranstaltungen finden sobald wie möglich, voraussichtlich im kommenden Jahr, statt. Derzeit ist der archeoParc an den Sonntagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Öffnungstage, z.B. von Mitte Juli bis Mitte August, sowie Informationen zur Ausstellung findet man im Internet auf der archeoParc-Website. Die Ausstellung und die Tätigkeiten des archeoParc werden von der Gemeinde Schnals und dem Land RED unterstützt.