Kämpfen für die Bahn

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Über den wichtigsten Beruf der Welt… ...über dessen Zukunft und über die Bedeutung der Landwirtschaft in der Südtiroler Gesellschaft. BOZEN/VINSCHGAU - Das WIR im Wort LandWIRtschaft drückte das Angebot der Landwirtschaft an die Südtiroler Gesellschaft aus, über ein Webinar mit dem Titel „Landwirtschaft 2030 – im Dialog mit der Bevölkerung“ die Interessen beider Seiten anzusprechen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Landespresseamtsleiter Guido Steinegger leitete die Diskussion mit Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler, der Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Gunde Bauhofer, dem Obmann des Bauernbundes Leo Tiefenthaler und dem Professor für Management der Bergumwelt an der Freien Universität Bozen Matthias Gauly. Schon im Vorfeld durften über eMail Fragen gestellt werden. Sozusagen als sichtbare Bindeglieder zur Bevölkerung wurde als Konsumentin Daniela Magi aus Bozen, die Studentin Andrea Ladurner aus Goldrain und der Sternekoch Herbert Hintner aus Eppan dazu geschaltet.

Hohe Erwartungshaltung „Desinformation, romantische Vorstellungen, aber auch Verteufelung der Landwirtschaft rechtfertigen diesen Versuch einer Begegnung“, meinte Moderator Steinegger. „Die Erwartungshaltung der Gesellschaft gegenüber der Gesellschaft ist hoch“, stellte Landesrat Schuler fest. „Die Produkte sollen billig und gesund sein und alle aus extensiver Landwirtschaft stammen.“ Dahinter stehen in erster Linie die Globalisierung und das Konsumverhalten der westlichen Gesellschaft, die alles jederzeit von überallher beziehen könne. Dadurch seien aber die Gewinnspannen niedriger geworden und die bäuerlichen Familienbetriebe könnten nicht mehr davon leben. In seinem „Zukunftskonzept“ für 10

DER VINSCHGER 03-04/21

„Wir sind auf keinen Fall Bremser. Wir möchten nachhaltig produzieren und nachhaltig heißt, dass der Betrieb von dem leben kann, was er erwirtschaftet. Der Bauer in extremer Höhenlage kann nur überleben, wenn er die Landschaft erhält. Ihn muss man fördern,“ erklärte Leo Tiefenthaler.

den „wichtigsten Berufsstand der Welt“ führte Schuler jene Aspekte an, mit denen es die Landwirtschaft in nächster Zeit zu tun haben werde. Zentrales Anliegen des Konzepts müsse die Erhaltung der kleinstrukturierten Familienbetriebe sein. Sie werden sich durch Qualitätsprodukte abheben müssen. Sie werden am Beitrag für die Erhaltung der Landschaft und der Arten gemessen. Dazu zitierte er das Schutzprojekt für Bodenbrüter in Mals und die Bemühungen der Vinschgauer Obstproduzenten um Artenreichtum in einer Schlanderser Wiese. Weitere Ziele seien die Verbesserung der Wasserqualität, die Bemühung, Südtirol zum Forschungsstandort zu machen, und der Dialog zwischen allen Beteiligten und Entscheidern. Vor allem Regionalität Auch Gunde Bauhofer sprach von hohen Erwartungen der Verbraucher. Ihnen gehe es nicht nur um faire Preise gehe, sondern

auch um das Tierwohl. Für die Entscheidung, das billigere Produkt zu wählen, sei die Politik zuständig. Die Subventionen entlang der Lieferkette machen Produkte billiger. Es sei wichtig, die Kreisläufe zwischen Konsument und Produzent zu verkürzen. In diese Richtung weise auch die Initiative der Europäischen Union „Farm to Fork“, vom Hof zur Gabel. Wichtiger als Bio sei den Verbrauchern Regionalität. Wo Südtirol draufstehe, sollte auch Südtirol drin sein. Es bestehe der Wunsch nach einer „Ökologisierung der Landwirtschaft“. „Transparenz ist einfach wichtig, ich möchte wissen, was ich in meinen Einkaufskorb lege“, so Bauhofer. Bauernbundobmann Tiefenthaler war überzeugt, dass zur Regionalität noch einiges getan werden könne. Vor allem bei der Vergabepraxis der öffentlichen Hand für Lieferverträge an Mensen. Mit einem bestimmten Druck aus der Öffentlichkeit könne man leben, nur konstruktiv müsse er sein. Man möge bedenken, dass die Landwirte

immer wieder Neuerungen zu bewältigen und Umstellungen zu stemmen hätten. Auf die Frage, ob er und seine Organisation die Agrarlobby sei, die Mals bremse und Antworten auf den Klimawandel verhindere, meinte er, es sei nicht so einfach darauf zu antworten. Ein Beitrag zum Klimawandel wären auf jeden Fall erneuerbare Energien in der Produktion und kürzere Wege zum Verbraucher. Druck macht wach „Wir sind auf keinen Fall Bremser. Wir möchten nachhaltig produzieren und nachhaltig heißt, dass der Betrieb von dem leben kann, was er erwirtschaftet.“ Der Bauer in extremer Höhenlage könne nur überleben, wenn er die Landschaft erhält“, erklärte Tiefenthaler. Ihn müsse man fördern. Er und auch Landesrat Schuler zeigten sich überzeugt, dass der Obstbau seine Grenzen erreicht habe. Weitergehen aber werde die Entwicklung im Bereich der Mischkulturen, wo auch noch