Prad im Richtungswechsel

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„Nichts kann ein Livekonzert ersetzen!“ Dominik Plangger über seine derzeit schwierige Arbeit als Musiker in Wien, über die steigende Frust in der Branche, über seine erste Sehnenscheidenentzündung, seine Sehnsucht nach Stilfserbrücke und Laas und warum er derzeit kein Politiker sein möchte.

ar 2020 habe ich mit Claudia Fenzl das letzte Konzert gespielt. Das gemeinsame Musizieren, die Konzerte, das Publikum, das alles fehlt mir schon sehr! Zum Glück hat meine Frau noch ein fixes Einkommen, und ich bekam Coronahilfe in Österreich, doch langsam wird es schon eng. Durch die ausgefallenen Konzerte 2020 fehlt vielen Musikerinnen und Musikern zum Beispiel das AKM (SIAE) Geld, ein nicht zu unterschätzender Posten im Jahreseinkommen.

Foto: Sunla Mahn

der Vinschger: Herr Dominik Plangger, im Mai 2020 haben Sie mit dem Song „namenlose“ aufhorchen lassen. Sie wollten damals am Beispiel mexikanischer Landarbeiter, die beim Flug in ein Abschiebe-Zentrum das Leben verloren hatten, darauf aufmerksam machen, dass das Leid dieser Menschen nicht weniger geworden ist. „Auch in dieser Zeit, wo alles im Schatten von Corona steht, sollten wir diese Menschen nicht vergessen“, sagten Sie vor rund 10 Monaten. Das Corona-Virus hat uns leider noch immer fest im Griff. Wie hat sich die Pandemie auf ihre Tätigkeit als Musiker ausgewirkt? DOMINIK PLANGGER: Im Febru-

Dominik Plangger und Claudia Fenzl

Hier in Südtirol wird immer räumlichkeiten, sähe die Sache Wir haben zwei Streaming-Konwieder beanstandet, dass nochmal anders aus. zerte auf Facebook veranstaltet, die Kultur im Rahmen der die sehr gut angenommen wuröffentlichen Hilfsmaßnah- Wie sieht Ihr konkreter All- den. Ich habe jetzt einen Blog men weitgehend unter- tag seit dem Ausbruch der auf meiner Homepage gestartet, geht. Der Bereich Kultur Pandemie aus? damit ich auch mit den Menschen wird nicht als systemreleIch bringe meine Tochter in außerhalb von Facebook und Co. vant eingestuft. Ist die Situ- den Kindergarten und hole sie in Kontakt bleiben kann. Doch ation in Wien eine andere wieder ab. Dazwischen habe ich nichts kann ein Livekonzert erWie kommen Musiker und oder anders gefragt: Gibt so viel Gitarre geübt, dass ich setzen, das ist klar! andere Künstler in Wien mit es ausreichend Überstüt- eine Sehnenscheidenentzündung den Einschränkungen zu- zung für die Kulturschaf- bekommen habe, das ist mir noch Haben Künstler in Zeiten recht? fenden? nie passiert... Das kommt vom wie diesen überhaupt noch Der Frust ist groß in der BranHier in Österreich ist es ähn- Zuviel-Zuhause sein! Lust und Kraft genug, kreativ che, neben der Gastronomie sind lich, es gibt jedoch finanzielle zu sein? wir wohl am stärksten von der Hilfe vom Staat, die einem we- Wie gelingt es Ihnen, mit Ich kann das nur für mich perPandemie betroffen. Wobei mir nigsten erlaubt, die Kranken- und Ihrem Publikum in Kontakt sönlich beantworten. Natürlich vorkommt, dass im Kultursektor Pensionsversicherung zu decken. zu bleiben? fehlen die Begegnungen und Ge-

eher nach Lösungen gesucht wird. Aber so langsam geht vielen schon die Luft aus ... 12

DER VINSCHGER 05-06/21

Durch die sozialen Medien Ich bin aber auch ein Ein-MannBetrieb, müsste ich Mitarbeiter gelingt es recht gut, mit dem bezahlen oder Miete für Betriebs- Publikum in Kontakt zu bleiben.

schichten, die mit Freunden und unterwegs passieren, wenn man auf Tour ist. Auf der anderen Seite