Nah beim Volk

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VINSCHGER THEMA

„Meine Nummr hosch jo“ Franz Heinisch macht Gemeindepolitik auf seine Art. „Offenes Ohr für alle und stets die ganze Gemeinde im Blick“ STILFS - Franz Heinisch gehört zusammen mit Verena Tröger (Laas), Franz Prieth (Graun), Mauro Dalla Barba (Latsch), Josef Thurner (Mals), Rafael Alber (Prad) und Heiko Hauser (Schluderns) zur Riege der Neuen, die im Herbst 2020 - mitten in der Corona-Pandemie - im politischen Bezirk Vinschgau für das Bürgermeisteramt gewählt wurden. „Die Pandemie hat alle Gemeindeverwaltungen vor besondere Herausforderungen gestellt und es war nicht gerade ‚fein’, mitten in der Corona-Zeit mit der Verwaltungstätigkeit zu beginnen“, resümiert Franz Heinisch. Zugute kamen ihm und vielen anderen die Erfahrungen, die bereits vor den Wahlen gesammelt worden waren. Franz Heinisch zum Beispiel hatte bereits zwei Perioden als Vizebürgermeister hinter sich, kannte so gut wie alle Gemeindeverwalter im Bezirk und war viele Male zu Aussprachen nach Bozen gefahren. An seiner etwas besonderen Art, Gemeindepolitik zu machen, hat sich seit seiner Bürgermeisterwahl - er hatte sich als Kandidat der SVP mit 58,2 Prozent der Stimmen gegen Simone Platzer von der Süd-Tiroler Freiheit durchgesetzt - bis heute nichts geändert. Nicht Gesetze, Paragraphen und Bestimmungen sind sein Steckenpferd. Er setzt vielmehr auf das persönliche Gespräch und auf eine „einfache und menschliche Art von Politik“, wenn man das so formulieren kann. Ein besonderes Anliegen ist es ihm seit jeher, nah bei der Bevölkerung zu sein und das direkte Gespräch zu suchen. Zu den Leuten, die etwas auf dem Herzen haben, sagt er nicht selten: „Du konnsch di jederzeit meldn, meine Nummr hosch jo.“

oder so schwach, wie es der Ausschuss ist. ausfindig zu machen, bitten aber auch den Auch die Zusammenarbeit im Gemeinde- Verein selbst, sich auf die Suche zu begeben. rat, inklusive der Opposition, ist meistens Beim Einfahren ins Dorf sah ich sokonstruktiv. Beziehen Sie sich mit „meistens“ auf die 4 Ratsmitglieder der Süd-Tiroler Freiheit?

Zur Opposition möchte ich nur so viel sagen, dass es mir manchmal lieber wäre, wenn schon im Vorfeld der Ratssitzungen das direkte Gespräch mit uns gesucht würde. Dadurch könnten eventuelle Missverständnisse schon vorab ausgeräumt werden.

eben, wie ein Linienbus den Rückgang einlegen musste, um wenden zu können.

Das ist leider ein Zustand, den man so auf Dauer nicht akzeptieren kann. Die Errichtung eines Buswendeplatzes im Bereich des Dorfeingangs gehört daher zu den dringendsten Vorhaben, die wir hier in Stilfs umsetzen möchten.

Mit Stilfs, Sulden, Trafoi, Gomagoi Seit Dezember 2021 befinden sich die und Stilfser Brücke ist Ihre Gemeinde Gemeindeämter endlich am neuen eine weit verzweigte. Wie stark ist das Sitz im Haus der Dorfgemeinschaft. Kirchturmdenken? Fühlen sich die GemeindebediensNatürlich haben alle Dörfer und Ortteten und Sie selbst in der neuen schaften ihre Besonderheiten und auch ihre Heimstätte wohl? jeweils eigenen Anliegen und Bedürfnisse.

Ja, es gefällt uns hier sehr gut. Der Umzug hat sich zwar über Jahre verzögert - was übrigens nicht der Gemeindeverwaltung anzukreiden ist - aber jetzt dürfen wir sagen: Ende gut, alles gut. Dem gesamten Mitarbeiterteam gebührt übrigens ein großer Dank. Wir haben Gott sei Dank ein gutes hausinternes Arbeitsklima. Alle arbeiten mit viel Einsatz und Motivation. Besonders gefreut habe ich mich übrigens über den Herrgott, den mir Pfarrer Florian Öttl für das neue Bürgermeisterbüro geschenkt hat.

Wir als Verwaltung und auch ich als Bürgermeister bemühen uns sehr, die Gemeinde immer als Ganzes zu sehen, ausgleichend zu wirken und alle Ortschaften zu berücksichtigen. Dass Sie selbst in Sulden leben, spielt also keine Rolle?

Nein, überhaupt nicht. Das zeigen schon allein die Investitionen, die bisher im gesamten Gemeindegebiet getätigt wurden bzw. geplant sind. In Trafoi zum Beispiel wurde in den vergangenen Jahren sehr viel Was geschieht mit dem alten Rat- investiert, ich nenne nur die Stichworte haus? Parkplatz, Gehsteige oder TrinkwasserMittel- bzw. langfristig möchten wir dort versorgung. Auch heuer sind große Inein zweistöckiges Parkhaus bauen. Was vestitionsausgaben für Trafoi vorgesehen. oberhalb davon entstehen wird, steht noch der Vinschger: Herr Heinisch, haben nicht fest. Die Vorstellungen reichen von Gibt es Pläne für eine Nutzung der Sie es seit ihrem Amtsantritt schon der Unterbringung der Bibliothek und der ehemaligen „Polizeischule“ in der einmal bereut, Bürgermeister ge- Raika-Zweigstelle bis hin zur Errichtung von Örtlichkeit Heilige Drei Brunnen? worden zu sein? Seniorenwohnungen. Diese Entscheidungen Konkrete Pläne gibt es bis dato leider FRANZ HEINISCH: Nein, nie. Mir gefällt diese hat natürlich der Gemeinderat zu fällen. noch immer nicht. Am Laufen ist eine StuTätigkeit. Wir arbeiten im Ausschuss gut zu- Sicher ist, dass der Abriss erst dann erfolgt, die in Zusammenarbeit mit dem Land. Es sammen und ziehen in der Regel immer am wenn für den Verein „Stilzer Webnetz“ ein ist Andrian Gamper, der Direktor unserer selben Strang. Ein Bürgermeister arbeitet neuer Standort gefunden ist. Wir bemühen Ferienregion, der sich auch mit diesem nie allein und ist insofern immer so stark uns als Gemeinde, eine neue Heimstatt Thema befasst.

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DER VINSCHGER 01/22