Vinschger Safran

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

50 Jahre „Sorry’s“ Entschuldigen muss sich die Naturnser Kult-Band nicht. Von wegen: Eine der ältesten Bands hierzulande feiert Jubiläum. Ein Blick auf 5 Jahrzehnte Bandgeschichte. NATURNS - Es war an einem Sommerabend im Jahre 1971 im „Rallykeller“, einem ehemaligen Pub und Tanzlokal in Naturns. Otto Mair und Hans Unterthurner erinnern sich im Gespräch mit dem der Vinschger heute noch genau daran. „Es war die offizielle Geburtsstunde der Sorry’s“, sagt der 68-jährige Unterthurner. Es war ein einschneidender Punkt in ihrem Leben. Ein Abend, der ihr weiteres Leben prägen sollte. In der Besetzung mit Otto Mair (Bassgitarre), Hans Unterthurner (Gitarre), Bruno Svaldi (Gitarre und Gesang) und Sepp Kaserer (Schlagzeug), allesamt aus Naturns im Alter zwischen 16 und 17 Jahren, spielte man hier groß auf. Und die Geschichte begann. Der Reihe nach: Begonnen hat alles bereits einige Jahre davor. Zu den beiden Gründungsmitgliedern Mair und Unterthurner gesellte sich damals auch der spätere Filmemacher, der Prossliner Karl. „Es gab hier halt wenig, wir wollten bisschen Underground-Musik machen, trafen uns in unseren Kellern und spielen drauf los“, erinnert sich Unterthurner. 1968 habe man erste „Musikversuche“ in seinem Keller unternommen. Schon bald habe man mehr gewollt. Eine richtige Band sein. Stetig versuchte man Instrumente zu erlernen, 1969 stieß auch Helmuth Huber zur Band. Dieser verunglückte ein Jahr später leider tödlich.

Probelokal im Widum Svaldi und Kaserer stießen 1970 zur Band mit Mair und Unterthurner. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Musik-Combo noch keinen Namen. Prossliner widmete sich derweil anderen Ideen. „Er scheiterte am Song Proud Mary, er hat hier den Bass nicht hinbekommen“, sagt Otto Mair heute scherzhaft. Die weiteren 26

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Bei der 50-Jahr-Feier (v.l.): Otto Mair, Martin Oberkofler, Ivo Maier, Ossi Kofler, Michl Schaller, Peter Santoni, Hans Unterthurner und (sitzend) Klemens Gradl.

Bandmitglieder widmeten sich dem Erlernen der Instrumente. „Wir wollten richtig und ordentlich Musik machen“. Viel gelernt habe man dabei von Svaldi. Dieser brachte bereits musikalische Erfahrung mit. „Er lernte uns wie man die Gitarre hält, wie man Noten liest“, blickt der heute 67-jährige Mair zurück, der als einer der wenigen Bandmitglieder bereits davor, in Mittelschulzeiten, durch die Musikschule mit Klängen zu tun hatte. „Querflöte habe ich gespielt, auch Orgel“, lacht er. Im Probelokal, das sie damals im Widum von Naturns dank des damaligen örtlichen Pfarrers Luis Lintner (jener Lintner der als Südtiroler Missionar 2002 in Brasilien ermordet wurde) zur Verfügung gestellt bekamen, wurde gelernt und geprobt. Nach vielen Übungseinheiten in den heimischen Kellern und im Widum habe man freilich das Können auch live beweisen wollen. Nach einem ersten Konzert in der Kirche, einer Art „JazzMesse“, kam es schließlich einige Monate später zum ersten offiziellen öffentlichen Auftritt 1971 im „Rallykeller“, damals bereits

unter dem Namen „The Sorry’s“. „Ich kann mich daran erinnern, wie nervös ich war“, erzählt Unterthurner. Hie und da seien ihm die Noten nicht mehr eingefallen. Schlussendlich wurde der Auftritt aber zum Erfolg: „Wir spielten bis in die frühen Morgenstunden“. Schon damals rockten sie mit Coversongs von Interpreten dieser Zeit – allen voran Creedence Clearwater Revival und die Rolling Stones – aber auch mit Schlager aus Deutschland und Italien. Auftritte von Naturns bis Zürich Von da an ging es weiter. Weiter mit der Musik, dem Bandleben, dem Rock ‚n‘ Roll. Sie spielten nun regelmäßig, unter anderem auf Bällen. Dort sei es damals nicht ohne Volksmusik gegangen. Mit der Hilfe des Ziehorgelspielers Erwin Huber mischte man die modernen Rock-Songs und die Volksmusik. „Wir hatten den richtigen Riecher und spielten die richtigen Songs zur richtigen Zeit“, weiß Unterthurner heute. „The Sorry’s“ wurden in Naturns, im Vinschgau und darüber hinaus bekannt. Unter anderem beim

damaligen Rosenwirt in Naturns trat die junge Band öfters auf. Insbesondere bei den dortigen Faschingsfeiern wurde dann kräftig gerockt. Ein besonderes Konzert war auch in den Anfangszeiten, ebenfalls in Naturns. In einem alten Gebäude, statisch bedenklich, durfte man zwar spielen, beim Kasatschok-Tanz der vielen Fans im kleinen Raum wackelten dann aber Boden und Haus. Man musste auf Nummer sicher gehen und das Konzert abbrechen. Konzerte spielte man auch im Überetsch, unter anderem war man in den 1970er Jahren regelmäßig zum Jahreswechsel in Kaltern zu Gast. 120- bis 180.000 Lire habe man damals für einen Auftritt erhalten. „Im Rallykeller beim ersten Auftritt waren es noch 20.000 Lire“, erinnern sie sich. Höhepunkte in der damaligen Zeit waren etwa auch der Aufritt beim europäischen Polizeitreffen im Meraner Kurhaus sowie beim Südtiroler Heimatfernen-Treffen in Zürich. „Es waren schon einige Abenteuer dabei“. Freilich, Geld habe man etwas nebenbei verdient. Aber man habe auch alles ausgegeben.