„Geredet ist genug“

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

3 Vinschger probierens Ein kühles Helles, frisch gezapft. Ich probiers. Und es schmeckt. Über 3 junge Vinschger und ihre Leidenschaft zum Bierbrauen. VETZAN - „Hier ist der Name Pro-

gramm“, lacht Joseph Gusella. Der Tarscher hat zusammen mit dem Latscher Gabriel Tappeiner und dem Schlanderser Daniel Tumler die handwerkliche Bierbrauerei „Probiers“ gegründet. In Vetzan mieteten die Drei, deren Berufe vom Handwerker bis zum Landwirt reichen, eine alte Lagerhalle an, bauten dort um, investierten kräftig, unter anderem in ein 300-Liter-Sudhaus und in mehrere 1.000-Liter-Tanks. Seit 2018 wird hier Bier gebraut. Damit sind sie im Vinschgau in dieser Größenordnung einzigartig. Aber der Reihe nach: Schon vor einigen Jahren entdeckten Gusella, Tappeiner und Tumler ihre Leidenschaft für das Bierbrauen. „Schon immer haben wir selbst gerne Bier getrunken, dann kamen wir auf die Idee auch einmal selbst eins zu brauen“, erzählt Tumler. Im Internet bestellte das Trio ein Brau-Set, die jungen Vinschger versuchten sich 2014 erstmals an einem „Pale Ale“. „Und es hat gut geschmeckt“, erinnert sich Tumler. Immer weiter wuchs das Interesse für die „Craft Beer“, also die handwerklich gebrauten Biere. Tipps wurden eingeholt, Messen besucht. „Angefangen haben wir mit gerade mal

Bierbrauer aus Leidenschaft (v.l.): Joseph Gusella, Gabriel Tappeiner und Daniel Tumler.

drei Litern, dann haben wir einen größeren Braumeister-Topf angeschafft, wodurch wir 25 bis 50 Liter auf einmal brauen konnten“, blickt Tappeiner zurück. Immer größer wurde die Nachfrage, nicht mehr ausschließlich im Freundeskreis. Das Bier kam gut an, sowohl das „Pale Ale“, als auch das Helle. 2017 entschied sich das Trio schließlich, im größeren Stil zu brauen. Die jungen Vinschger gründeten eine eigene Firma und arbeiteten ein Jahr lang an ihrer eigenen Kleinbrauerei in Vetzan. Die Brauvorgänge, also das Einmaischen, das Abläutern, das Ko-

chen, die Abkühlung, Gärung und Reifung wurden nun im größeren Stil in der Vetzaner Industriezone praktiziert. „Am 26. August 2018 haben wir erstmals im neuen Kessel gebraut“, so Tappeiner. Ein normaler Braugang dauere rund acht Stunden, dann benötige man etwa 10 Tage für die Hauptgärung und schließlich ca. ein Monat für die Reifung. „Wir legen Wert darauf, dass das Bier gut reift“, betont Gusella. Zudem werde das Bier komplett biologisch gebraut. Das Bio-Bier besteht somit ausschließlich aus Getreide und Hopfen aus ökologischem Anbau.

Abnehmer seien unter anderem das Hotel „Das Gerstl“, sowie die Lokale Taka Tuka in Schlanders und Loki in Schluderns. Derzeit braue das Trio aufgrund der vorhandenen Kapazitäten ausschließlich Helles. „Die Nachfrage ist nach wie vor riesig. Die Leute haben Spaß mit unserem Bier – und wir natürlich auch“, freuen sich die Drei. MICHAEL ANDRES

Einmaischen, Abläutern, Kochen, Hopfengabe, Abkühlung und mehr: Ein normaler Braugang dauert rund acht Stunden.

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DER VINSCHGER 22/19