Laut statt „Silentium“?

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Viel Applaus für „Life - Leben“

SCHLANDERS - Weil er an einer Herzkrankheit leidet, muss Jonas Berger immer eine Sauerstoffflasche tragen. In der Schule und im Freundeskreis wird er gemobbt. Er ist oft allein und einsam, zankt sich mit seit seiner Schwester, ist schüchtern, findet aber auch Rückhalt und Verständnis bei den Eltern und bei guten Freunden. Am Ende fasst er Mut, gewinnt den Glauben an sich zurück, sieht einen Sinn in dem, was er macht, und begegnet auch der Liebe. Das ist - kurz gefasst - der Inhalt des Musicals „Life - Leben“, einer Eigenproduktion des Jugendtheaters

Vinschgau (Juvi), das am 10. Juni im ausverkauften Theatersaal des Kulturhauses in Schlanders zum ersten Mal aufgeführt wurde. Geschrieben hat das Stück Daniel Trafoier, der nicht nur für die Regie verantwortlich zeichnet, sondern im Musical auch selbst mitspielt. Er verkörpert den mittlerweile berühmten Schriftsteller Jonas Berger, der schreibend auf sein Leben zurückblickt. Seine Aufzeichnungen werden zeitgleich auf der Bühne gespielt und gesungen. Den jungen Jonas Berger im Stück spielt Marian Horrer. Für ihn, für Daniel Trafoier, für

die weiteren Darstellerinnen und Darsteller (Lara Peer, Hannes Tscholl, Lisa Marie Telfser, Ajla Karasuljic, Franz Mantinger, Miryam Bernhart, Markus Horrer, Lukas Fleischmann, Barbara Pichler und Laurin Pohl) sowie für das starke Juvi-Team hinter der Bühne gab es bei der Premiere tosenden Applaus. Dem Juvi ist es gelungen, die Kernbotschaft des Stücks, nämlich „Gib nia mear auf!“ lebhaft, überzeugend und mit Bravour zum Publikum zu bringen. Die Texte zu bekannten Musical-Melodien hat ebenfalls Daniel Trafoier geschrieben. Die Broadway-Songs im

Vinschger Dialekt stießen ebenso auf Zuspruch wie die blitzschnellen Bühnenbildwechsel sowie die Licht- und Ton-Effekte. Weitere Aufführungen gibt es noch am 16. und 18. Juni um jeweils 19.30 Uhr statt (Reservierungen unter Tel. 348 743 9724, meinjuvi@gmail. com). - Übrigens: am 25. Juni lädt das Juvi zum Freilicht-Event „Night of Light“ ein, das um 19 Uhr auf dem Kulturhausplatz stattfindet. Geboten wird viel Musik: böhmische Blasmusik (Gruppe Grenzenlos), Rockmusik (Keywhy) und Acoustic Session (Noah Thanei). SEPP

Fließgewässer aufwerten: am Beispiel Rambach MÜSTAIR - Die Renaturierung von Fließgewässern ist die Wiederherstellung von naturnahen Bächen, Flüssen und Seen mit ihren charakteristischen Tier- und Pflanzenarten. Neben der Biodiversität profitieren auch die Naherholung und der Hochwasserschutz. Fließgewässer können nur wieder naturnäher werden, wenn ausreichend Raum in den Schutz der Gewässer miteinbezogen wird. Ein gelungenes Beispiel einer Renaturierung findet sich am Rambach auf Schweizer Seite. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau hat am 21. Mai zu einer Exkursion unter fachkundiger Führung von Pio Pitsch zum Rambach eingeladen. Bis in die 1960er Jahre wurde die Rom-Ebene im Münstertal bei Hochwasser regelmäßig überflutet. Als Folge des steigenden Siedlungsund Nutzungsdruckes nahm in der Bevölkerung der Wunsch zu, sich vor dem Rom zu schützen. Man beschloss, den Fluss teilweise zu begradigen und die Ufer mit umfangreichen Maßnahmen zu sichern. Anfang der 1970er Jahre

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war der Rom vollständig kanalisiert. Das verhinderte zwar Überschwemmungen, zog aber erhebliche Unterhaltskosten nach sich. Außerdem war der Rom in diesem knapp 3 km langen Teilstück ökologisch sehr beeinträchtigt. Pio Pitsch erläutere den Teilnehmern der Exkursion das durchgeführte Revitalisierungsprojekt. 1994 hatte man sich auf eine nachhaltige Lösung geeinigt. So wurden bis 2003 sechs Gerinne-Aufweitungen mit einer Gesamtlänge von über 1 km realisiert. Das gesamte landschaftliche Erscheinungsbild wur-

de dadurch deutlich aufgewertet. Die naturnahen Ufersicherungen, die flachen Böschungen, die teilweise verzweigten Flussläufe mit ihrer Vielfalt sowie die gelungene Integration des Spielplatzes in die neue Flusslandschaft lassen auch den Menschen den Fluss wieder als solchen erleben. Um mehr Raum für den Fluss zu schaffen, wurde das umliegende Landwirtschaftsland auf einer Breite von bis zu 30 Metern auf die Höhe der Bachsohle abgesenkt, in einigen Bereichen sogar bis aus 45 Meter. Dort wurden auch wertvolle

stehende Gewässerbereiche geschaffen. Mit dem neuen, 30 bis 45 Meter breiten Gewässerkorridor bekam der Rom ausreichend Freiraum für die Eigengestaltung. Die großzügige Flussraumaufweitung erlaubte, auf teure und ökologisch unerwünschte Uferschutzmaßnahmen weitgehend zu verzichten. So werden jährlich 50.000 Schweizer Franken gespart. Die Pflanzenbesiedlung innerhalb des Flussraumes wurde der natürlichen Entwicklung überlassen. Als weiteres Strukturelement im neuen Flussbett diente altes Totholz. Es bietet Schutz und Lebensraum für Fische, Insekten und Wasservögel. Ziel für die nächsten Jahre ist die Aufweitung und Renaturierung des gesamten Abschnittes zwischen St. Maria und der Grenze. Die Umweltschutzgruppe begrüßt es, „wenn demnächst auch am Rambach in Glurns Renaturierungsarbeiten ausgeführt werden. Die bereits realisierten Ausgleichsmaßnahmen für das Wasserkraftwerk stellen nämlich keinen ökologischen Mehrwert dar.“ RED