Corona-Zeit

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Die Jagd ist in der Vinschger Bevölkerung noch fest verwurzelt Bezirksjägermeister blickt auf Jagdjahr 2019 zurück. Abschussvorgaben eingehalten.

Bezirksjägermeister Günther Hohenegger

Die halboffenen Landschaften im Vinschgau stellen in Kombination mit dem milden inneralpinen Klima beste Wildlebensräume dar.

VINSCHGAU - Im Vinschgau ist die Jagd in der Bevölkerung noch fest verwurzelt. Gemessen an der Bevölkerung ist der Anteil an Jägerinnen und Jägern so hoch wie sonst wohl nirgends im Land. Es mag die halboffene Landschaft mit den guten Wildbeständen sein, oder auch geschichtliche Gründe haben, dass man im Vinschgau eher der Jagd frönt als anderswo. Auch der große Besucherandrang zur Bezirkshegeschau zeugt jährlich von dieser Begeisterung. Zumal die Hegeschau 2020 dem Corona-Virus zum Opfer gefallen ist, hat Bezirksjägermeister Günther Hohenegger dem der Vinschger folgenden Bericht über das vergangene Jagdjahr zukommen lassen.

Landschaften in Kombination mit dem milden inneralpinen Klima stellen beste Wildlebensräume dar, neben dem Schalenwild fühlen sich auch zahlreiche andere Tierarten im Vinschgau wohl. So ist der Vinschger Sonnenberg bei Vogelkennern als Hotspot bekannt. Seltene Vogelarten wie die Zippammer oder auch der Neuntöter und das Steinhuhn sind hier noch gut verbreitet. Über das Vorkommen des Bartgeiers im Vinschgau ist bereits berichtet worden.

900 Jäger/innen in 12 Revieren Bezirksweit zählt die Jägerschaft im Vinschgau gut 900 Mitglieder, 44 davon sind Frauen. Diese verteilen sich auf die 12 Jagdreviere zwischen Schnals und Graun. Im mitgliederstärksten Jagdrevier Mals zählt man mehr als 140 Jäger/innen. Hinzu kommen die beiden Eigenjagden Marienberg und Juval. Die halboffenen 10

DER VINSCHGER 14-15/20

Rotwild als Hauptwildart Aus der Sicht des Jägers ist das Rotwild heutzutage die Hauptwildart. Anfang des 20. Jahrhunderts war es in Südtirol so gut wie ausgerottet. Vom Obervinschgau aus hat sich das Rotwild dann vor gut 100 Jahren wieder ausgebreitet. Im westlichsten Landesteil findet unsere größte heimische Schalenwildart seine Lebensraumansprüche am besten erfüllt. Rotwild braucht halboffene Landschaften mit reichlich Bodenvegetation. Und weil es in unserem Heimattal noch verhältnismäßig ruhig hergeht, kann das Rotwild im Sommer und oft sogar im

Winter Gebiete weit oberhalb der Waldgrenze nutzen. Das gibt es sonst nirgends im Land. Die Jagdstatistik Werfen wir einen Blick auf die Jagdstatistik: Im Vorjahr sind im Bezirk 1.547 Stück Rotwild erlegt worden, genau drei Mal mehr als Rehe (507) und fast vier Mal so viele wie Gamsen (361). Noch nie ist im Bezirk und auch landesweit so viel Rotwild erlegt worden wie im Vorjahr. Bezirksweit sind die Abschusspläne zur Zufriedenheit eingehalten und erfüllt worden. Seit einigen Jahren liegt der Schwerpunkt der Entnahme bei den weiblichen Tieren, denn sie sind der Motor einer Bestandeszunahme, welche es auszubremsen gilt. Je höher die Entnahme bei weiblichen Tieren, desto weniger Jungtiere kommen nach und desto geringer ist die Nachwuchsrate. Was einfach klingt, ist in der Umsetzung oft schwierig. Rotwild ist nämlich sehr lernfähig und reagiert auf das regelmäßige Auftauchen von Jägern und Nichtjägern in seinem Lebensraum: es zieht sich zurück und lässt sich auf Offenflächen oder zu bestimmten Tageszei-

ten nicht mehr blicken. Das erschwert die Bejagung beträchtlich. Nichts desto trotz sind im Vorjahr knapp 1,8 Mal so viele Tiere (ein- oder mehrjährige weibliche Stücke) erlegt worden als Hirsche (männlichen Tiere). Weniger Rehe Es gibt aber auch Konkurrenz unter den heimischen Pflanzenfressern. Rehe werden zum Beispiel weniger, wenn Rotwild zunimmt - das ist ein Zusammenhang, der schon vielfach beobachtet und beschrieben worden ist. Im Vinschgau ist diese Entwicklung seit Jahrzehnten zu beobachten. Gamsen reagieren hingegen auf eine intensive Schaf- oder Ziegenweide: wo viele Schafe weiden, bleibt den Gamsen nicht mehr viel zum Fressen. Das ist im Vinschgau wohl im Planeiltal der Fall. In die Reihe der großen Wildsäuger reiht sich noch das Steinwild ein. Zwischen dem Reschen und dem Brenner leben mittlerweile mehr als 1.500 Steinböcke. Man kann davon ausgehen, dass diese Anzahl nicht mehr wesentlich weiter ansteigen wird, weil der vorhandene, für die Art geeignete Lebensraum