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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Das Dorf – Ein Film über das Wellnessdorf Naturns MERAN/NATURNS - Am 11. April feierte der rund 80 Minuten dauernde Film „Das Dorf“ von Karl Prossliner im Ariston-Kino in Meran seine Premiere. Dieser Dokumentarfilm ist sozusagen eine Fortsetzung des im Jahr 1987 gedrehten Streifens mit dem Titel „Naturns - Ein Dorf im Wandel der Zeit“. Der in Mals geborene und in Naturns aufgewachsene Filmemacher stellte damals die Entwicklung von Naturns vom Bauerndorf mit einer vielseitigen Landwirtschaft hin zu einem global vernetzten Wirtschaftsstandort in den Mittelpunkt. Drei Jahrzehnte später präsentiert sich Naturns im uraufgeführten Werk als Tourismusdestination bzw. als sogenanntes alpin-mediterranes Wellnessdorf. Das vom Touriseum, Amt für Kultur der Provinz Bozen,

Karl Prossliner

ORF, RAI, Fimclub, IDM (Südtiroler Filmförderungen) und von der Gemeinde Naturns unterstütze Filmprojekt wurde im Rahmen des „Bolzano Film Festival Bozen“ gezeigt. Ausgangspunkt des Streifens ist der Lorenzi-Acker, wo sich der Mensch noch an die jahreszeitlichen Gegebenheiten orientiert und danach handelt. In der weiteren Folge wurden verschiedene Veränderungsprozesse in der Landwirt-

schaft und im Tourismussektor aufgezeigt. Wo Licht ist, ist auch Schatten, so wird beispielsweise der „Rund um die Uhr Service“ der Vier- oder Fünf-Sterne Hotels als Nachteil für Gastbetriebe dargestellt. Interessant war auch der filmische Streifzug durch das nunmehrige Alltagsleben im Dorf mit Bildern aus dem Vereins- oder kulturellen Leben. Die dabei erwähnte Chronistentätigkeit dürfte wohl als Sinnbild für die Bemühungen um den Erhalt von Traditionen gelten. Endstation der Filmreise durch das Wellnessdorf Naturns ist wiederum der Lorenzi-Acker mit den Kornschneidern. Das Getreide wurde nach der „alten Technik“ von Hand geschnitten. Das Publikum im Kinosaal, darunter viele Interessierte aus Naturns, war nach der Aufführung hin- und

hergerissen. Einerseits gab es viel Applaus für die gelungenen Aufnahmen, anderseits zeigten sich manche etwas enttäuscht, weil vor allem die Landwirtschaft und der Tourismus im Vordergrund standen. Der Tourismus hatte sicher einen großen Einfluss auf die Entwicklung bis hin zum heutigen Standard von Naturns, man dürfe aber nicht vergessen, dass z. B. Betriebe wie die „Weltfirma“ Ivoclar Vivadent AG, die Firma Schweitzer, Dienstleister sowie öffentliche und kulturelle Einrichtungen die Entwicklung sehr positiv beeinflusst haben. „Im Film fehlen mir bestimmte Darstellungen, z.B. das Dorfleben insgesamt, die sozialen Vernetzungen und das Thema ‚Die Familie in Naturns’“, bemerkte etwa Karl Bachmann dem der Vinschger gegenüber. OSSI

Aufbau einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit GOLDRAIN - „Unser Wissen ist ein Schatz, der sich vermehrt, wenn wir ihn miteinander teilen.“ So lautet das Motto des Vortrages „Aufbau einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit“, den Christoph Fischer (im Bild) aus Rosenheim am

Freitag, 17. Mai um 19 Uhr im Bildungshaus Schloss Goldrain hält. Seit über 20 Jahren berät Christoph Fischer Landwirte zum Einsatz nachhaltiger Methoden. Mittlerweile arbeiten etwa 1.000 Landwirtschaftsbetriebe nach dem Rosenheimer Projekt. Gerade intensiv bewirtschaftete Kulturen wie Obst-, Wein- oder Beerenplantagen haben einen hohen Krankheitsdruck. Pilzinfektionen

sind hier ein großes Thema und oftmals haben auch chemische Applikationen keine Wirkung mehr gegen die Erreger. Im Rosenheimer Projekt stehen immer mikrobielle Milieusteuerung, Kreislaufbewirtschaftung und Bodenaufbau im Vordergrund. Die Anwendungen von Mikroorganismen, Pflanzenkohle, Organik und Mineralien sind eine hervorragende Grundlage, um die Pflanzen und Boden-

gesundheit langfristig aufzubauen, und können sowohl in großen Landwirtschaftsbetrieben als auch im Privatgarten sinnvoll eingesetzt werden. Denn nur ein gesunder Boden kann gesunde Pflanzen und Früchte hervorbringen. Das Bildungshaus Schloss Goldrain lädt in Zusammenarbeit mit dem „Freundeskreis EM - pro Natur und Gesundheit“ alle Interessierten zu RED diesem Vortrag ein.

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (24)

Das Sauschloss des Kalten Krieges „Trump entdeckt sein altes Feindbild Europa“, „Trump kündigt Strafzölle auf EU-Waren an“, „Trump will Europa mit einem merkwürdigen Tweet blamieren“: Das sind nur einige Schlagzeilen, die belegen, dass das Verhältnis zwischen Europa und dem US-Präsidenten keineswegs von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Dabei war das Verhältnis zwischen den USA und unserem Kontintent lange Zeit ein ganz anderes. Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Besatzungszonen aufgeteilt: in die drei Westzonen der Briten, Franzosen und Amis und in die Ostzone der Sowjets mit dem ebenfalls viergeteilten Berlin. 1948 führten die Westmächte ohne sich mit Moskau abzusprechen eine Währungsreform durch. Der verärgerte Stalin reagierte mit der Blockade Berlins. Alle Land-, Schienen- und Wasserwege wurden abgesperrt, West-Berlin war isoliert, das Schicksal von über zwei Millionen Menschen ungewiss. So beschlossen Amerikaner und Briten, Berlin von der Luft aus zu versorgen: die Berliner Luftbrücke. Über ein Jahr lang flog man alles Nötige mit Flugzeugen ein: Lebensmittel, Kohle, Medikamen-

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te, Treibstoff etc. Jeden Tag sollten mindestens 5.000 Tonnen Waren transportiert werden, das Maximum betrug fast 1.400 Flüge innerhalb von 24 Stunden. Zwei Luftkorridore waren für die Hin-, der dritte für die Rückflüge bestimmt. Durchschnittlich alle drei Minuten landete ein Flugzeug, Tag und Nacht – und das 15 Monate lang. Eine logistische wie menschliche Meisterleitung. Am 12. Mai 1949 – bei Erscheinen dieser Zeilen fast auf den Tag genau vor 70 Jahren – gab die Sowjetunion die Blockade schließlich auf. Vielen Menschen sind noch die sogenannten Rosinenbomber in Erinnerung, eine liebevolle Bezeichnung für die Versorgungsflugzeuge. Amerikanische Piloten banden Süßigkeiten an kleine Taschentuch-Fallschirme und warfen sie vor der Landung für die wartenden Kinder ab. Und was kann man heute von den USA erwarten? Eine schlecht zubereitete mediale saure Suppe garniert mit Wirtschaftsdrohungen. Z