Zuständig fürs Wohlbefinden

Page 10

VINSCHGER GESELLSCHAFT

„Kleiner Bremser“ bei Impfungen AstraZeneca-Aussetzung führt zu Verzögerungen. Impfzentrum in Mals im Aufbau. SCHLANDERS/MALS - Mehrere Hundert Feuerwehrleute, Schulund Kindergartenpersonal, Dorfpolizisten, Finanzbeamte und Mitarbeiter weiterer Sicherheitsund Ordnungskräfte wurden am 4. März im Impfzentrum im Kulturhaus in Schlanders mit dem AstraZeneca-Impfstoff gegen das Corona-Virus geimpft. Damals wusste noch niemand, dass die Impfung mit AstraZeneca knapp zwei Wochen später vorsorglich und zeitweilig ausgesetzt werden würde. Auch der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat die Impftätigkeiten mit AstraZeneca unterbrochen. „Die für die kommenden Tage vorgemerkten Impftermine sind vorerst abgesagt“, hieß es in einer Aussendung vom 15. März. Im Impfzentrum in Schlanders war bis dahin jeweils an zwei Tagen in der Woche geimpft worden. Am Mittwoch wurden AstraZeneca-Dosen verimpft und am Donnerstag Dosen von BioNTech/Pfizer. Nach der vorsorglichen Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen wurde der für den 17. März geplante Impftag abgesagt. Wie Robert Rainer, der ärztliche Leiter des Krankenhauses Schlanders und Primar der Abteilung Gynäkologie, am 17. März dem der Vinschger bestätigte, habe es bis dahin keine Meldungen von schwerwiegenden Nebenwirkungen gegeben. Auf die Frage, was mit jenen Personen geschieht, die bereits eine erste

Impfung mit AstraZeneca erhalten haben, meinte Rainer, „dass abzuwarten ist, was die italienische Agentur für Medikamente AIFA und die Europäischen Arzneimittelagentur EMA am 18. März empfehlen werden.“ Diese Empfehlungen waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Zur Causa AstraZeneca insgesamt sagte Robert Rainer, dass die in Italien gemeldeten Todesfälle, die nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet wurden, natürlich genauestens zu untersuchen sind, um eventuelle Zusammenhänge mit der Verabreichung der Impfung zu klären. Die einstweilige Unterbrechung der Impfungen mit AstraZeneca habe auch den

Robert Rainer, der ärztliche Leiter des Krankenhauses, hofft, dass die Impfungen wieder bald an Fahrt aufnehmen.

360 Impfungen wurden am 4. März im Impfzentrum in Schlanders durchgeführt. Zum Mitarbeiterteam gehörten u.a. der Rheumatologe Peter Matzneller, Wunibald Wallnöfer (Gemeindearzt im Ruhestand) und die Internistin Anna Gutwenger (von links). Im Vorfeld der Impfungen werden die Impfwilligen beraten und über die Inhaltsstoffe der Dosen sowie über die Risiken und Nebenwirkungen informiert. Nach der Impfung bleiben sie für ca. eine Viertelstunde unter Beobachtung.

10

DER VINSCHGER 09-10/21

Auch der Feuerwehrmann Hubert Klotz aus Prad ließ sich am 4. März im Kulturhaus in Schlanders impfen. Verabreicht hat ihm die Impfdosis die Sanitätsassistentin Ilse Thomann.

Impfplan im Vinschgau etwas eingebremst. Hinzu komme die ohnehin nur beschränkte Verfügbarkeit weiterer Impfstoffe wie BioNTech/Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson. Der ärztliche Leiter gab sich aber zuversichtlich, „dass wir den Fahrplan der Impfungen in Kürze wieder planmäßig aufnehmen können. Das Impfzentrum im Kulturhaus in Mals wird in dieser Woche aufgebaut.“ Robert Rainer hofft, dass die Impfungen der über 80-Jährigen bis Mitte April abgeschlossen werden können und dass Schritt für Schritt auch andere prioritären Kategorien an die Reihe kommen. Die Gruppe der „besonders vulnerablen“ Personen

sollen gemäß den Richtlinien des Gesundheitsministeriums mit Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna geimpft werden soll. Was die Covid-Situation insgesamt betrifft, „scheint sich die Lage im Krankenhaus Schlanders zu entstpannen“, so Rainer. Die Lage sei grundsätzlich unter Kontrolle, „aber es ist notwendig, dass wir uns weiterhin an die Regeln halten, auch wenn es für uns alle schwer ist, auf Freiheiten zu verzichten.“ Dieser Meinung ist auch Dieter Pinggera, Bürgermeister von Schlanders und Präsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau. Zur Causa AstraZeneca meinte Pinggera, dass Verdachtsfälle natürlich seriös und in aller Transparenz zu prüfen sind. Er hoffe, dass das allgemeine Vertrauen in die Impfstoffe nicht sinkt. Was die Tests anbelangt, seien viele Gemeinden im Vinschgau derzeit besonders gefordert, denn die südafrikanische Mutante ist in vielen Gemeinden des Bezirks entdeckt worden. Es wäre angebracht, dass die Verwaltungen von den zuständigen Stellen möglichst rasch kontaktiert werden, „damit die Gemeindeverwaltungen die Bevölkerung schnell informieren können.“ Detail am Rande: Am 12. März hatte der Sanitätsbetrieb wissen lassen, dass bis dahin bereits über 10 Prozent der Südtiroler Bevölkerung mindestens eine Erstdosis erhalten hatten. SEPP