Hilfe zum Leben

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Schauen, hören, verkosten MATSCH - Es hingen zwar Nebelschwaden an den Hängen und ab und zu fiel auch etwas Regen, aber wirklich gestört hat das feuchte Herbstwetter die vielen Besucher aus nah und fern nicht, die am 19. Oktober zur ersten Auflage des Kulturfestes „kleinDORFgeflüster“ nach Matsch gekommen waren. Auf den Straßen und Plätzen, vor allem aber in offenen Städeln gab es vieles zum Schauen, Hören und Verkosten. „schaugn. lousn. koschtn“ hieß auch das Motto, das der AVS, die lokale Arbeitsgruppe vom Bergsteigerdorf Matsch und die Matscher Vereine für diese besondere Fest gewählt hatten. Man konnte zuschauen, wie man in Matsch filzt, wie man Krampuslarven schnitzt und welche biologischen Produkte das Tal zu bieten hat. Aus offenen Städeln wurden kurzerhand Gasthäuser. Und zum Hören gab es auch allerhand. Die Jagdhornbläser spielten ebenso auf, wie die Musikapelle und David Frank mit der Ziehorgel. Zu hören waren auch die Freudenschreie heuhüpfender Kinder. Wie die hausgemachten Matscher Strauben schmecken und viele weitere Köstlichkeiten aus der Küche, konnte man ebenso am eigenen Gaumen erleben. Unter den Besuchern wurden viele Sprachen gesprochen. Nicht nur Schweizer und Deutsche hatten den Weg in das erste Bergsteigerdorf Südtirols gefunden, sondern auch Italiener und natürlich viele Vinschger und Südtiroler aus anderen Landesteilen. Die

Begeisterung über das, was die Matscher auf die Beine gestellt hatten, war allseits groß. Die Stimmung war locker, gedrängt und gezerrt wurde nicht. An einem eigenen Stand konnten sich die Besucher über Forschungsund Projektarbeiten informieren, die von der Universität Innsbruck und der Eurac in Matsch durch-

geführt werden, sowie über das Projekt „Machbarkeit BioTal Matsch“. Ziel des Kulturfestes, einer Jubiläumsaktion im Rahmen von 150 Jahre AVS, war es, den Besuchern einen Einblick in das Dorfleben, die Vereinskultur und die bäuerliche Arbeit zu gewähren. Zum guten Gelingen beigetragen haben viele: AVS

Ortsstelle, Musikkapelle, Feuerwehr, Sportverein, Krampusverein, Kirchenchor, Jagdhornbläser, Jäger, Jugend, Bauernjugend, Bäuerinnen, Bauernbund, KVW, Theaterverein, Imker, Fraktion und Stadelbesitzer. SEPP

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (34)

Bandsalat ist nichts zum Essen Nach dem aufsehenerregenden Comeback der österreichischen Grünen bei den letzten Wahlen sprach der Parteivorsitzende von der größten Auferstehung seit Lazarus. Tote, Totgeglaubte und Im-Sterben-Liegende kehren wieder, jedes Jahrzehnt findet früher oder später sein Revival und längst abgeschriebene Technologien tauchen aus der Versenkung auf. Trotz boomenden Musik-Streamingdiensten erlebt die knisternde und kratzeranfällige Vinylschallplatte unter Musikliebhabern seit Jahren ein Hoch. Doch nicht nur sie. Bis Ende der 1990er Jahre spielte noch ein anderes Audiomedium ganz vorne mit: die Musikkassette, in arte MusiCassette, kurz MC. Das kompakte, robuste Plastikgehäuse und Spielzeiten bis zu zwei Stunden machten sie seinerzeit zu einem attraktiven Tonträger. Auch wenn mit längerer Aufnahmezeit das Magnetband immer dünner wurde, so leichter riss oder sich selbst entmagnetisierte, dem Siegeszug tat dies keinen Abbruch. Suchte man eine bestimmte Aufnahme, musste das Band bis zur entsprechenden Stelle gespult

werden. Bei tragbaren Geräten wie dem legendären Walkman belastete das die Batterien. Viele griffen zu Bleistift oder Kugelschreiber und kurbelten von Hand. Nicht selten verhedderte sich das Magnetband, der berühmt-berüchtigte Bandsalat – ein Begriff, der 2006 in die Liste der vom Aussterben bedrohten Wörter aufgenommen wurde. CDs, Mini-Discs, USB-Sticks und MP3-Player gruben der Kassette kontinuierlich das Wasser ab. Doch die beliebte Hörspielserie „Die drei ???“ wird für Sammler immer noch auf Kassette angeboten und auch im Musikbereich spielt die Altbekannte Lazarus. Erfolgreiche Sängerinnen wie Lana Del Rey und Billie Eilish veröffentlichen ihre Alben nun auch wieder auf MC. Andere ziehen bereits nach. Es kommt eben alles wieder. Mir graut schon vor Z Vokuhila-Frisuren.

DER VINSCHGER 37/19

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