„So nicht, liebes Land!“

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Naturns und sein „flüssiger Schatz“ Gemeinde und Tourismusgenossenschaft auf dem Weg ins Thermalzeitalter NATURNS - Christof Tappeiner und Uli Stampfer, Präsident und Direktor der Tourismusgenossenschaft Naturns, hatten zum Vortrag „Heilkraft der Alpen“ geladen. „Die Phase des Leitungsbaus von Staben zum Erlebnisbad“ sei abgeschlossen, erklärte Tappeiner; nun sei „die Phase der Produktentwicklung“ zu eröffnen. Was dann Dozent Arnulf Hartl vom Universitätsinstitut für Ökomedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg am Vortragspult und über Online-Kanäle 40 Minuten lang vortrug, war der sprichwörtliche Balsam auf die Seelen der Naturnser Verwalter und Tourismustreibenden. In trüben und lähmenden Corona-Zeiten eröffneten die Ausführungen des Wissenschaftlers viel versprechende Perspektiven. Der Referent sparte nicht mit begeisternden Hinweisen auf die natürlichen Vorteile in Naturns. „Was Sie alles hier in Naturns an Natur um sich haben, mit einer hervorragenden Gastronomie, mit der italienisch angehauchten alpinen Speisequalität, mit den

Heilbad- und Bergurlaub wirken nicht nur auf das Immunsystem, sondern auch auf die Beziehungsqualität von Paaren.

Bergen, mit Sonnseite, Schattseite und mit dem flüssigen Schatz…“ Die Euphorie blieb unvollendet. Die Menschen seien dabei, sich ein neues Gesundheitsbewusstsein zu schaffen, erklärte Hartl, und die Natur als Sehnsuchtsort zu entdecken. Die alpin-mediterrane Lage von Naturns, die Kombination Wandern und Baden lasse Menschen vielfach aus unbewussten Gründen von überall herkommen. Hartl zitierte aus

Studien und führte mehrfach wissenschaftliche Erhebungen an, nach denen „naturverbundene Menschen“ glücklicher sind, eine höhere Vitalität aufweisen und in den Bergen Menschen aus der Depression geholt würden. Das einfache „zweibeinige Fortbewegen“, also das Wandern, wirke sich wissenschaftlich nachweisbar positiv aus. Wird es dann zur Wander-Bädertherapie, sei man auf dem Weg zu einem

„naturbasierten und gesundheitsfördernden Tourismus“. Als „attraktivste und reichste Zielgruppe“ bezeichnete Hartl Menschen zwischen 65 und 85. Sie würden sich intensiver mit Gesundheitsthemen auseinandersetzen als jüngere Generationen. Ein einwöchiger Heilbad- und Bergurlaub wirkten besonders auf das Immunsystem und vorbeugend auf Osteoporose, chronische Rückenschmerzen und – laut Hartl ein heikles Thema – auf die Beziehungsqualität von Paaren aus. Hartl verwies unter anderem auch auf das kulturelle Erbe des Heilbades Kochenmoos. Daran anschließend könnte das Thermalwasser aus Staben als natürliche Heilressource in der Gemeinde Naturns zu einem regionalen Entwicklungsfaktor werden. In der anschließenden Diskussion wurde auch die Frage aufgeworfen, wie man sich vom „Thermalort Meran“ abheben könnte. GÜNTHER SCHÖPF

Es geht um „Inwertsetzung“ Inwertsetzung der alten Bäder bzw. der „mineralhaltigen Wässer“ und der Reaktivierung der Badlkultur in den vergangenen Jahren erfahren und ist daraufhin auf uns zugekommen. Dabei etwas mehr als einem Jahr be- stellen wir Kontakte zu wissengleiten wir die Tourismusgenos- schaftlichen Partnern und Exsenschaft Naturns beim Thema perten her und unterstützen die „Inwertsetzung der Quelle von Begleitung von Förderansuchen. Bad Kochemoos“.

Hartl von der Paracelsus Universität in Salzburg. Hartl ist einer der wenigen Experten, die die positiven und gesundheitlichen Effekte von natürlichen, alpinen Ressourcen (also die Wirkung der Natur auf den Menschen) medizinisch untersucht: Er wirkte bei gesundheitstouristischen Projekten in Südtirol mit (z.B. Partschinser Wasserfall) und Und wie haben sich die Kon- war Projektpartner beim IDM Wie ist IDM bzw. Ihre Gruppe takte zu Dozent Arnulf Hartl, Projekt „WinHealth“, wo es um in das Naturnser Projekt in- Salzburg, als Vortragender in die Inwertsetzung des Winters volviert? Naturns, ergeben? für die Gesundheit ging. Naturns hat von unseren AkIDM verbindet eine langjähritivitäten und Bestrebungen zur ge Zusammenarbeit mit Prof. Dr. INTERVIEW GÜNTHER SCHÖPF & Wellness Innovation“ bei IDM Südtirol schon länger mit dem Thema Heilwasser in Naturns? MANUELA IRSARA/ELISABETH STEGER (PROJEKTLEITERIN): Ja, seit

Dozent Arnulf Hartl in Naturns der Vinschger: Befasst sich die Abteilung „Head Food

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