Zum Nachahmen empfohlen

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Bank mit besonderer Botschaft Die Rote Bank in Naturns. NATURNS - Eine Vielzahl von Aktionen stand im ganzen Land zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November auf dem Programm. Bereits einige Tage davor war die Rote Bank in Naturns am Brunnenplatz (Kreuzung RathausstraßeHauptstraße) enthüllt worden. Ein ständiges Zeichen, ein Mahnmal und eine Botschaft soll diese Bank sein. Wie viele andere Städte und Gemeinden möchte auch Naturns damit an die Gewaltakte erinnern und alle Männer dazu aufrufen, jede Form von Gewalt an Frauen abzulehnen. „Wichtiger als die Bank selbst ist die Botschaft. Die Bank ist dazu da, um diese der Öffentlichkeit zu überbringen. Sie soll Aufmerksamkeit erregen“, betonte der in Naturns und Berlin lebende Künstler Erich Kofler Fuchsberg. Waltraud Alber und die für die Chancengleichheit zwischen Frau und Mann zuständige Gemeindereferentin Astrid Pichler seien mit der Bitte an ihn herangetreten, eine solche Bank zu entwerfen. Verwirklicht werden konnte sie dann durch die tatkräftige und unentgeltliche Unterstützung der Tischlerei Haller Oswald und der Schlosserei Josef Spiess.

Bank zu finden. „Nun hoffen wir, dass es Wirkung zeigt“, so der Bürgermeister. Wirkung zeigen, in dem sie Neugierde weckt und noch mehr Menschen auf diese erschütternde und nicht hinnehmbare Situation aufmerksam macht. Das soll die Rote Bank. „Dann ist ein Ziel erreicht“, weiß Künstler Erich Kofler Fuchsberg. Betroffenen Hilfe bieten

Bei der Vorstellung der Roten Bank: (vorne sitzend v.l.) Marion Flarer von der Bürgerinitiative „Es geat di a un – tocca a te“, Waltraud Alber, Mitinitiatorin der Roten Bank, Referentin Astrid Pichler sowie (hinten stehend v.l.) Florian Haller von der Tischlerei Haller, Künstler Erich Kofler Fuchsberg, BM Zeno Christanell, Referentin Barbara Wieser Pratzner und die Referenten Michael Ganthaler und Florian Gruber.

ist alles andere als eine Insel der Seligen. Gewalt an Frauen ist auch hier ein ernstzunehmendes Problem, vor allem in den eigenen vier Wänden. Die Zahlen und Fakten sprechen eine traurige Sprache: In den vergangenen 30 Jahren kam es zu 28 Femiziden. Jährlich suchen rund 600 Frauen Beratungsstellen aufgrund von Gewalterlebnissen auf. Zahlreiche Frauen (allein im Jahr 2019 waren es 135 Frauen mit 164 Kindern) befinden sich in Südtiroler Frauenhäusern und in Zahlreiche Femizide geschützten Wohnungen. „Das „Jeden dritten Tag kommt es ist nur die Spitze des Eisbergs“, so in Italien zu einem Frauenmord“, Pichler. Ein großer Teil der Fälle erinnerte Pichler. Auch Südtirol häuslicher Gewalt bleibe nach

Er enthüllte sein Werk: Erich Kofler Fuchsberg

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wie vor unentdeckt oder besser gesagt unausgesprochen. Zivilcourage gefordert „Zivilcourage ist gefordert“, betonte Bürgermeister Zeno Christanell. Zu oft werde weggesehen, wenn es im Umfeld Zeichen häuslicher Gewalt gebe. „Das darf nicht sein“, kritisierte Christanell. Die Naturnser Gemeindeverwaltung habe freilich gar nicht lange überlegen müssen, um eine solche Aktion zu unterstützen. Es sei dem Gemeindeausschuss wichtig gewesen, dem Thema Sichtbarkeit zu geben und einen „prominenten Platz“ für diese

Dass die Situation weltweit und auch in Südtirol alles andere als rosig ist, bestätigte nicht zuletzt Marion Flarer von der Bürgerinitiative „Es geat di a un – tocca a te“. Diese war im Mai 2020 ins Leben gerufen worden, nach dem grausamen Mord an Barbara Rauch (28) aus Eppan. Zur Erinnerung: Die Mutter einer kleinen Tochter war in der Nacht von 9. auf den 10. März ermordet worden. Der Mordprozess gegen den 25-jährigenLukas Oberhauser läuft. Der Koch aus Vilpian war bereits wegen Stalking angezeigt worden. Lebenslange Haft droht. Der Verein „Es geat di a un – tocca a te“ wolle sensibilisieren, aber auch Hilfe für Betroffene bieten. Diese fühlen sich nämlich oft mitschuldig und haben nicht den Mut, sich zu verteidigen oder mit jemandem zu sprechen. Die Bürgerinitiative weist darauf hin, wie wichtig es ist, rechtzeitig Hilfe zu holen. MICHAEL ANDRES

Sie soll auf die Situation aufmerksam machen.