Frauenpower in Laas

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

GASTBEITRAG

Was kann man noch glauben? Wie man richtige Informationen von falschen unterscheidet – ein Leitfaden SCHLANDERS - „Do woasch jo nimmr, wos du glabm sollsch“, bekam ich vor Kurzem zu hören. Von einer an sich gescheiten Person, die eine ausgeprägte Meinung zu verschiedensten Themen hat. Diesem Satz voraus ging eine Unterhaltung über diverse Verschwörungstheorien, die gerade im Internet kursieren. Und ja, es ist nicht immer einfach, das Glaubhafte vom Unglaubhaften zu unterscheiden. Niemand von uns weiß bei jeder Information sofort, ob sie richtig oder falsch ist. Allerdings kann man den Wahrheitsgehalt einer Information mit relativ wenig Aufwand überprüfen.

Nicht alles glauben Die Voraussetzung dafür ist, dass man gewillt ist, Dinge zu hinterfragen. Das heißt vor allem, dass man nicht alles glaubt, was einem erzählt wird. Als Grundsatz gilt auch: Der Freund von einer Bekannten oder gar dessen Nachbarin ist in der Regel keine verlässliche Quelle. Und etwas „im Internet gelesen“ zu haben, reicht definitiv noch nicht als Nachweis für eine glaubwürdige Information. Gerade im Netz lauern viele „Fake News“, die es als solche zu enttarnen gilt. Nehmen wir ein Beispiel: Vor einigen Wochen ist im Vinschgau ein Video aufgetaucht, hochgeladen wurde es auf YouTube und Facebook, verschickt unter anderem per WhatsApp. In diesem Video ist ein italienischsprechender Mann zu sehen, der Rotwein einem Corona-Test unterzieht – mit positivem Ergebnis. Für jene, die sich aus diesem oder jenem Grund sowieso und grundsätzlich nicht testen lassen wollen, ist so ein Video der ultimative Beweis, dass sie mit ihrer Einstellung richtig liegen. Deshalb leiten sie es an möglichst viele Bekannte weiter und reden so oft wie möglich darüber. Das Problem ist nur: Das Video wur14

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hierfür sind etwa der Kochbuchautor Attila Hildmann und der Schmusesänger Xavier Naidoo). Um mehr über eine Person zu erfahren, ist es oft schon hilfreich, ihren Vor- und Nachnamen in eine Suchmaschine einzugeben und sich dann durch die Suchergebnisse zu klicken. Den Zweck hinterfragen Hat man die Recherche zum Absender erledigt, gilt es, zu hinterfragen, was mit der Verbreitung eines Inhalts bezweckt werden soll. Geht es dem Absender wirklich darum, eine sachliche Information einem möglichst breiten Publikum zur Verfügung zu stellen? Oder steht vielleicht doch ein anderer Beweggrund im Vordergrund? Gerade, wenn es um Videos im Internet geht, besteht der vorrangige Zweck für den Absender häufig darin, den eigenen Bekanntheitsgrad Dietmar Meister ist seit 2019 Chef vom Dienst in der Kommunikationsabteilung zu steigern. Bei sogenannten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Der gebürtige Schlanderser lebt Influencern geht es außerdem, seit 2004 in Wien, wo er Journalismus und Politikwissenschaft studiert und ganz banal, ums Geld, das sie über mehrere Jahre als freier Journalist und Redakteur gearbeitet hat. verdienen, wenn ihre Videos häufig geklickt werden. Politide manipuliert. Beim genaueren Videos angezeigten Namen. Bei schen Akteuren wiederum geht Hinsehen erkennt man, dass das einer Website wiederum kann es in erster Linie darum, ihre Video geschnitten wurde – ein man sich das Impressum an- Positionen zu einem Thema zu kleiner Sprung in der Abfolge schauen. Sollte es schwierig sein, verbreiten und ihr Netzwerk zu der Bilder verrät es. eine konkrete Information zum erweitern. Absender zu finden oder eine Website gar kein Impressum Nun zum Inhalt Absender herausfinden aufweisen, ist die Quelle in der Nun ist aber nicht jedes Auge Regel nicht vertrauenswürdig. Ist der Zweck nicht offensichtgeübt darin, einen solch kleilich, sollte man sich den Inhalt nen Sprung wahrzunehmen. Wissenschafter selbst genauer anschauen. SeriöAber das muss auch nicht sein. oder Kochbuchautor? se Inhalte sind in der Regel nicht nur frei von Rechtschreibfehlern Denn man kann auch auf einem anderen Weg zur Erkenntnis Wenn man aber herausge- – auch die darin vorgebrachten kommen, dass es sich um eine funden hat, wer der Absender Argumente sind nachvollziehbar Falschinformation handelt und ist, sollte man als nächstes der und schlüssig. Ein Negativbeider Mann nicht wirklich Rotwein Frage nachgehen, was diese Per- spiel: Auf verschiedenen Plattpositiv auf Corona testet. Die son oder Organisation genau formen kursieren seit einigen erste Frage, die man sich dazu macht. Handelt es sich um einen Monaten Videos eines sympastellen muss, lautet: Wer ist der renommierten Wissenschafter, thisch in die Kamera lachenden Absender? Gemeint ist jene Per- eine bekannte Journalistin oder Südtirolers namens Benjamin. Er son oder Organisation, die das vielleicht doch eher um eine verspricht den Menschen FreiVideo hochgeladen hat. Auf You- Person, die von der Sache, über heit, wenn sie nur endlich „aufTube oder Facebook reicht dazu die sie redet, eigentlich keine wachen“. Um die Zuseherinnen ein Klick auf den unterhalb eines Ahnung hat (bekannte Beispiele und Zuseher für seine Sache zu