Mit Kobis und Vieh übers Joch

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Danke für ehrenamtlichen Dienst SCHLANDERS - Seit über 10 Jahren ist Franz Primisser ehrenamtlicher Schülerlotse in Schlanders. Er verrichtet diesen wertvollen Dienst seit dem Zugunglück im Jahr 2010. Unter den 9 Todesopfern befand sich damals auch Franz Hohenegger aus Schlanders, der bis dahin Schülerlotse gewesen war. Am Morgen des vergangenen 19. Mai wurde Franz Primisser an seinem „Arbeitsplatz“ vor dem Haus der Bezirksgemeinschaft in Schlanders von der Gemeindereferentin Monika Wielander mit einem Blumenstock überrascht. Sie gratulierte ihm einerseits zum 75. Geburtstag und dankte ihm andererseits im Namen der Franz Primisser freute sich über den Blumenstock, mit dem Gemeinde, der Kinder, Eltern ihn die Gemeindereferentin Monika Wielander überraschte.

und Oberschüler für den wertvollen Dienst, den Franz sowie alle anderen Schülerlosten im Gemeindegebiet von Schlanders unentgeltlich verrichten. Im Hauptort sind neben Franz Primisser auch Alfons Oberegger, Herbert Habicher und Florian Pircher als Schülerlotsen an zwei neuralgischen Stellen im Einsatz. In Kortsch versehen Konrad Gruber und Veronika Wilhalm den wertvollen Dienst und in Göflan werden ab dem Herbst 2021 Alfred Alber, Elisabeth Alber Telser, Wolfgang Mair und Stefan Schwarz im Einsatz sein. Einige der Schülerlotsen-Gruppe versehen den ehrenamtlichen Dienst schon seit über 10 Jahren. SEPP

LESERBRIEFE

Lockdown für immer Abgelehnt. Nach fast 60 Jahren endet die Geschichte der Pension Mairhof. Mit Herzblut haben wir hier an einem ruhigen Tourismus gearbeitet. Familiär, regional, umweltfreundlich, leise und etwas anders wollten wir immer sein. Mit viel Lob und 6.0/6.0 Sternen bei Holidaycheck hat man es uns in den letzten Jahren gedankt. Früher war es absolut normal, mit den Gästen Zimmer an Zimmer zu wohnen. In Zeiten von booking.com und Airbnb wird es aber zunehmend schwieriger, als Familie mit Kindern mitten im Betrieb zu wohnen, wenn abends Gäste zwischen Schlaf- und Kinderzimmer kursieren, die sich spätabends noch eingebucht haben. Es wurde uns immer klarer, dass eine Abtrennung von Betrieb und Privatbereich unerlässlich wird. Von 5 Gästezimmern würden dann aber nur 2 oder höchstens 3 übrig bleiben - ein Unterfangen, das mehr kosten würde, als der Betrieb danach über eine Generation abwirft. Die riesigen, seit Jahrzehnten ungenutzten Betriebsgebäude würden dem klaren Menschenverstand hier eigentlich Sinn 20

DER VINSCHGER 19/21

machen, schön renoviert, mit einer Wohnung für uns und Ferienwohnungen für Gäste. Undenkbar! Auch wenn seit 60 Jahren kein Einkommen aus der Landwirtschaft generiert wird, es ist ein Bauernhof und muss Bauernhof bleiben. Der Stadel darf verfallen aber nicht anderweitig genutzt werden. Über eine Erweiterung durch eine touristische Zone gab es eine theoretische Chance. 8 Ferienwohnungen + eine Privatwohnung für uns. Zudem ein paar Nebenräume, z.B. ein Seminarraum, der unserem Betrieb auch für die Wintermonate eine Grundlage gegeben hätte. Aber Nein! Unsere schöne Kapelle daneben! Die Kapelle, die wir täglich teils mehrfach für Passanten aufschließen. Die Kapelle, die so langsam wieder Renovierungen für mehrere 10.000 Euro bedürfte. Das Denkmalamt kann sich gar nicht vorstellen, dass wir hier in 50 Meter Entfernung ein baufälliges Gebäude abreißen und etwas Neues aufstellen! Nein, schaut sicher nicht gut aus. Das überfordert den Weiler! Ja, mit 20 zusätzlichen Betten auf einem Weiler, der vor 40 Jahren noch 70 Gästebetten, 2 Schwimmbäder und ein

Gasthaus bot, hätten wir wohl wirklich zu einer touristischen Überflutung gesorgt. Die zwei Buschenschänke in unmittelbarer Umgebung wären wohl vor Ansturm unter die Räder gekommen. Die Leitplanken! Jemand könnte über die Straße hinauskommen und Leitplanen verschandeln den ganzen Berg. Aber wegen uns hat das noch niemanden gestört. Die standortferne Baumasse! Das passt hier doch alles nicht. Ja das stimmt: den genehmigten Bauten der letzten Zeit hätten wir wohl Sichtbeton-Quader als Entwurf liefern sollen. Nein, wir wollten hochwertigste Ferienwohnungen mit Anlehnungen an die typische Bauweise, modern interpretiert, Gewölbe, freistehendes Dach, alle Autos in den Keller, regionales Material. Energieautark. Nein, auf Gschneir will man Beton, Ruinen und Müll - so scheint es uns. Aber das Wasser! Viel zu uranhaltig für die Gäste! Und wahrscheinlich zu wenig. Für jeden Wichtigtuer ist etwas dabei. Wir gratulieren, ihr habt gewonnen. Wir sind enttäuscht. Wir machen dicht, weil wir nicht anders können. Und wir machen auch die Kapelle dicht, da wir als Besitzer

dafür bestraft werden, dass wir sie instand halten, pflegen und jedem Interessierten die Tür aufsperren. Wir machen auch unseren Garten dicht, in den sich bisher jeder Wanderer setzen durfte und seine Brotzeit auspacken konnte. Wir machen auch unseren Parkplatz dicht, der bisher jederzeit für Wanderungen am Gschneirer Wahl genutzt werden konnte. Das Denkmal für das Geburtshaus des Landeshauptmanns von Tirol, Eduard Wallnöfer, geben wir der Gemeinde Schluderns zurück. Das mag trotzig sein, ja wir sind trotzig. Wir sind wütend. Der Mairhof hätte es als Betrieb verdient, nach 60 Jahren eine für den Fortbestand unabdingbare Erweiterung zu machen. Was Corona nicht geschafft hat, schafft nun die Südtiroler Landesregierung. Lockdown für immer. LUKAS THANEI, SCHLUDERNS, 26.05.2021