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VINSCHGER GESELLSCHAFT raschung. Auch eine zweitägige Exkursion für Matscherinnen und Matscher ins Schweizer Valposchiavo gehörte zum Projekt. In Valposchiavo werden mittlerweile 98% der landwirtschaftlichen Nutzflächen biologisch bewirtschaftet. Außerdem wurde die Regionalmarke „100% Valposchiavo“ für Produkte, die im Tal produziert Auch Öffentlichkeitsarbeit war Teil des Projektes. Filmaufnahmen auf werden, geschaffen. einem Bio-Gemüseacker in Matsch mit dem Filmteam der Bio-Alm Gonda Nach vielen Gesprächen, Treffen und nicht immer einfachen Diskussionen im Winter 2018/2019 konnte die Gonda-Alm oberhalb des Dorfes Matsch im Sommer 2019 erstmals als biologisch bewirtschaftete Alm zertifiziert werden. Da die Gonda-Alm über eine Milchleitung ins Tal verfügt, konnte ein Teil der Bio-Milch täglich von Bergmilch Südtirol abgeholt werden. Ein Teil wurde zu Bio-Alpkäse und Bio-Alpbutter verarbeitet. Die Inhaberinnen des lokalen Lebensmittelgeschäftes erklärten sich nach einem Gespräch bereit, während der Sommermonate 2019 versuchsweise ein Regal mit regionalen und Bio-Produkten zu bestücken. Weiters erfolgte ein Treffen mit den lokalen Gastrono-

RAI-Sendreihe „Tourismus in Südtirol“.

miebetrieben, bei dem vereinbart wurde, dass jeder der Anwesenden im Sommer 2019 versuchsweise ein Bio-Getränk und/oder ein Bio-Gericht bzw. ein Gericht mit zumindest einer Bio-Zutat auf der Speisekarte anbietet und dieses auch als „biologisch“ ausweist.

gebnisse der Studie von Peter Luis Thaler präsentiert werden sollen. Diese Veranstaltung soll einen Ausgangspunkt darstellen, wie die Idee eines „BioTals Matsch“ fortgeführt werden kann. Im Falle einer Weiterführung wird es in einem nächsten Schritt darum gehen, gesetzte Initiativen zu vertiefen und eine Sichtbarkeit nach außen zu schaffen, von der das Hochtal Matsch profitieren soll. Nähere Informationen zum Projekt gibt Stunden in Matsch sichtlich und es auf der Website der Projektträbrachte auch ihre eigenen interes- gerin, der Bürgergenossenschaft Obervinschgau (www.da.bz.it). santen Erfahrungen ein. Masterarbeit abgeschlossen

Mittlerweile hat der Schlanderser Student Peter Luis Thaler auch seine Masterarbeit an der Universität für Bodenkultur in Renate Künast zu Gast Wien abgeschlossen. Die Arbeit Ein besonderer Höhepunkt im trägt den Titel „Biologische LandRahmen des Projektes war der wirtschaft im Matschertal im Besuch der ehemaligen deutschen Vinschgau, Südtirol – EinstellunLandwirtschaftsministerin Re- gen und Verhaltensintention der nate Künast in Matsch. Sie in- Bevölkerung hinsichtlich eines formierte sich über das Projekt Bio-Tals Matsch“. Wenngleich „Machbarkeit BioTal Matsch“ und die Finanzierung des Projektes besichtigte mit Mitgliedern der Ende 2019 ausgelaufen ist, ist es Arbeitsgruppe biologisch und nach wie vor geplant, eine „Wie nicht biologisch wirtschaftende geht’s weiter“-Veranstaltung zu Betriebe in Matsch. Sie genoss die organisieren, bei der auch die Er-

Respekt und Transparenz Wie Anja Matscher abschließend bemerkt, stellen ein respektvoller gegenseitiger Umgang und maximale Transparenz die Grundlage für so ein Projekt dar, denn nur so kann Akzeptanz geschaffen werden. Andererseits lasse es sich nicht vermeiden, dass Veränderungen immer auch auf Kritik stoßen. Eine zentrale Erkenntnis sei, „dass ein Bio-Tal bzw. eine Bio-Region nur dann langfristig Erfolg haben wird, wenn auch die entsprechende Einstellung der Menschen vor Ort gegeben ist.“ RED/SEPP

Im Gedenken an Franz Matscher SCHLANDERS - Am 18. Februar 2021 ist Franz Matscher, Ehrenmitglied der Schützenkompanie „Priester Josef Daney“ Schlanders, in Wien gestorben. Franz Matscher wurde 1928 in Meran geboren und hatte auch in Schlanders seine Wurzeln, wo noch Verwandte von ihm leben. Er erlebte in seiner Kindheit den Faschismus und die Katakombenschule. 1943 kam Franz Matscher im Zuge der Option nach Graz. Er erwarb in Graz und Paris zwei Doktortitel und ging in den Auswärtigen Dienst. Er war Mitglied der österreichischen Delegation mit Außenminister Bruno Kreisky an der Spitze, welche die SüdtirolFrage vor die Vereinten Nationen brachte. Als Leiter des SüdtirolerReferates war er wesentlich an den Paketverhandlungen beteiligt. Franz Matscher erhielt 1970 eine Professur an der Rechtsfakultät der Universität Salzburg, 1996

Franz Matscher mit seiner Familie bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.

wurde er emeritiert, setzte sich aber weiterhin für den Menschrechtsschutz ein, so als Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und als Mitglied des Ständigen Schiedshofs in Den Haag. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1996) und den Gro-

ßen Verdienstorden des Landes Südtirol (2010). Am 18. Mai 2011 verlieh ihm die Schützenkompanie „Priester Josef Daney“ Schlanders die Ehrenmitgliedschaft als Dank und Anerkennung für seine besonderen Verdienste um Südtirol. Universitätsprofessor Walter Oberhammer aus Wien schrieb dazu: „Ich habe Franz damals sein Züricher Ehrendoktorat verschafft, weil ich

ihn als Menschen und Wissenschaftler sehr geschätzt habe, er hat sich sehr gefreut, mir aber von Tiroler zu Tiroler gesagt, dass ihm die ungefähr gleichzeitige Ehrenmitgliedschaft in der Schützenkompanie Schlanders noch mehr bedeutet hat, was ich verstanden habe.“ Bei der Andreas-HoferGedenkfeier 2021 in Schlanders wurde auch des verstorbenen Ehrenmitglieds gedacht. „Wir als Schützenkompanie Schlanders und auch die Bevölkerung von Schlanders können stolz sein, in unseren Reihen so einen großen Tiroler und Europäer in unseren Reihen gehabt zu haben“, schreibt der Ehrenhauptmann Karl Pfitscher. Franz Matscher sei der alten Heimat stets eng verbunden geblieben: „Immer wieder war er mit seiner Frau Renata und seinen Töchtern in Obermais und manches Mal kam er auch zu Besuch RED nach Schlanders.“ DER VINSCHGER 09-10/21

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