Test gelungen

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Möglich oder nicht? VINSCHGAU - Bedarf groß, Umsetzung schwierig: Was derzeit für die Reisebranche generell gilt, gilt auch für Südtirols Jugendliche, die während ihrer Schul- und Studienzeit nach interessanten Auslandsaufenthalten suchen. Im Januar 2020 gab es dazu noch eine klassische Informationsveranstaltung im Rahmen der Projektwoche am Oberschulzentrum Schlanders. Wer hätte gedacht, dass nur wenige Wochen später alles anders ist? Nicht mehr die Frage nach dem Wohin stellt sich, sondern ob überhaupt. Was geht also noch in Coronazeiten? der Vinschger hat bei Miriam Weiß vom „American Institute for Foreign Study“ (AIFS) nachgefragt. Sie informiert schon seit Jahren am OSZ Schlanders über Auslandsaufenthalte. der Vinschger: Frau Weiß, wie ist die aktuelle Situation? MIRIAM WEISS: Derzeit ist alles

unsicher und schwierig abzuschätzen. Konkret ist es so, dass professionelle Anbieter wie AIFS aktuell kaum Auslandsaufenthalte anbieten können. Umso mehr sollte diese Zeit genutzt werden, um gut zu planen.

Foto: www.aifs.de

Auslandsaufenthalte für Schüler in Corona-Zeiten geben werden. Bei Kanada warten wir auch ab. Eine Alternative könnte Farmwork and Travel in Irland sein. Da arbeitet man in der Landwirtschaft mit. Im Vinschgau kennt man das ja. Was raten Sie Jugendlichen?

unseren

Es gilt mehr denn je: wer Ziele erreichen will, muss die Wege kennen. Momentan sind die Wege begrenzt. Wenn wir uns jetzt aber alle an die Regeln halten, wird auch bald wieder Reisen möglich sein. Sicherheit und Gesundheit gehen vor. Wann es wieder soweit ist, für einen Sommerjob in die USA oder für ein halbes Jahr Au-pair auf die Südhalbkugel zu reisen, wissen wir nicht. Ich rate inzwischen zu einer fundierten Information und Netzwerken. Damit ist man gut vorbereitet für den nächsten Auslandsaufenthalt und kann sich Miriam Weiß: „Diese Zeit sollte genutzt werden, um gut zu planen.“ schon mal mit Gleichgesinnten Wie schätzen Sie die Perspek- sich dort nämlich eine baldige austauschen. Das ist sicher, bei tiven generell ein? Visavergabe ab. aller Unsicherheit. Für weiterDas ist schwer zu sagen. Wir führende Informationen kann können auch nur auf Sicht fahren. Wie ist die Lage weltweit? man mich gerne über per E-Mail Gäbe es Corona nicht, so würden Es ist eigentlich überall ähnlich. mweiss@aifs.at kontaktieren. beispielsweise unsere Amerika- Australien und Neuseeland haben Angebote mit dem Wechsel von die Visavergabe bis auf Weiteres INTERVIEW: JOSEF BERNHART Trump zu Präsident Biden neuen gestoppt. Wir wissen nicht, ob Schwung erhalten. Es zeichnet heuer überhaupt noch Visa ver-

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (56)

Viele Wege führen nach Rom Wer heute in Bozen wohnt und nach Innsbruck fahren möchte (wenn man die Gemeinde verlassen darf!), der benutzt höchstwahrscheinlich die Brenner-Autobahn. Schon in den 1950er Jahren dachte man darüber nach, wie man den Anforderungen des zunehmenden Verkehrs langfristig gerecht werden konnte. Nachdem die Etschtal-Variante verworfen worden war, begann man 1963 entlang des Eisacks mit dem Bau der Gebirgsautobahn. Übrigens eine der ersten der Welt. Langwierig war die Umsetzung eines weiteren Plans: die Schnellstraße zwischen Meran und Bozen – heftige Kämpfe zwischen Befürwortern und Gegnern inklusive. Wenig anders wäre es im Falle einer Vinschger Schnellstraße. Verwandt, aber ein Gespenst, ist eine Autobahn durch das Tal. Egal, ob jemand „Wir brauchen keine Autobahn durch den Vinschgau“ zu Protokoll gibt (2006), das Thema für ein Schülerprojekt der Initiativgruppe für mehr Demokratie vorgeschlagen wird (2009) oder Experten feststellen, dass die Umsetzung der großzügigen Umfahrungsprojekte einer „Autobahn durch den Vinschgau“ gleichkäme (2020) –

das Gespenst macht sich immer wieder bemerkbar. Eine ähnliche Idee stand schon in den 30er Jahren zur Diskussion. „Die kürzeste und schönste Autobahnverbindung von Berlin, Hamburg oder Köln mit Rom führt dann über den Fernpaß und über Landeck nach Gomagoi, dann mittels zweier Tunnel nach Rabbi, Pejo ...“, schreiben die Innsbrucker Nachrichten 1937. Der Weg vom Norden in den Süden war für das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien von eminenter Bedeutung. Der Weg über den Brenner alleine sei zu unsicher, meinten einige. Im Falle von Elementarereignissen müsse es einen zweiten Weg geben. Ein Teil dieser Autobahn wäre durch den Vinschgau gelaufen und das Ganze hätte bis zur Eröffnung der Weltausstellung in Rom 1942 fertiggebaut sein sollen. Wurde abgesagt (wegen des Krieges, nicht wegen einer Z Pandemie).

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