Die landesfürstliche Ruine

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VINSCHGER GESELLSCHAFT was sie will. Wichtig sei, vom Staat Italien weg zu kommen. „Wir hatten noch nie eine so stark abgesicherte Autonomie wie heute“, sagte hingegen Noggler. Es gelte, weitere primäre Zuständigkeiten zu erhalten „und irgendwann werden wir ein Staat im Staat sein. Das jedenfalls ist unsere Art, Politik für Südtirol zu machen.“ Es sei fraglich, ob die Mehrheit der Bevölkerung im Falle einer Abstimmung auf die Autonomie verzichtet. Laut van Staa sei die Selbstbestimmung ein wichtiger Wert, „aber wo beginnt sie und wo hört sie auf?“ Theoretisch sei alles möglich und man dürfe auch träumen, doch die einzige realistische Alternative sehe er in der Stärkung der Europaregion, in mehr Regionalismus und mehr Föderalismus, wobei der Alpenraum im Mittelpunkt stehen sollte: „Wir müssen gemeinsam in der Welt als Europaregion auftreten.“ Auf die abschließende Frage, was sie tun würden, damit die Tiroler Landesteile wieder enger zusammenfinden, fielen die Antworten unterschiedlich aus. Foppa würde zunächst eine permanente Alpenschutzkonferenz ins Leben rufen. Atz Tammerle würde sich dafür einsetzen, grenzüberschreitende Projekte mit Leben zu füllen und gemeinsame Strukturen zu schaffen. Die Europaregion müsse von der Basis heraus leben. Wirth Anderlan kann sich z. B. eine gemeinsame Fußball-Liga vorstellen und die Umsetzung weiterer gemeinsamer Großprojekte. Für Noggler ist es wichtig, in Richtung einer ge-

sellschaftlichen Einheit zu arbeiten. Es solle auch das Positive gesehen werden, das bisher geschaffen wurde. Leider werde vielfach nur das Negative herausgestrichen. Ploner rief dazu auf, „junge, kreative Leute arbeiten zu lassen.“ Gutes könne nur wachsen, wenn es von der Bevölkerung gewollt und gelebt wird. Das Vereinende sollte immer vor dem Trennenden stehen. Die Europaregion ist für van Staa eine große Chance: „Klagen wir doch nicht immer über die Defizite und die Unterschiede, sondern nutzen wir die institutionellen und persönlichen Möglichkeiten, um noch enger zusammen zu finden.“ Bei der Diskussion wurde unter anderem die Frage in den Raum geworfen, was geschehen würde, wenn sich die Mehrheit der

Bevölkerung im Falle einer Abstimmung für den Verbleib bei Italien aussprechen würde. Es wurden auch Stimmen laut, wonach Südtirol „von diesem Staat zu trennen ist.“ Auch die kürzlich aufgeflammte Diskussion rund um den Begriff „Alto Adige“, die Proteste nach den Urteilen gegen die katalanischen Separatistenführer und weitere Themen wurden aufs Tapet gebracht. Ein Diskussionsteilnehmer meinte, dass das Thema Grenzen und Einschränkungen überhaupt vergessen werden sollte. Europa sei ein Friedensprojekt. Das sollte man nie aus den Augen verlieren. Unterstützt und mitgetragen hat die Podiumsdiskussion der Südtiroler Schützenbund, bei dem sich SEPP Alfred Theiner bedankte.

„Wenn mit der Bio-Region ernst gemacht wird, …“ MALS - Gemeinsam an einer nachhaltigen Entwicklung des Oberen Vinschgaus arbeiten, statt weiter den Rechtsweg zu beschreiten: Diesen Appell richtete Landesrat Arnold Schuler kürzlich an den Malser Bürgermeister Ulrich Veith. Nach mehreren Gerichtsurteilen über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln solle nun auch in Mals Ruhe einkehren und der gemeinsame Blick nach vorne gerichtet werden, schrieb Schuler in einem offenen Brief an Veith. Der Landesrat erinnerte daran, dass die Pflanzenschutzmittel-Diskussion zu Spaltung und Konfrontationen geführt hätte. Nach den Urteilen des Landesgerichtes Bozen, des Verwaltungsgerichtes Bozen und des Europäischen Gerichtshofs herrsche nun Rechtssicherheit, so Schuler. Es sei nun an der Zeit, „an den Verhandlungstisch zurückzukehren, anstatt weitere Rechtswege zu beschreiten.“

Schuler appellierte an Veith, „den Oberen Vinschgau gemeinsam weiterzuentwickeln.“ Dabei gehe es um die Landwirtschaft, aber nicht nur. Schuler sprach von einer Bio-Region Obervinschgau, die eine „interessante Idee“ sein könne. „Eine nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn man sie gemeinsam statt gegeneinander entwickelt“, gab sich BM Ulrich Veith Schuler überzeugt. werde „und das ist ja genau unser Ziel. Mehr wollen wir nicht.“ Neu „Mit Worten sind wir nicht zufrieden“ sei der Vorschlag der Bio-Region übrigens nicht. Einen solchen Bezüglich des Vorschlages zur Vorschlag habe es bereits 2015 Schaffung einer Bio-Region sagte gegeben, doch konkret getan habe Ulrich Veith am 18. Oktober dem sich dann nichts, obwohl sich der Vinschger, dass es darum gehe, die Gemeinde ihrerseits darum „ob Schuler mit diesem Vorschlag bemüht hätte, diesen Weg einzunun auch ernst macht und ob schlagen bzw. das Ihrige beizutraentsprechende konkrete Schritte gen. Sollte Schuler jetzt mit dem gesetzt werden.“ Die Schaffung Vorschlag ernst machen und enteiner Bio-Region setze voraus, sprechende Schritte setzen, sei es dass auf chemisch-synthetische denkbar, dass die Gemeinde von Pflanzenschutzmittel verzichtet einer Berufung gegen ein kürz-

LR Arnold Schuler

lich bekannt gewordenes Urteil des Bozner Verwaltungsgerichtes beim Staatsrat in Rom absehe. Das Gericht hatte die sogenannte Malser Pestizid-Verordnung für nichtig erklärt. Laut Veith wäre es auch der Gemeinde viel lieber, wenn Rechtsstreitereien vermieden werden könnten. Bezüglich des Vorschlages einer Bio-Region sei aus der Sicht der Gemeinde eines klar: „Mit Worten sind wir nicht zufrieden. Wir wollen Taten sehen.“ SEPP

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