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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„Online-Modus“ an Oberschulen „Lebendige Schulgemeinschaft in ihrer Buntheit seit März in Frage gestellt!“ VINSCHGAU - Vor über einem Monat mussten Südtirols Oberschulen wieder auf den „Online-Modus“ umstellen, ohne zu wissen, wie lange diese Situation andauern würde. Dass der „Online-Modus“ mit einigen Nachteilen, aber auch mit Vorteilen verbunden ist, zeigen folgende Stellungnahmen aus dem Oberschulzentrums Mals, die der Vinschger Anfang Dezember eingeholt hat.

Werner Oberthaler, Schulführungskraft am OSZ Mals: „Die Pandemie trifft besonders auch unsere Jugendlichen. Ich erinnere mich, was mir als junger Mensch wichtig war: Die Schule hatte ihren festen Platz, war immer auch Ort der Begegnung, der Orientierung, des direkten gemeinsamen Lernens. Doch über allem standen Freiheit, Freundschaften, Unbeschwertheit, Reisen, Zusammensein, gemeinsame Abenteuer. Und genau das fehlt jetzt über weite Strecken. Unsere Jugendlichen befinden sich in ihrer heikelsten Lebensphase: Sie werden erwachsen, sind auf Selbstsuche und dabei, sich von Zuhause abzunabeln. Aber ausgerechnet jetzt sind sie zum ‚Zuhause-Bleiben’ verdammt, zu Distanz und Vorsicht verdonnert, zum Online-Unterricht verpflichtet. Digitale Plattformen und Netzwerke können auf Dauer den für das eigentliche, nachhaltige Lernen und Wachsen fundamentalen sozialen Kontakt nicht ersetzen. Der Alltag ist plötzlich anders geworden, angstbesetzt, beengend, fremd, unsicher, fallweise perspektivlos. Aber die Jugend wäre nicht sie selbst, würde sie nicht auch aus dieser Situation das Beste machen, Gelegenheiten wahrnehmen, für das Leben zu lernen. Wir Erwachsene haben allen Grund, unseren Jugendlichen zu vertrauen. Sie werden ihren Weg gehen. Begleiten wir sie, seien wir zuversichtlich, stehen wir ihnen dort bei, wo sie uns brauchen.“

„An der Sportoberschule Mals war Fernunterricht - oder OnlineUnterricht oder digitaler Unterricht - schon seit der Gründung ein Thema. Dabei ging es immer darum, den Spagat zwischen Schule, Training und Wettkampf so gut wie möglich zu schaffen. Verschiedene Online-Lösungen halfen den Athletinnen und Athleten, den Kontakt zu den Lehrpersonen zu halten. Lehrpersonen haben ihre Unterlagen immer wieder den technischen Möglichkeiten angepasst und Übungsmöglichkeiten erstellt. Von Anfang an war klar, dass diese Online-Welt eine gute und interessante Unterstützung, aber niemals ein Ersatz der Schulwelt in Präsenz sein kann. All die gesammelten Erfahrungen kommen dem heutigen Fernunterricht am OSZ Mals zugute. Daher war die Umstellung auf einen totalen Fernunterricht zwar herausfordernd, aber nicht überfordernd und zeitlich sehr schnell organisiert. Alle Schülerinnen und Schüler der Sportoberschule Mals arbeiten seit mehreren Jahren auch im Unterricht mit ihren eigenen Notebooks, was garantiert, dass die notwendigen Programme, Zugänge, Einstellungen usw. funktionieren. Dies gibt den Familien eine bestimmte Sicherheit und es beruhigt die Eltern, wenn sie wissen, dass der technische Aspekt geklärt ist. Danke an alle, die immer schon bereit waren und weiterhin bereit Markus Klotz, Lehrer und Ko- sind, sich den Herausforderungen ordinator der Sportoberschule: zu stellen.“

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DER VINSCHGER 43-44/20

Bernadette Höllrigl, Lehrerin für Philosophie und Sozialwissenschaften, Koordinatorin am SOGYM (Sozialwissenschaftliches Gymnasium) und Vizedirektorin: „Das hat es in meiner 30-jährgen Unterrichtslaufbahn nicht gegeben: Schulfeierlichkeiten werden abgesagt. Praktika, Projekte, Spracheaufenthalte finden nicht statt. Einzelbänke werden in einer vorgeschriebenen Distanz ausgerichtet. Es gilt Maskenpflicht. Bis das Oberschulzentrum Mals zum zweiten Mal für längere Zeit auf den Fernunterricht umstellt. Wir sind vorbereitet. Meinen Fachunterricht gestalte ich wieder am PC. Das läuft erstaunlich gut. Technisch habe ich fast alles im Griff. Im Fernunterricht fehlt kaum eine Schülerin oder ein Schüler. Lobenswert. Ich höre kein Schwätzen. Großartig. Das virtuelle Handaufheben diszipliniert die Diskussionen. Wunderbar. Aber ich höre kein Lachen. Ich sehe kein Augenverdrehen bei einem provozierenden Spruch. Mir fehlen meine Schülerinnen und Schüler! Eine lebendige Schulgemeinschaft in ihrer Buntheit wird durch das Corona-Virus seit März in Frage gestellt.“

nissen oder aus sozial schwierigen Situationen. Diese dürfen weiterhin in der Schule betreut werden, sie werden vor Ort vor allem vom Inklusionsteam (Mitarbeiter*innen und Inklusionslehrpersonen), aber auch teilweise von Fachlehrpersonen begleitet und unterrichtet. Es wird Woche für Woche für jeden/jede der Schüler*innen ein individueller Plan erstellt, welcher auf die Bedürfnisse der Schüler*innen, aber auch auf die Möglichkeiten der Familie abgestimmt ist. Die Ausnahmeregelung hilft hier sehr, denn der Online-Unterricht ist nicht für alle ein gangbarer Weg, oft nur ein teilweise gangbarer Weg. Es freut mich sehr, mit welch großem Einsatz von allen Seiten dieses Angebot genutzt und umgesetzt wird. Was die Schüler*innen aus sozial schwierigen Situationen betrifft, sind wir auch in Kontakt mit den Sozialdiensten, da wir als Schule nicht immer ausreichenden Einblick in persönliche Situationen bzw. Problemfälle haben. Die Sozialdienste treten mit uns in Kontakt, falls die Notwendigkeit bestehen  sollte, die Schüler persönlich vor Ort zu unterstützen. Auch soll bald die Möglichkeit bestehen, Sprachförderung wieder vor Ort geschehen zu lassen, falls wir im Online-Modus bleiben sollten bis Weihnachten …“

Helmuth Tschenett, Lehrer für Informatik und Koordinator der Fachoberschule für Wirtschaft (FOWI): „Im Unterschied zum Ende des vergangenen Schuljahres war der Umstieg vom Präsenz-Unterricht in den Online-Unterricht  jetzt zu Beginn des neuen Schuljahres  entsprechend vorbereitet. Schon zu Beginn war klar, dass wir OnlineUnterricht haben werden, wenn Barbara Stocker, Englisch- auch das Ausmaß zunächst nicht lehrerin und Koordinatorin für festgelegt war. Nach und nach Inklusion: „Wir sind sehr froh wurden dann die Online-Zeiten über die Ausnahmeregelung für erhöht und seit den Herbst-FeSchüler*innen mit Beeinträch- rien sind wir nun schon wieder tigung, mit besonderen Bedürf- 100 Prozent ‚online’. Die Formate

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