Jenseits ersehnt, diesseits abgelehnt

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Am 15. Mai gab es eine Lesung mit Johannes Fragner-Unterpertinger (links) über Karl Plattner, musikalisch begleitet von Franziska Telser

Demokratie ist lustig „Wir brauchen eine kritische und ehrliche Kunst“ MALS - „Demokratie ist lustig“. Diese Worte schrieb der deutsche Aktionskünstler Joseph Beuys (1921–1986) quer über ein Zeitungsfoto, das zeigte, wie ihn die Polizei abführte. Beuys war 1972 von der Düsseldorfer Kunstakademie als Professor entlassen worden, weil er abgewiesene Studenten in seiner Klasse aufnahm. Er war mit dem elitären Akademiebetrieb nicht einverstanden. Das Fluxus-Multiple „Demokratie ist lustig“ ist das Motto eines interdisziplinären Kunstprojektes, das am 14. Mai in Mals eröffnet wurde und noch bis 29. Mai läuft.

Kunst im „Einhorn“ Im ehemaligen Gasthaus „Einhorn“ im Ortszentrum von Mals wurde eine interdisziplinäre Ausstellung für mehr Demokratie und Kunst eingerichtet, die am Mittwoch, Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 20 Uhr besucht werden kann sowie am Donnerstag und Freitag von 16 bis 20 Uhr. Die Idee und das Konzept stammen von Erika Inger und Wolfgang Wohlfahrt, beide aus Lana. Bei der Eröffnung der Ausstellung am 14. Mai führten Inger und Wohlfahrt in das Konzept der Ausstellung

Das Werk „Der Schwarm und die Achtsamkeit 2020“ von Erika Inger.

ein. Einen großen Dank zollten sie allen, die das Kunstprojekt mittragen bzw. unterstützen: Gemeinde Mals, Kulturamt des Landes, „Malser Weg“, Bürgergenossenschaft Obervinschgau, LanaArt, Umweltschutzgruppe Vinschgau und Stiftung Südtiroler Sparkasse. Bei der Planung eifrig mitgeholfen haben der Kulturreferent Andreas Pobitzer, Johannes Fragner-Unterpertinger („Malser Weg“) und Armin Bernhard (Bürgergenossenschfat Obervinschgau).

Noch bis zum 29. Mai können im ehemaligen Gasthaus „Einhorn“ in Mals 9 Künstlerpositionen zum Thema Demokratie besichtigt werden. Im Bild ein Schnappschuss der Ausstellungseröffnung.

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DER VINSCHGER 18/21

Der ehemalige Gasthaus „Einhorn“

Andreas Pobitzer und Bürgermeister Josef Thurner dankten den Initiatoren für die Organisation dieses besonderen Projektes und hoben die Bedeutung von Kunst und Demokratie hervor. „In Zeiten wie diesen ist das Thema Demokratie besonders wichtig. Wir müssen aufpassen, dass sie erhalten bleibt“, sagte Thurner. Die Kunst sei ein „Treiber“ der Demokratie. Was hat Kunst mit Demokratie zu tun? „Die Demokratie braucht mehr Kunst, vor allem kritische und ehrliche Kunst,“ sagte Erika Inger. Die Welt der Kunst sei eigentlich ein Spiegelbild der politischen, „demokratischen“ Welt. Die wertvolle Errungenschaft der Demokratie bedeutet laut Inger Freiheit: Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit. „In den letzten Jahren wurden diese Grundrechte ganz schleichend abgebaut, so dass man es kaum merkt. Das ist sehr beunruhigend“, so die Künstlerin. „Wir brauchen wieder mehr Demokratie. Deshalb möchten