„So nicht, liebes Land!“

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VINSCHGER THEMA

Mehr Mitsprache beim Wasser gefordert Breite Front gegen den Vorschlag zur Ausweisung von nur zwei Trockengebieten. Dringender Appell an die Landesregierung. VINSCHGAU - Oft heißt es, dass die Vinschger nicht imstande wären, zusammenzuhalten. Das mag manchmal zutreffen, ist aber nicht die Regel. Jedenfalls dann nicht, wenn es ans Eingemachte geht. Man denke etwa an den sogenannten Stromstreit oder den geballten Einsatz für den Erhalt aller wesentlichen Dienste im Krankenhaus, besonders der Geburtenabteilung. Seit jeher hochsensibel ist die Bevölkerung des größten Trockentales in Südtirol, wenn es um das Thema Wasser geht. Wie ernst es dem Bezirk im Zusammenhang mit dem Gewässerschutzplan und der bevorstehenden Ausweisung von sogenannten Trockenzonen ist, geht aus einem Schreiben an Landeshauptmann Arno Kompatscher und an die Landesräte Arnold Schuler und Giuliano Vettorato hervor, in dem davor gewarnt wird, einen „Wasserstreit“ vom Zaun zu brechen. Unterschrieben haben den Appell der Kammer-

abgeordnete und SVP Bezirksobmann Albrecht Plangger, der Präsident Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Dieter Pinggera, der Präsident und der Direktor des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau, Paul Wellenzohn und Gottfried Niedermair, der Landtagspräsident Sepp Noggler, der Bezirksobmann des Bauernbundes, Raimund Prugger, und der frühere Bezirkspräsident Andreas Tappeiner. Auch die Bürgermeister des Tales haben ein ähnliches Schreiben an die Landesregierung geschickt und ihre Verhandlungsführer namhaft gemacht. Nur zwei Trockenzonen vorgesehen Der unmittelbare Anlass des Protestschreibens ist der vom Amt für nachhaltige Gewässernutzung ausgearbeitete Vorschlag für die Ausweisung sogenannter Trockenzonen. Im Gewässerschutzplan ist

ausdrücklich vorgesehen, dass die Landesregierung Zonen festlegen kann, die durch Trockenheit bzw. wiederholte Engpässe in der Wasserversorgung gekennzeichnet sind. In diesen Zonen kann für die landwirtschaftliche Nutzung eine Abweichung von der Mindestrestwassermenge von 2 Sekundenlitern pro Quadratkilometer vorgesehen und ein geringerer Abflusswert festgelegt werden. Nicht wenig erstaunt war man im Vinschgau, als der Entwurf für den Trockenzonenplan kürzlich eintraf und zwar bereits in Form einer Beschlussvorlage für die Landesregierung. „Wir wurden weder in die Ausarbeitung des Planes miteinbezogen, noch gab es im Vorfeld Ortsaugenscheine oder Aussprachen“, so der Grundtenor. Im Vorschlag seien lediglich zwei Trockenzonen am Sonnenberg in den Gemeinden Laas und Kastelbell-Tschars vorgesehen: „Das ist viel zu wenig. Dieser Vorschlag geht an der Realität vorbei. Würde er in dieser Form genehmigt, ist der Weiterbestand vieler bergbäuerlicher Betriebe gefährdet,“ lautet die Kritik aus dem Vinschgau. Beanstandet wird auch die Tatsache, dass im Plan von Bächen und Wasserläufen die Rede ist, „die es nicht einmal gibt und die wir gar nicht kennen.“ Außerdem gehe es nicht an, dass verbaute Bach-Abschnitte, die de facto Wasserkanäle sind, natürlichen Wasserläufen gleichgestellt werden. An vielen Wasserläufen im Vinschgau fehlt heute schon in 9 von 10 Jahren Wasser für die Landwirtschaft, trotz vieler Investitionen zum Wassersparen. „Taube“ Ämter und Landesräte

Der Entwurf des Trockenzonenplanes sieht nur zwei Trockengebiete im Vinschgau (siehe Kreis) vor.

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DER VINSCHGER 13-14/21

Diese und ähnliche Anliegen werden auch im genannten Schreiben auf den Punkt gebracht. Mit dem Entwurf des Gewässerschutzplanes hatten sich die Vinschger Gemeinden, Verbände, Beregnungs- und Boni-