Als das Speiseeis in den Vinschgau kam

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„… bei aller sozialen Einstellung“ NATURNS - Es gebe keinen gesetzlichen Spielraum, den Abbruch der alten „Saumoar“-Hofstelle weiter zu verschieben. „Daher habe ich heute dem Besitzer Florian Ruatti meine Abbruchverordnung mitgeteilt“, sagte BM Andreas Heidegger bei der Gemeinderatssitzung am 16. September. Er erinnerte daran, dass die Baukonzession (Verlegung der Hofstelle mit Neubau und Abbruch der alten Hofstelle) am 14. September 2016 ausgestellt worden war. „Die Bewohnbarkeitsbewilligung kann ich erst ausstellen, wenn der Abbruch erfolgt ist“, so Heidegger. Die 3-jährige Gültigkeit der Baukonzession ist am 15. September abgelaufen. „Der Abbruch wurde bis zum letzten Moment aufgeschoben“, aber jetzt sehe er sich gezwungen, dem Gesetz Genüge zu tun, „um nicht selbst den Kopf in die Schlinge zu halten“, so der Bürgermeister weiter. Es liege schließlich in der Kompetenz und Verantwortung des Bürgermeisters, sich an die Gesetze zu halten, „bei aller sozialen Ein-

BM Andreas Heidegger hat nun „bei aller sozialen Einstellung“ den Abbruch der alten Hofstelle „Saumoar“ verordnet.

stellung.“ Heidegger bezog sich hierbei auf den Umstand, dass die Seniorbäuerin Ottilia Ruatti immer noch im alten Haus lebt und dass ihr gesundheitlicher Zustand prekär sei. Der Bürgermeister informierte den Rat auch über mehrere Briefe und Bittschreiben von Ottilia Ruatti und ihrer Tochter Luise. Florian Ruatti habe noch am 16. September um einen Aufschub angesucht. Der Hofbesitzer hat nun 90 Tage Zeit, um der Verordnung nachzukommen, bzw.

60 Tage, um beim Verwaltungsgericht zu rekurrieren. „Derzeit sieht das Gesetz nichts anderes als den Abbruch vor“, beteuerte Heidegger. Sollten sich Möglichkeiten ergeben, die Abbruchverordnung auszusetzen, etwa aus Ensembleschutz-Gründen, werde er diese berücksichtigen, aber zum jetzigen Zeitpunkt gebe es zum Abbruch keine gesetzliche Alternative. „Der Bürgermeister hat das gemacht, was zu machen ist“, sagte das Ratsmitglied Valentin Stocker. Insofern sollte

der Gemeinderat dem Bürgermeister den Rücken stärken und ihn mit dieser Entscheidung nicht allein lassen. „Ich bin überzeugt, dass viele Ratsmitglieder dieser Ansicht sind“, so Stocker. Sicher nicht dieser Meinung ist Hans Pöll, der im Vorfeld der Sitzung mitgeteilt hatte, dass er der Sitzung fernbleibe, weil er „ein Problem mit der Verwaltung hat.“ Laut Heidegger habe Pöll infolge der Causa „Saumoar“ offensichtlich das Vertrauen in die Verwaltung verloren. SEPP

Naturns: Mehrkosten bei mehreren Vorhaben NATURNS - Die Gemeinde Naturns muss ihren Investitionshaushalt überarbeiten, weil bei mehreren Vorhaben mit Mehrkosten zu rechnen ist. Eines dieser Vorhaben ist der dringend notwendige Bau eines neuen Recyclinghofes. Wie berichtet, war es am derzeitigen Recyclinghof zu Versäumnissen und teils unzumutbaren Missständen gekommen. Die Verantwortung dafür liegt zu einem nicht unerheblichen Teil beim Vizebürgermeister Helmut Müller. Wie dieser bei der Ratssitzung am 16. September mitteilte, sei als Übergangslösung eine mobile Schadstoffsammlung eingeführt worden. Bezüglich des Neubaus, der in Planung sei, habe sich herausgestellt, dass die Stromleitung mit Ausgaben von mindestens 300.000 Euro aufgehöht werden müsste, um den Neubau am derzeitigen Standort errichten zu können. Daher sei es günstiger, ein angrenzendes,

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rund 2.300 Quadratmeter großes Grundstück – derzeit landwirtschaftliches Grün – für insgesamt 296.000 Euro anzukaufen und den neuen Recyclinghof dort zu bauen. Dies wäre auch für den Bau des neuen Fernheizwerks vorteilhaft. Hand in Hand mit einer Änderung des Haushaltsvoranschlages 2019, die der Gemeinderat bei drei Enthaltungen im Dringlichkeitsweg genehmigte, wurde der Gemeindeausschuss ermächtigt, den Grundankauf zu tätigen. Laut Müller und Bürgermeister Andreas Heidegger gelte es, den Neubau möglichst rasch anzugehen, denn in Sachen Recyclinghöfe bzw. Schadstoffe werde seitens des Landes rigoros, ja „eiskalt“ vorgegangen. Laut Müller sei bereits angekündigt worden, den Recyclinghof notfalls zu schließen. Mehrkosten stehen der Gemeinde auch beim Projekt „Begleitetes Wohnen“ ins Haus. Um die Mehrausgaben

bei den genannten Projekten bewältigen zu können, soll der Investitionshaushalt überarbeitet werden. Die Weichen dafür sollen bei einer Klausursitzung des Gemeinderates am 30. September gestellt werden. Einstimmig genehmigt hat der Gemeinderat am 16. September das Projekt für die Neugestaltung des Bereichs Unterdorf in Staben. Vorgesehen sind u.a. bauliche und gestalterische Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, ein neuer Gehsteig aus Pflastersteinen bis zur Bushaltestelle, grüne Inseln, eine neue Beleuchtung und weitere Maßnahmen. Die Gesamtkosten belaufen sich laut der Gemeindereferentin Barbara Wieser Pratzner auf ca. 300.000 Euro. Gleichzeitig mit der Neugestaltung wird im Bereich Unterdorf auch mit Gesamtausgaben in Höhe von ebenfalls ca. 300.000 Euro das Glasfasernetz in Zusammenarbeit der Infranet AG

verlegt. „Die Arbeiten werden gemeinsam ausgeschrieben“, so die Referentin. Mit Bedauern mitteilen musste der Gemeindereferent Michael Ganthaler, dass der Platz, der ursprünglich als Ausweichstelle für die Unterbringung der Kinder während des Errichtung des neuen Kindergartens in Naturns ins Auge gefasst worden war, leider nicht mehr zur Verfügung gestellt wird. Ganthler zeigte sich aber zuversichtlich, noch heuer eine geeignete Ausweichstelle finden zu können. Beim Neubau des Kindergartens gibt es bekanntlich Verzögerungen, weil das zweitplatzierte Planungsteam einen Rekurs eingebracht hatte. Was die ursprünglich für September angekündigte Einbahnregelung in der Bahnhofstraße angeht, teilte der Bürgermeister mit, dass noch etliche Details zu klären seien und ein Verkehrsplaner beigezogen werde. SEPP