Jenseits ersehnt, diesseits abgelehnt

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„Der Alltag war selten alltäglich“ Sechs Monate als Sozialreferentin in Partschins - Eine Bilanz PARTSCHINS - In ihrem Rückblick führte Sozialreferentin Jasmin Ramoser die Aufgabenbereiche Gesundheit, Familie, Seniorenheim, Kindergarten und Schule an. Gefordert worden sei sie aber von Aufgaben, für die es keine alltäglichen Erfahrungswerte gab. Unter widrigsten Umständen musste schnell gehandelt werden - so beim Massenscreening „Südtirol testet“ im November, bei der Einrichtung der Teststation in Rabland, bis zur Testung im Geroldsaal, als Partschins plötzlich zum Sperrgebiet erklärt wurde. „Nur durch die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten schafften wir einen geregelten Ablauf“, erklärte sie. Das habe viel Anerkennung von Seiten der Bürger eingebracht, während die Klage über mangelnde Transparenz der Opposition im Gemeinderat

Vor neuen Herausforderungen: der Gemeindeausschuss in Partschins mit Hartmann Nischler, Ulrich Schweitzer, Walter Laimer, Bürgermeister Luis Forcher und Jasmin Ramoser (v.l.)

einen faden Beigeschmack hinterlassen habe. Sogar die wöchentlichen Ausschusssitzungen würden als „Geheimnistuerei“ bezeichnet, obwohl sie per Gesetz geheim abgehalten werden müssen. Ramoser betonte die Bedeutung der

direkten Unterstützung von in Not geratenen Familien und der „Stillen Hilfe im Dorf“. Der dadurch entstandene Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde, gab vielen neue Hoffnung. Ramoser äußerte sich zufrieden, dass sowohl der

Jugend-, als auch der Seniorenbeirat ihre wertvolle Tätigkeit aufnehmen konnten. Vor allem diese beiden Gruppen hätten coronabedingt auf vieles verzichten müssen und verdienten jetzt große Aufmerksamkeit. S/RED

RATGEBER WIRTSCHAFT

Verlust- oder Fixkostenbeitrag? Die autonome Provinz Bozen hat bekanntlich zur Eindämmung der negativen Konsequenzen der Coronakrise im März 2021 ein weiteres Hilfspaket für die in Südtirol ansässigen Unternehmen versprochen, welches in den Medien als 500 Millionen – Euro Paket bekannt wurde. Angekündigt wurden zwei alternative Maßnahmen: 1) ein Verlustbeitrag in Höhe zwischen 3.000 und maximal 10.000 Euro, oder alternativ 2) ein Fixkostenbeitrag im Ausmaß von 30% bis 50% der Fixkosten, mit einem Maximalbetrag von 100.000 Euro. Da den Wirtschaftstreibenden nur einer der beiden Beiträge zusteht, muss man gut abwägen, für welchen Beitrag man sich entscheidet. Zwar wurde erst unlängst der Beschluss der Landesregierung für den Verlustbeitrag veröffentlicht, doch die Kriterien für den Fixkostenbeitrag sind bis dato nur mittels Pressemitteilung vorgestellt worden, ohne dass hierfür der Beschluss der Landesregierung veröffentlicht worden wäre – laut Aussagen der Landesregierung wird der Beschluss zu den Fixkostenbeiträgen erst im Mai gefällt. Bereits vorab hat das Land die Liste jener Kosten veröffentlicht, welche für die Berechnung des Fixkostenbeitrages relevant sind. Diese Liste umfasst insgesamt 69 Punkte, darunter sind u.A. die Kosten für Strom, Heizung, Gas, Telefon, Versicherungen, Werbung, Datenverarbei-

tung, Steuerberatung, Personalverwaltung, Instandhaltungen, Versicherungen, Miete und Pacht, Passivzinsen, und Bankgebühren enthalten. Der Fixkostenbeitrag scheint vor allem für größere Betriebe mit hohen Fixkosten interessant zu sein. Beide Beiträge stehen unter der Voraussetzung zu, dass der Wirtschaftstreibende (Freiberufler, Selbstständige, Unternehmen, Personen-oder Kapitalgesellschaften) einen Umsatzrückgang von 30% erlitten hat, wobei die Bezugszeiträume für die beiden Beiträge unterschiedlich ausfallen – beim Verlustbeitrag ist der Umsatzrückgang für den Zeitraum 01.10.2020 – 31.03.2021 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres relevant, beim Fixkostenbeitrag wird hingegen der Zeitraum 01.04.2020 – 31.03.2021 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres begutachtet. Da der rechtliche Rahmen noch nicht vollständig geklärt ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht in allen Fällen genau festhalten, welcher Beitrag einen höheren Nutzen darstellt. Es empfiehlt sich dementsprechend, nicht sofort um den Verlustbeitrag anzusuchen, sondern abzuwarten, bis auch der Beschluss zum Fixkostenbeitrag veröffentlicht wird – sodass man vor Abgabe schon ein paar Überlegungen durchdenken kann. WALTER GASSER

Walter Gasser gasser@gspeo.com Kanzlei Gasser Springer Perathoner Eder & Oliva Naturns - Lana - Bozen

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