Hopp, hopp … aui do!

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Als der Wald Sorgenkind und Pflegefall wurde Eigenverwalter bürgerlicher Nutzungsrechte zwischen Windwurf und Schneedruck LATSCH - Als Frau Vaia Jakobs irgendwann im Oktober 2018 199 Euro + Mehrwertsteuer in Berlin auf den Tisch legte, um ein „Tiefdruckgebiet“ zu kaufen und nach ihr benennen zu lassen, ahnte sie nicht, dass ihr Vorname im fernen Südtirol eine Katastrophe bezeichnen wird. Seit 29. Oktober 2018 steht „Vaia“ bei Förstern, Waldbesitzern, Verwaltern und Politikern für unermessliche Schäden an Südtirols Wäldern. Vaia wurde das Synonym für Windbruch und Zerstörung am Waldbestand. Zu den am stärksten betroffenen Gebieten gehört im Vinschgau, genauer im Forstinspektorat Schlanders, der im Nationalpark Stilfserjoch liegende Fraktions-Wald am Latscher „Nörderberg“. Seit der Sturmnacht vom 29. auf den 30. Oktober säumt eine Vielzahl gigantischer Holzablagerungen die Straße nach Tarsch. Spaziergänger fragen und fragten sich immer wieder, was mit den riesigen Holzstapeln - im Dialekt „Plummen“ - wohl passiert. Mit Engelsgeduld versucht dann Andreas Weitgruber, Präsident der Eigenverwaltung bürgerlicher Nutzungsrechte (E.B.N.R.) in Latsch, auf Ursachen und Herkunft von Tausenden Vorratsfestmetern an Holz und dessen Verwendung hinzuweisen. Dieselbe

den nicht entdeckt. Man glaubte, wieder einmal davon gekommen zu sein. Am nächsten Tag war die Katastrophe dann sichtbar. Man traute seinen Augen nicht. Was die Scheinwerfer in der Nacht zuvor nicht erfasst hatten, rief bei den Verwaltern blankes Entsetzen hervor. Eine Windhose, eine Art Tornado, war vom „Verklair-Tal“ (üblich Vogloar-Tal; oberhalb des Eisstadions) aufgestiegen, hatte eine Schneise der Verwüstung über „Schwarzbrunn“ Richtung „Schwellenweg“ hinterlassen und an vielen Stellen, aber besonders im „Schusterwald“ gewütet. Später werden die Wetterexperten von einem „Düseneffekt in den steilen, sich nach oben verengenden Tälern“ sprechen. Vorsteher Weitgruber meinte: „Es hat das Andreas Weitgruber, Präsident der Eigenverwaltung Herzstück unseres Waldes getroffen. Der Schusterwald bildet bürgerlicher Nutzungsrechte Latsch. die wichtigste Fläche in unserer Engelsgeduld hat der „Fraktions- der Regen gegen 22 Uhr abflaute Waldbewirtschaftung.“ vorsteher“ auch gegenüber dem und Windböen einsetzten, schien der Vinschger an den Tag gelegt. eine neuerliche Überschwem- Es gibt das Fernheizwerk mung des Ortes wie im Mai 1983 gebannt. Sandsäcke hatte die Im Forstinspektorat Schlanders Ein Tornado am Nörderberg FF Latsch unter Kommandant war eine erste Schätzung über Am späten Abend des 29. Ok- Werner Linser vorsorglich an 8.500 Vorratsfestmeter an Schadtober, ein Montag, stand Andreas kritischen Stellen bereit gestellt. holz aus der Gemeinde Latsch Weitgruber als Feuerwehrmann Fraktionsvorsteher Weitgruber, eingegangen. Inzwischen sind im Einsatz. Mit Sorge beobach- seit 2011 im Amt, und seine Leute allein in der Eigenverwaltung tete er den bedrohlichen Anstieg überprüften inzwischen auch Latsch bereits 15.000 Vorratsfestder Wassermassen im südlich von höher gelegene Abschnitte des meter aufgearbeitet worden. Dass Latsch fließenden Lehmbach. Als Almbachs. Materialschübe wur- es so schnell gehen konnte, lag

30. Oktober 2018: Ein Teil des Schusterwaldes war nicht mehr wieder zu erkennen.

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DER VINSCHGER 21/20

Schneedruckfolgen an der Fraktionsgrenze Latsch/Morter.