Fortschritt durch Reibung

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Neuer Zaun

„Naturnah & nachhaltig“

BURGEIS - In der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg wird seit 8 Jahren das Praxisfach Bienenkunde und Imkerei unterrichtet. Den Schülerinnen und Schülern wird die Grundlage für das interessante Leben im Bienenvolk vermittelt. Auch die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Imkerei werden besprochen. Themen wie Biodiversität, neue Freiflächen für Nektar- und Pollenangebote, Bienengesundheit und -produkte werden im Praxisunterricht vertieft. Es gibt eine Vereinbarung zwischen dem Imkerbezirk Obervinschgau und der Schule, wonach der vom Imkerbezirk betreute Lehrbienenstand auch von der Schule für den Praxisunterricht genutzt werden kann. Die Fachschule darf dort ihre Schulbienenvölker für Anschauungszwecke aufstellen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Schule, alle ordentlichen Instandhaltungsarbeiten mit den Schülerinnen und Schülern durchzuführen. In diesem Rahmen wurde die Umzäunung zusammen mit den Lernenden erneuert. Dies alles war nur dank der Unterstützung der Forststation Mals und des Forstinspektorates Schlanders möglich. Das Holz hatten die Fraktionen Burgeis und Mals sowie die Gemeinde Mals zur Verfügung gestellt. Auch dafür bedankt sich die Schule. Der Lehrbienenstand entspricht jetzt wieder allen Sicherheitsbestimmungen und kann auch wieder vermehrt von Grund- und Mittelschulklassen aus der Umgebung für das Wahlfach „Bienen und ihre faszinierende Welt“ besucht werden. RED

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DER VINSCHGER 21/21

VINSCHGAU - „VIP – der Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse setzt seit jeher auf die naturnahe und nachhaltige Produktion“, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit einer breit angelegten Erhebung verschiedener Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt im Anbaugebiet, die auch in der Nachhaltigkeitsstrategie sustainapple verankert ist, sei nun ein weiterer Meilenstein gesetzt worden. „Obstwiesen und landwirtschaftliche Nutzflächen dienen in erster Linie zur Produktion von gesunden Lebensmitteln, sind aber zugleich wichtige Lebensräume für verschiedenen Lebewesen.“ Dieses Ökosystem weiterzuentwickeln und dessen Artenvielfalt zu fördern, sei ganz im Sinne eines naturnahen und nachhaltigen Obstanbaus. VIP bemühe sich seit vielen Jahren, mit diversen Maßnahmen die Biodiversität und damit die naturnahe Produktion im Anbaugebiet Vinschgau zu fördern: „Als VIP ist es uns ein großes Anliegen, die Nachhaltigkeit in der Produktion und Verarbeitung weiterzuentwickeln. Sehr viele unserer Produzenten wenden in ihren Obstwiesen bereits diverse ökologische Maßnahmen zur Steigerung der Artenvielfalt an. Über diese positive Entwicklung im Vinschgau freuen wir uns als Verband natürlich sehr“, so Thomas Oberhofer, Obmann der VIP.

„Erhebungsbogen Lebensraum Obstanlage“ In den vergangenen Jahren hat VIP mit dem Südtiroler Beratungsring, den biologisch produzierenden Landwirten im Gebiet der VIP und mit Biosüdtirol einen sogenannten „Erhebungsbogen Lebensraum Obstanlage“ entwickelt. Dieser Fragebogen dient als praktisches Werkzeug, mit dessen Hilfe die Obstbauern die verschiedenen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität auf ihren Betriebsflächen

Fotos: VIP

VIP: Erste Erhebung der Biodiversitätsmaßnahmen

Mit Trockenmauern (Bild links), Einsaaten, Insektenhotels (Bild rechts) und Nistkästen wird die Artenvielfalt im Apfelanbaugebiet im Vinschgau gefördert.

und an der Hofstelle erfassen können. Der Erhebungsbogen umfasst aktuell 53 Einzelmaßnahmen, die thematisch in 9 Kategorien zusammengefasst sind. Die Maßnahmen betreffen Themen wie „Einsaaten und Blühstreifen“, „Nistkästen und Bruthilfen“ bis hin zu „Landwirtschaftliche Vielfalt“. Mithilfe der 2020 eingeholten Erhebungen erhalten die teilnehmenden Vinschger Produzenten nun erstmals einen zusammenfassenden Überblick über ihre Biodiversitätsmaßnahmen. Die gesammelten Daten ermöglichen einen direkten Vergleich mit anderen Vinschger Obstbetrieben. Dementsprechend entsteht auch ein Anreiz, weitere ökologische Maßnahmen im eigenen Betrieb umzusetzen. Über 250 Betriebe, die eine Anbaufläche von insgesamt fast 1.000 Hektar bewirtschaften, haben an der Erhebung teilgenommen. Die Erhebung wurde zum größten Teil auf Betrieben eingeholt, die nach den Richtlinien von BIOLAND oder DEMETER produzieren. In einer weiteren Erhebung, die im Zuge des „Biodiversitätsprojektes Schneewinkel“ durchgeführt wurde, hat man die Maßnahmen auf integriert produzierenden Flächen eingeholt. In Summe entspricht die erhobene Fläche knapp einem Fünftel der gesamten Anbaufläche im Vinschgau. Die Ergebnisse dieser Erhebung belegen, dass viele der befragten Betriebe bereits eine Vielzahl von verschiedenen Maßnahmen zur

Förderung der Artenvielfalt in ihren eigenen Anlagen umsetzen. Breite Palette an Maßnahmen Zu den Maßnahmen gehören zum Beispiel Hecken, Sträucher und Gehölze, denn sie bilden wichtige Landschaftselemente und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen. Sie bieten eine Rückzugsmöglichkeit und einen Nistplatz für eine Vielzahl von Insekten, kleinen Reptilien, Säugetieren und Vögeln. Durch die Hecken wird zudem die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln verringert. In über 70% der befragten Obstbaubetriebe im Vinschgau stehen bereits Hecken in den Obstanlagen. Weitere Maßnahmen sind Blühstreifen und Einsaaten in den Fahrgassen oder am Rand der Anlage. Dadurch wird die Artenvielfalt in den Obstanlagen erhöht. Diese ungestörten Bodenbereiche fördern das Vorkommen verschiedener Nützlinge und Bestäubungsinsekten und helfen damit bei der Schädlingsregulierung mit. Zu dieser Maßnahme hat sich bereits ein Drittel der befragten Betriebe entschieden. Fast zwei Drittel der befragten Bauern bieten mit geeigneten Nistkästen den Vögeln einen praktischen Ort zur sicheren Aufzucht der Brut. Auch für Fluginsekten gibt es passende Bruthilfen, in sogenannten Insekten- bzw. Wildbienenhotels. Auf nahezu der Hälfte der Betriebe stehen solche Nisthilfen zur Verfügung. RED