150 Jahre Bierkeller Latsch

Page 20

VINSCHGER GESELLSCHAFT

Es brennt an vielen Stellen Politik, Frauen und Soziales im Fokus der KVW-Bezirkstagung SCHLANDERS - Hohe Lebenshal-

tungskosten, teures Wohnen, steigende Preise in vielen Bereichen, wachsender Trend in Richtung Zweiklassenmedizin, Inflation und stagnierende Löhne. Diese und weitere Probleme, mit denen immer mehr Menschen zu kämpfen haben, kamen am 5. März bei der Bezirkstagung des KVW Vinschgau im Veranstaltungssaal „Kasino“ in der Basis in Schlanders aufs Tapet. KVW-Bezirksobmann Heinrich Fliri erinnerte einleitend an die Folgen der Pandemie, „die uns als Privatpersonen und als Gesellschaft seit zwei Jahren vor große Herausforderungen stellt“, und auch an den Krieg in der Ukraine: „Das ist ein Wahnsinn, der die ganze Welt überschattet. Wir sind alle entsetzt und fassungslos.“ Als konkretes Zeichen der Solidarität konnten die Tagungsbesucher für die Menschen in der Ukraine spenden. „Der gesammelte Betrag wird über den KVW Hilfsfonds weitergeleitet“, kündigte Fliri an. Blick zurück und nach vorne Wie es um das Sozialwesen, um die Politik und die Frauen in der Politik früher bestellt war und wie sich die Situation heute darstellt, wurde anhand an einer Podiumsdiskussion aufgezeigt, zu welcher der Moderator Josef Bernhart illustre Gäste begrüßen konnte: den „scharfen Denker“, „konsequenten Mahner“ und langjährigen geistlichen Assistenten des KVW, Josef Stricker, die Sozial-

Beim Podiumsgespräch (v.l.): Robert Kaserer, Anna Thaler, Josef Stricker, Waltraud Deeg, Karl Tragust und Moderator Josef Bernhart.

landesrätin Waltraud Deeg, Tochter der „Landesmutter“ Waltraud Gebert Deeg, den langjährigen Landtagsabgeordneten Robert Kaserer, die frühere Schludernser Gemeindereferentin Anna Thaler und Karl Tragust aus Kortsch, den langjährigen Leiter der Landesabteilung Sozialwesen. „Ein weltlicher Beichtstuhl“ Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wurden anhand des Wirkens von Waltraud Gebert Deeg (1928–1988) beleuchtet. Sie war Südtirols erste Politikerin, die landesweite Bekanntheit erreichte. Als Landesrätin für Soziales und Gesundheit lenkte die SVP-Exponentin das Augenmerk vom Kampf um Autonomie auf die sozialen Belange der Be-

Im Bild links der KVW Bezirksobmann Heinrich Fliri, rechts der Landesvorsitzende Werner Steiner.

20

DER VINSCHGER 05/22

völkerung. Das Leben von Gebert Deeg, ihr politischer Werdegang sowie ihre Sozial-, Gesundheitsund Frauenpolitik haben Renate Mumelter, Siglinde Clementi und Karl Tragust im Buch „Waltraud Gebert Deeg - Die Landesmutter“ (Edition Raetia) beleuchtet. „Waltraud Gebert Deeg verstand es, den Zugang zu den Menschen zu finden“, erinnerte sich Josef Stricker. Sie sei wie ein „weltlicher, säkularisierter Beichtstuhl“ gewesen, in dem die Menschen ihre Sorgen und Anliegen loswerden konnte. Die Zeit, als Gebert Deeg vom KVW in die Politik kam, „war ungeheuer spannend. Es herrschte eine Aufbruchszeit, „wie ich sie seither nie mehr erlebt habe.“ Stricker erinnerte an die großen Errungenschaften der Arbeiterbewegung, wie etwa die

Das Publikum verfolgte die Bezirkstagung des KVW teils in Präsenz (im Bild) und teils online mit.

40-Stunden-Woche, die große Rentenreform, das Arbeiterstatut und die Sanitätsreform, für deren Umsetzung Gebert Deeg politisch zuständig war. Lebhaft in Erinnerung aus ihrer Kindheit hat Waltraud Deeg die vielen Telefonate, die ihre Mutter führte. Oft seien die Leute, darunter viele Frauen, auch zu ihrer Mutter nach Hause gekommen: „Man sitzt mit am Tisch und hört mit.“ Ihre Mutter sei eine Frau gewesen, die ständig um Kompromisse gerungen habe, „die an ihre Ideen glaubt hat. Sie setzte sich durch und rannte auch gegen die Wand.“ „Noch immer zu wenig Frauen in der Politik“ „Als ich im Jahr 2000 gebeten wurde, in die Politik einzustei-