„Inser Brot“

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VINSCHGER THEMA

Säen auf Äckern und Säen in Köpfen Karl Perfler will den Getreideanbau im Vinschgau neu beleben. „Der Getreideanbauer, der Bäcker, der Kaufmann und der Konsument sind die 4 tragenden Säulen.“ GÖFLAN/VINSCHGAU - Träumer und Vi-

sionäre sind selten gestreut. Noch rarer sind Menschen, die ihre Vision nicht nur predigen, sondern selbst die Ärmel hochkrempeln, um ihren Traum zu verwirklichen. Zu diesen wenigen Exemplaren gehört der „Karl von der Tschenglsburg“, wie Karl Perfler von allen, die ihn kennen, genannt wird. Zu seinen größten Träumen gehört die Wiederbelebung des Getreideanbaus im Vinschgau. Der Vinschgau war viele Jahrhunderte lang die Kornkammer der Alpentäler. Das kam nicht von ungefähr, denn im größten Trockental Südtirols wuchs trockenes Getreide, „und trockenes Getreide ist gesundes Getreide“, sagte Karl Perfler am 29. Oktober vor den 32 Kindern und den Lehrpersonen der Grundschule Göflan. Die Schulgemeinschaft hatte sich in unmittelbarer Nähe der Schule auf einer frisch bearbeiteten Wiese, wo bis vor kurzem noch Apfelbäume standen, zu einer besonderen Stunde eingefunden. Trockenes Getreide ist gesundes Getreide Mit einfachen Worten erklärte Karl Perfler den Kindern, was es mit der Vision „Inser Brot“ auf sich hat. Er erinnerte an die einstige Bedeutung des Vinschgaus

Die Kinder der Grundschüler Göflan halfen bei der Aussaat fleißig mit.

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als Kornkammer. Jetzt gehe es darum, „unseren ursprünglichen Reichtum neu zu entdecken.“ Dass das „Vinschger Paarl“ bekannter sei als der Vinschgau selbst, sei kein Zufall. Vor allem das Roggenvollkornbrot sei eine Kostbarkeit: „Durch die spezielle Zusammensetzung seiner Ballaststoffe hält Roggenbrot länger satt und ist als tolle Mineralstoffquelle super gesund. Ballaststoffreiches Brot schützt vor Verstopfung und Gallensteinen und wirkt sich positiv auf die Cholesterin- und Blutzuckerwerte aus.“ Außerdem sei Roggenvollkornbrot ein exzellenter Nährstofflieferant. Nicht lange gezögert haben die Kinder, als sie von Karl Perfler und dem Biobauer Leonhard Wellenzohn gebeten wurden, bei der Aussaat mitzuhelfen. Rund 70 Kilogramm zertifizierter Bio-Winterroggen, eingekauft bei Erich Primisser in Prad, wurden auf dem rund 3.000 Quadratmeter großen Grundstück angesät.

stück gehört und die es ebenfalls begrüßt, dass die Wiese nun vorübergehend in einen biologischen Acker umgewandelt wurde. Worte des Dankes kamen auch von der Grundschulleiterin Doris Marx. Mit dieser Initiative sei es nicht nur gelungen, den Kindern während der derzeitigen Corona-Krise etwas Besonders zu bieten, sondern sie auch auf den Wert und die Bedeutung regional erzeugter Lebensmittel aufmerksam zu machen. Die Kinder werden „ihren“ Acker jetzt im Auge behalten. Sie werden sehen, wie der Roggen gedeiht und sie werden mithelfen, wenn er im Juli 2021 geerntet wird. Als Dankeschön für die Mithilfe bekamen die Kinder je ein „Vinschger Paarl“. Zahl der Kornfelder wächst

Die Initiative in Zusammenarbeit mit Leonhard Wellenzohn, der Familie Kuntner und der Grundschule Göflan ist nur eine von vielen, die Karl Perfler mittlerweile anKinder helfen bei der Aussaat mit gestoßen hat. „Es gibt im Vinschgau derzeit Leonhard Wellenzohn, der Pächter der 64 Kornfelder. Mein Traum ist es, dass diese Grundfläche, freute sich, dass die Wiese Zahl in 5 Jahren auf rund 500 steigt“, so der nun für ein Jahr zu einem Roggenfeld Visionär. Das Projekt „Inser Brot“ läuft übwird. Einen besonderen Dank zollte er der rigens seit dem 14. Juli. Seither verlässt Karl Familie Werner Kuntner, der das Grund- Perfler an allen Werktagen um 4 Uhr die

„Roggenvollkornbrot ist ein exzellenter Nährstofflieferant“, sagte Karl Perfler.