Nah beim Volk

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Von Platz zu Platz SCHLANDERS - Heuer durften die Sternsinger wieder unterwegs sein. In Schlanders beteiligten sich am 2. Jänner 4 Kindergruppen, eine 9-köpfige Gruppe des MGV Schlanders sowie eine weitere 3-köpfige Erwachsenengruppe an der Sternsingeraktion. Die Gruppen wurden im Anschluss an die Heilige Messe gesegnet und machten sich sodann auf den Weg. Sie zogen nicht von Haus zu Haus, sondern verkündeten auf verschiedenen Plätzen und an vorab festgelegten Orten die frohe Botschaft mit Liedern und Gedichten. Neben Weihrauch und Kreide hatten sie heuer erstmals

auch Kohle dabei, damit die Familien ihre Häuser und Wohnungen nach altem Brauch am Vorabend des Drei-Königs-Festes segnen konnten. Ein Teil der landesweit gesammelten Spenden ist heuer für

ein soziales Projekt im Dorf Sighet in Rumänien bestimmt. Kindern und ihren Familien soll dort durch Bildung und Betreuung eine neue Zukunftsperspektive geboten werden. Das ganze Jahr über erin-

nert nun an Türen und Toren die Aufschrift 20-C+M+B-22 an den Besuch der Sternsinger. C+M+B steht für „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses SEPP Haus).

„Es reichte gerade für ein paar Patschen“ KORTSCH - Immer wenn die Sternsinger unterwegs sind, kommen bei Karl Stricker aus Kortsch, Jahrgang 1942, alte Erinnerungen hoch. Er war als Kind oft als Sternsinger in Kortsch unterwegs. Nachdem ihm der Bauer vom Oberburghof in Allitz einmal gesagt hatte, „dass hier bei uns in Allitz nie Sternsinger auftauchen“, fasste Karl Stricker den Entschluss, das zu ändern. So kam es, dass er im fernen Jahr 1954 zusammen mit seinem Bruder Herbert und mit Rudolf Pedross, ebenfalls aus Kortsch, zu einer besonderen Sternsinger-Runde aufbrach. Schon kurz nach Tages-

anbruch machten sich die drei Jugendlichen auf den Weg, um als „Heilige Drei Könige“ nicht nur in Allitz von Hof zu Hof zu ziehen, sondern am selben Tag bei Tiefschnee und entlang nicht geräumter Steige auch die Troghöfe zu besuchen, zu den Rimpfhöfen zu ziehen, weiter zum Fallegg-Hof, nach Gmahr, Forra, Pernui, Innerund Außereggen, Talatsch, zum Waldenthalhof und schließlich bis Gsal. Der lange Tagesmarsch endete erst, als es schon dunkel wurde. Weihrauch und Kreide hatten die Sternsinger zur damaligen Zeit nicht dabei, wohl aber einen selbst-

war. Zurückgekehrt ist die Familie 1949. Recht „ertragreich“ war die Sternsinger-Runde am Kortscher und Schlanderser Sonnenberg nicht. „Wir teilten die Geldstücke von 5, 10 oder 20 Lire am Abend untereinander auf und konnten uns, wenn es gut ging, neue PatKarl Stricker schen kaufen“, erinnert sich Karl. Auch 1955 und 1956 haben er und gebastelten Stern und natürlich die sein Bruder die „Mammut-Runden“ „Kasse“. In weißen Kleidern sangen absolviert, einmal zusammen mit sie bei jedem Hof ein Lied. Dieses Meinrad Schwalt und einmal mit Lied hatte Karl Stricker als 7-jäh- Karl Thomann. Nachher blieb dieriger Bub in Niklasdorf im Bezirk ses „private“ Sternsingen aus, denn Leoben in der Steiermark gelernt, es war die Kirche bzw. die Pfarrei, wohin seine Familie ausgewandert die den Brauch übernahm. SEPP

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (80)

Hokus Pokus Coronikus Blicken wir hundert Jahre zurück. Jänner 1922. Die „Bozner Nachrichten“ veröffentlichen einen kurzen Beitrag, in dem gleich zu Beginn eine Frage auftaucht: „Wird das neue Jahr ein glückliches werden?“ – eine zeitlose Frage. Danach beginnt das Rechnen: „Die Quersumme des vorigen Jahres ergab die böse Zahl 13, diejenige des neuen Jahres ist 14. Zieht man die beiden letzten Zahlen von den ersten ab (22-19), so bleibt 3 übrig, eine glücksverheißende Zahl; multipliziert man die beiden inneren mit den beiden äußeren, so erhält man 33, also zwei schöne Dreier nebeneinander. [...] Schließlich ist es unmöglich, daß das Jahr 1922 unglücklich ausfällt, denn es beginnt mit einem Sonntag und hört auch mit einem Sonntag auf.“ Na ja. Mussolini kam in jenem Jahr an die Macht und ein jahrzehntelanger Leidensweg der Südtiroler begann. Was die Attraktivität von Horoskopen und Esoterik betrifft, sind wir ein Jahrhundert später auch nicht recht viel weiter. Sieht man sich die astrologischen Voraussagen für 2020 an, – man würde sich erwarten, dass in ihnen Begriffe wie „Virus“ oder „Pandemie“ vorkommen –, sieht

es mager aus. Sehr mager. Dafür wurde prophezeit, dass ein Roboter eine Bank überfällt und Pinguine wehrlose Menschen terrorisieren. Und von über 520 bis heute gemachten Vorhersagen von Querdenkern sind gerade einmal eineinhalb eingetroffen, so eine Analyse. Schwache Trefferquote. Immerhin hat die Astrologin Ute Flörchinger in der Tageszeitung „Die Welt“ Ende 2019 geschrieben, dass das Jahr 2020 ab März „unbeständig, veränderlich und unkontrollierbar“ wird und „verstärkt Familie, innere Zufriedenheit und Häuslichkeit im Fokus stehen“. Wer darin nicht den Lockdown erkennt. Gleichzeitig prognostizierte sie, dass sich Investoren ab Dezember 2020 von Kryptowährungen wie Bitcoin zunehmend abwenden werden – tatsächlich begann am Jahresende der große Boom. Aber 2022 wird sicher gut: Denn es beginnt mit einem Samstag und endet mit Z einem Samstag.

DER VINSCHGER 01/22

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