Land soll seine Versprechen halten

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VINSCHGER THEMA

Hart getroffen Große Einbußen in der Gastronomie und Hotellerie SCHLANDERS - Über die bisherigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gastronomie, Hotellerie und den Tourismus insgesamt sowie über die Aussichten und Perspektiven der Tourismusbranche im Hinblick auf die Wintersaison und das neue Jahr hat der Vinschger mit Karl Pfitscher aus Schlanders gesprochen. Pfitscher war mehrere Jahrzehnte lang selbst Gastwirt und ist derzeit u.a. HGV-Gebietsobmann, Präsident des Tourismusvereins Schlanders-Laas und zudem Vertreter in mehreren Tourismus-Landesgremien.

der Vinschger: Herr Pfitscher, wie schwer hat die erste Corona-Welle im Frühjahr den Tourismus im Vinschgau getroffen? KARL PFITSCHER: Es ist zu sagen, dass es am

Anfang der ersten Welle im März und April die Skigebiete am allermeisten erwischte. Von März bis Mai traf es die Betriebe im Mittel- und Untervinschgau sehr hart. Ich denke an den Zeitraum Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam. An den besten Vollbelegungstagen war alles zu. Insgesamt sprechen wir da von einem Minus von 95 bis 98 Prozent vom 9. März bis zum 11. Mai bei den Bars und Restaurants und bei den Hotels bis zum 25. Mai.

Gibt es konkrete Zahlen zu den Einbußen im Frühjahr?

Konkrete Zahlen zu den Einbußen des Frühjahrs liegen mir leider nicht vor. Es steht aber, fest, dass alle Betriebe schwer an der ersten Corona -Welle gelitten haben und fast bis zu 100 Prozent an Einbußen hatten.

Wie sah es mit den mit Unterstützungen und Hilfeleistungen des Staates und des Landes unmittelbar nach der ersten Welle aus?

Es ist zu befürchten, dass auch mit der zweiten Welle Betriebe für immer zusperLeider musste der eine oder andere klei- ren werden, was natürlich für den Tourisne Betrieb in Folge der Corona-Welle im mus und vor allem für die Betriebsinhaber Frühjahr schließen, was natürlich für die schwer ist und weil damit auch ArbeitsFamilien, die Mitarbeiterinnen und Mit- plätze verloren gehen. arbeiter sowie den Tourismus insgesamt sehr schmerzhaft ist. Braucht es jetzt zusätzliche Hilfsmaßnahmen? Konnte im Sommer nicht zumindest Wie schon gesagt, haben viele Betriebe bis ein Teil der Umsatzausfälle des Früh- jetzt keinen einzigen Cent an öffentlicher jahrs wettgemacht werden? Im Juli Unterstützung bekommen. Wenn jetzt und August waren in weiten Teilen mit der zweiten Welle auch nichts kommt, des Vinschgaus relativ viele Touristen dann werden leider viele Betriebe schließen im Tal. müssen. Welche Auswirkungen das haben Die Umsatzausfälle des Frühjahrs konnten könnte, kann man sich vorstellen. Wir im Sommer in keiner Weise wettgemacht verlangen von der Landesregierung keine werden, auch nicht zum Teil. Schauen neuen Beiträge, sondern eine Unterstützung Sie, wir hatten auch noch im Juli, als man für jene Betriebe, die vom Staat nichts erhalmeinte, dass es wieder aufwärtsgehen wür- ten haben. Das wurde versprochen und das de, im Vinschgau bis zu 30 und 35 Prozent verlangen wir vom Landeshauptmann und weniger an Nächtigungen und selbst im von den Landesräten. Wenn es in DeutschAugust waren es noch 5 bis 10 Prozent. Im land und Österreich möglich ist, dass den September waren es schon wieder mehr und Betrieben ein Beitrag von 75 bis 80 Prozent im Oktober war man fast bei 50 Prozent an als Ausfallzahlungen gegeben werden, dann weniger Nächtigungen. Bei solchen Zahlen verlangen wir auch vom Land Südtirol, dass man den Betrieben Ausfallzahlungen in anist es unmöglich, noch etwas aufzuholen. gemessener Höhe gibt. Wir verlangen auch Wie erging es den Beschäftigten in eine komplette Aussetzung der zweiten Rate der Tourismusbranche? der Gemeindeimmobiliensteuer GIS sowie Leider haben infolge der Corona- Welle eine Aussetzung auch für das Jahr 2021, so auch unsere Mitarbeiterinnen und Mit- wie es auch auf Staatsebene der Fall ist. arbeiter gelitten. Sie mussten zum Teil Urlaub nehmen oder wurden in die Son- Wie bewerten Sie die Corona-Einderausgleichskasse geschickt. Manche schränkungen des Landes bzw. das haben auch die Arbeitsstelle verloren, was gesamte Vorgehen der Landesrenatürlich auch für die Betriebsinhaber nicht gierung seit dem Ausbruch der Panleicht war. Am schwersten getan haben sich demie? in dieser Situation die Betriebe mit den Dass es für den Landeshauptmann und Jahresangestellten. die zuständigen Landesräte nicht leicht war und ist, die Corona-Einschränkungen zu Wie reagierten die Tourismusbetrie- beschließen und damit zusammenhängenbe auf die zweite Welle im Herbst? de Entscheidungen zu treffen, ist klar. Im Wir haben alle mit einer zweiten Welle Großen und Ganzen kann ich von meiner gerechnet. Dass sie aber so früh kommen Seite aus sagen, dass ich mit den meisten würde, haben wir nicht erwartet. Man Entscheidungen einverstanden war und hat auch nicht damit gerechnet, dass man bin. Sicher hätte man das eine oder andere wieder die Betriebe schließen muss. Wie auch anders entscheiden können. Aber wie schon im Frühjahr, waren es wieder wir, kann man es in einer solchen Situation allen die als erste die Betriebe schließen mussten. recht machen? Kam es infolge des Corona-Frühjahrs zu Betriebsschließungen?

Unmittelbar nach der ersten Welle bekamen Betrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern einen Verlustbeitrag. Die mittelgroßen Betriebe, wie sie im Südtiroler Tourismus und somit auch im Vinschgau üblich sind, haben bis heute nichts an öffentlichen Hilfsgeldern bekommen. Daher fordern wir nun mit aller Vehemenz, dass die Lan- Werden Betriebe im Vinschgau nach desregierung ihr Versprechen hält und die der jetzigen zweiten Welle für immer geschlossen bleiben? Betriebe entschädigt.

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DER VINSCHGER 42/20

Der Handel konnte am 30. November öffnen, die Gastronomiebetriebe am 4. Dezember, allerdings nur bis 18 Uhr.