Neuer Anlauf

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Den Blick auf die Architektur schärfen

Der Abt und sein Architekt

Der Architekt und seine Handwerker

Der Hausherr Abt Markus Spanier in der grandiosen Klosterbibliothek

Architektin Sylvia Dell`Agnolo und Jörg Hofer vor dem Bild „Permafrost“.

VINSCHGAU - „Identitätsstiftende Orte“ war das Motto der diesjährigen Tage der Architektur, welche u.a. zum Kloster Marienberg und nach Laas führten. Gemeinsam den Blick auf die Architektur zu werfen, Details zu betrachten und mit Architekten und Bauherren ins Gespräch zu kommen, das war das Ziel der Initiative der Architekturstiftung Südtirol. Begleitet von den beiden Vinschger Architektinnen Julia Pircher und Sylvia Dell`Agno-

lo besuchte die interessierte Gruppe die neue Marienberger Bibliothek, ein vollständig unterirdisch angelegtes Büchermagazin mit ca. 130.000 Bänden, und das Musikarchiv. Abt Markus Spanier und Architekt Werner Tscholl führten durch die Kirche, den Herrengarten und die Klosterbibliothek. In Laas startete die Tour beim Familienbetrieb Krautschneiderei Vinschger Bauernsauerkraut und Transportunternehmen Lechner.

Der Firmensitz sollte mehr darstellen als einen reinen Zweckbau, und so lehnt sich die Außenfassade an die Darstellung des Querschnittes eines Krautkopfes, wie Architektin Elke Ladurner vom Architekturbüro Marx/Ladurner erklärte. Das von den Architekten Christian Monsorno und Katja Trauner vorgestellte Projekt, die Villa einer jungen Laaser Familie, zeichnet sich durch die Form eines weißen Monolithen in Marmor aus.

Tatsächlich ist der Laaser Marmor Hauptbestandteil der Gebäudehülle aus weißem Sichtbeton. Zum krönenden Abschluss besuchte die Gruppe den „Zwischenraum“ und das Atelier des akademischen Künstlers Jörg Hofer. Fast fünf Meter hoch ist der Atelierraum, ein ehemaliger Heustadel, den Architekt Werner Tscholl gemeinsam mit Jörg Hofer zu diesem besonderen Arbeitsraum ausgebaut hat. INGE

Villa D, der Marmormonolith: durch den Geländesprung entstehen Räume mit unterschiedlichen Raumhöhen.

Ein besondere Architektur: die Krautfabrik Lechner Laas

Familie Lechner, eine Krautdynastie: (v.l.) die Architektinnen Elke Ladurner und Julia Pircher mit Evelyn, Herbert und Dennis Lechner

Farben sind für Jörg Hofer Material zum Anfassen.

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (73)

Volksabstimmungen können etwas bewirken Im Buch „Atomkraft für Anfänger“ aus dem Jahre 1979 kann man Folgendes lesen: „Daneben erhöht die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl den Kohlendioxidgehalt in der Erdatmosphäre und heizt sie auf. […] Daher kann die fortgesetzte Verwendung fossiler Brennstoffe im gegenwärtigen Ausmaß das Weltklima zum Umkippen bringen.“ Seither sind über vier Jahrzehnte vergangen, die Etsch ist an Wasser reicher und wir an Erfahrungen, man denke nur an die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986, und wir – oder zumindest die meisten von uns – scheinen zwei Dinge gelernt zu haben: 1. Die Atomkraft liefert zwar weitgehend emissionsfrei Strom, aber die Gefahren, die die Technik mit sich bringt, sind nicht zu unterschätzen – einmal davon abgesehen, dass niemand neben oder über einer Endlagerstätte für Atommüll leben will. 2. Der Klimawandel ist, übertragen wie wörtlich, ein äußerst heißes Thema und wenn nicht bald etwas passiert, dann verbrennen wir uns unsere Grillfinger. Zumindest die erste Erkenntnis hat in Italien ihre Spuren hinterlassen. Im Referendum von 1987 haben die Italiener dafür gestimmt,

aus der Kernenergie auszusteigen. Drei der fünf Fragen der damaligen Volksabstimmung im November betrafen die Atomkraft. Die Antworten darauf hatten de facto zur Folge, dass der Stiefelstaat die aktiven Atomkraftwerke abschaltet und den Bau der noch nicht fertiggestellten einstellt. Es gab zwar 2005 und 2008 politische Bestrebungen, mit dem Neubau von AKWs zu beginnen, aber ein weiteres Referendum 2011 – dieses Mal unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima – lehnte einen Wiedereinstieg mit einer Mehrheit von über 94 % ab. Nun gilt es noch der zweiten Erkenntnis beherzte Taten folgen zu lassen. Dass ausgerechnet ein Mineralölkonzern in Form eines Werbeslogans die passende Aufforderung dazu parat hat, ist fast schon ironisch: Es gibt viel zu tun. Packen Z wir‘s an!

DER VINSCHGER 31-32/21

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