Jenseits ersehnt, diesseits abgelehnt

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„musica viva“ wieder da

Die Richtung stimmt Gemeinschaftsprojekt „Bienenweide Latscher Sonnenberg“ wird weitergeführt.

Daniel Bucher, Florian Keller und Patrick Brugger (v.l.) SCHLANDERS - Am 15. Mai war es endlich soweit. Der Konzertverein „musica viva Vinschgau“ konnte nach der langen, pandemiebedingten Zwangspause erstmals wieder zu einem Konzert in die Pfarrkirche von Schlanders einladen. Dass der „Durst“ nach einem Konzert in Präsenz groß war, konnte man den Gesichtern der rund 30 Zuhörerinnen und Zuhören ablesen. Gestillt hat den Durst das Trio Toccata. Die drei Musiker Daniel Bucher (Trompete), Florian Keller (Trompete) und Patrick Brugger (Orgel) waren aus Deutschland angereist. Sie haben gemeinsam an der Stuttgarter Musikhochschule studiert und sind als Musiker und Musikpädagogen tätig. Beim Konzert in Schlanders, das in Zusammenarbeit mit dem „Festival Musica Sacra“ organisiert wurde, spielte das Trio Werke für Trompeten und Orgel von Eugène Gigout, Samuel Scheidt, Félix Alexandre Guilmant, Georg Friedrich Händel und anderen. Bucher und Keller hatten insgesamt 8 Trompeten bzw. Flügelhörner mitgebracht, auf denen sie je nach Musikepoche, aus der die jeweiligen Werke stammen, spielten. Der frühere Dekan Josef Mair freute sich, „dass wir endlich wieder ein Konzert in der Pfarrkirche erleben dürfen.“ Er dankte dem Trio Toccata und dem Konzertverein „musica viva Vinschgau“ mit dem Präsidenten Hermann Schönthaler an der Spitze. Das Konzert fand unter der Einhaltung der Covid19-Sicherheitsbestimmungen statt. Das für den 31. Jänner 2021 geplante Konzert mit dem „vokalensemble NovoCanto“ wird am Sonntag, 27. Juni, im Kulturhaus in Schlanders nachgeholt. Das Konzert mit „Bozen Brass“, das für den 25. April geplant war, findet am Sonntag, 8. August, im Kulturhaus in Schlanders statt. SEPP

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DER VINSCHGER 18/21

Auch Nachpflanzungen wurden im Rahmen des Baumfestes vorgenommen. LATSCH - Es war im Sommer 2020, als an den Böschungen der neuen Steinschlagschutzdämme oberhalb des Waalweges im Bereich Vermoi am Fuße des Sonnenbergs das Projekt „Bienenweide Latscher Sonnenberg“ in Angriff genommen wurde. An den Böschungen wurden auf ca. 1 Hektar Bäume und Sträucher gepflanzt. Es handelte sich um ausgewählte Trachtpflanzen, die eine gute Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten darstellen. Durch das Einbringen von Humus, Totholz und Steinen wurden Schattenflächen und naturnahe Kleinstandorte geschaffen. Die am Projekt Beteiligten, sprich die Fraktion Latsch als Grundeigentümerin, der Verband der Vinschger Produzenten für Obst und Gemüse VIP, das Land (Amt für Straßenbau West), das Forstinspektorat Schlanders und der Imkerverein Latsch, hatten sich das gemeinsame Ziel gesetzt, ein konkretes Zeichen für den Erhalt der Artenvielfalt zu setzen. Bei einem Baumfest am vergangenen 15. Mai konnte eine erste positive Bilanz gezogen werden. Landesrat Arnold Schuler lobte die Initiative. Er hatte am Tag zuvor in Bozen das „Strategiepapier Landwirtschaft“ vorgestellt. Zu den darin formulierten ambitionierten Zielen gehört auch der Erhalt bzw. die Förderung der Artenvielfalt. Dass die intensive Landwirtschaft im Bereich der Artenvielfalt Spuren hinterlassen hat, ist laut Schuler

unbestritten. Dies zeige auch das langfristige, flächendeckende Biodiversitäts-Monitoring von Eurac Research auf. Im Strategiepapier wird auf die Sektoren Obst- und Weinbau eingegangen sowie auf die Milchwirtschaft. In den Bereichen Klima, CO2-Reduktion sowie Artenvielfalt und Gesellschaft soll in den nächsten Jahren ein Wandel erfolgen. Im Projekt „Bienenweide Latscher Sonnenberg“ bzw. der Schaffung natürlicher Ausgleichsflächen außerhalb der intensiv bewirtschafteten Flächen sieht Schuler ein gutes Beispiel in Richtung Schutz der Artenvielfalt. „Auch für uns als VIP sind der Bienenschutz, die Biodiversität und die nachhaltige Obstproduktion große Themen,“ sagte VIP-Obmann Thomas Oberhofer. Zu den Aufgaben der VIP gehöre es, die rund 1.700 Mitglieder zu sensibilisieren. An die Adresse der Medien richtete er den Appell, nicht anklagend, sondern motivierend zu berichten. Der

Latscher Imker-Obmann Peter Tscholl gab zu bedenken, dass es in Sachen Artenvielfalt, speziell im Bereich der Bienen und anderer Insekten, bereits zu teilweise irreversiblen Schäden gekommen sei: „Man kann aber versuchen, Schlimmeres zu verhindern.“ Die „Bienenweide Latscher Sonnenberg“ sei in dieser Hinsicht ein gelungenes und begrüßenswertes Projekt. Amtsdirektor Georg Pircher vom Forstinspektorat Schlanders informierte, dass 17 verschiedene Baum- und Straucharten gepflanzt wurden. Insgesamt wurden ca. 1.400 Bäumchen in die Erde gesetzt. An die 550 Arbeitsstunden wurden im ersten Projektjahr geleistet, wobei auch Pflegemaßnahmen durchgeführt worden. Pircher kündigte außerdem eine Weiterführung des Projektes an. Im Rahmen des Baumfestes wurden weitere Bäumchen und Sträucher gepflanzt. Auch eine Schautafel mit Informationen zur Bienenweide wurde enthüllt. SEPP

Fraktionspräsident Andreas Weitgruber, Landesrat Arnold Schuler, VIP-Obmann Thomas Oberhofer, Imkervereins-Obmann Peter Tscholl und Amtsdirektor Georg Pircher (v.l.) vor der Info-Tafel bei der „Bienenweide Latscher Sonnenberg“