Neuer Anlauf

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Im Bild (v.l.): Die Schwestern Erna, Wilma und Silvia Ploner aus St. Kassian-Abtei spielten ihrem verstorbenen Verwandten ein ladinisches Lied.

„Arrivederci in cielo“ 77 Jahre nach seiner Erschießung wurde dem Gadertaler Markus Dapunt in Kortsch ein Mahnmal errichtet. KORTSCH - Ein idyllisches Plätzchen unter Weiden am Kortscher Kiaweg hat der Bildungsausschuss von Kortsch gewählt, um ein Mahnmal für einen jungen Soldaten zu errichten, der 1944 unweit von dort hingerichtet wurde. Heinrich Lechthaler, Vorsitzender des BA Kortsch und geschickter Zeichner, hat die Corona-Zeit genutzt, um ein Bildstöckl für ein von ihm gemaltes Bild zu errichten. „Jetzt ist die Zeit reif, Markus Dapunt ein gebührendes Denkmal zu setzen“ sagte er anlässlich der Segnung am vergangenen Samstag, „bisher hätten es viele Frontkämpfer als Affront gesehen, einem Deserteur diese Ehre zu geben.“ Nur wenige Menschen hatten damals den Mut, sich gegen das willkürliche Regime aufzulehnen. Lange habe die Exekution des 21-jährigen Markus Dapunt die Menschen beschäftigt und auch berührt, denn einige junge Kortscher, die vor dem Kriegsdienst standen, mussten als Abschreckung der Exekution beiwohnen.

Erna Pedratscher ist die Tochter von Epifania, Markus Dapunts Schwester

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DER VINSCHGER 31-32/21

Heinrich Lechthaler, Erschaffer des Mahnmals

Sogar aus dem Gadertal waren einige Familien angereist, um sich an ihren Verwandten Markus Dapunt zu erinnern. Einer, der Markus Dapunt persönlich kannte, war Josef Granruaz, Altdekan von Abtei. „Markus war bei meinen Eltern Hirte; ein brillanter Junge, voller Witz und Geist“, erzählte er, bevor er ausführlich das kurze Leben des Gadertalers beschrieb: „Markus kam am 24. März 1923 in Sottrù in Abtei zur

Ergreifende Geigenmusik von Alena Savina aus Russland

Adolphine Lechthaler und Josef Telser als letzte Zeitzeugen

Welt und stammt aus einer kinderreichen Familie. Seine Familie gehörte zu jenen, die sich von ihrem Hof und ihrem Dorf nicht trennen wollten und beschlossen dazubleiben. 1941 wurde er an die Front geschickt. Obwohl man ihn auf dem Heimathof in Sottrù dringend gebraucht hätte, da beide Eltern nicht mehr lebten, musste Markus nach Schlanders zum Militär ziehen. Als er am 10. Juli 1944 seinen Schwur auf den Führer ablegen sollte, floh er ins Pustertal, wurde dort verraten und gefangen genommen und zurück zu seiner Truppe nach Schlanders geführt und dort zum Tode verurteilt. Markus wusste, was er wollte. Den Antrag auf Gnadengesuch lehnte er mit den Worten ab: ‚Ich brauche von euch keine Gnade’. Markus wollte genauestens über seinen Tod informiert werden und er wollte, dass man ihm die Augen verband, um die Gesichter seiner Henker nicht zu sehen, denn sonst hätte in ihm ein Gefühl

Feierliche Segnung des Mahnmals durch Dekan Matthew Kozhuppakalam