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VINSCHGER THEMA

Schlüsselbegriff Vertrauen Ohne Utopie keine Zukunft. Europa als Vereinigungs- und Integrationskraft. MARIENBERG - Das Benediktinerstift Marienberg bietet jährlich rund 50 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Kultur den idealen Rahmen, über ein bestimmtes Thema nachzudenken und darüber zu diskutieren. Namhafte Referenten bieten mit ihren Vorträgen jeweils die Grundlage für kontroversielle und tiefgehende Diskussionen. Für die heurige 24. Auflage der Gespräche, die vom 28. bis zum 30. März stattgefunden haben, hatte das Kuratorium der Marienberger Klausurgespräche ein Thema gewählt, das die Zukunft zum Inhalt hatte. Bei den „Perspektiven der Zuversicht“ standen Begriffe wie Hoffnung, Europa, Megatrends und Utopien im Mittelpunkt der Überlegungen.

Lintner: „Weil die Zukunft offen vor dem Menschen liegt mit all den vielen Möglichkeiten, werden in sie auch viele Hoffnungen projiziert, weil die Zukunft aber ebenso auch unbekannt und nicht vollkommen planbar ist, bewirkt sie auch Unsicherheit und Angst.“ „Zukunftsbeziehung der Hoffnung“

fähig, die Verborgenheit Gottes im Hier und Jetzt nicht als Abwesenheit misszuverstehen, sondern als tragenden Grund und als Verheißung der nicht fassbaren Fülle im Vertrauen auf seine Treue anzunehmen. In der Hoffnung findet der Gläubige die Kraft, auch in der äußersten Dunkelheit auszuhalten – ohne zu verzweifeln oder zu resignieren.“ Ist die EU (noch) ein Hoffnungsprojekt?

Zu Beginn der Tagung ging der Präsident des Kuratoriums, Günther Andergassen, auf diese Begriffe ein. „Ja, mit Zuversicht verbinden wir Hoffnung, Zukunftsglaube, Lebensfreude, Optimismus, Fortschrittsglaube, Daseinsfreude, Lebensbejahung, Glaube an das Gute, Heiterkeit, Zufriedenheit, positive Lebenseinstellung. Wir verbinden mit Zuversicht auch Vertrauen. Dieses Vertrauen ist der Kern aller Gesellschaft, und je komplexer eine Gesellschaft wird, desto wichtiger ist diese geheimnisvolle Ressource.“ Den Reigen der Vorträge eröffnete P. Martin M. Lintner, Professor für Moraltheologie an der Phil.-Theol. Hochschule in Brixen, mit Überlegungen zum Thema „Hoffnung“. Eingangs betonte

Laut Lintner gibt es verschiedene Weisen, sich auf die Zukunft zu beziehen: Prognosen, Planungen, Utopien, Apokalypse. All diesen Schlagworten steht die „Zukunftsbeziehung der Hoffnung“ entgegen; sie ist ein Hineinblicken in die Zukunft und sie grenzt sich unter anderem von der Akopalyptik ab, „weil die Welt nicht vernichtet wird, um einen radikalen Neuanfang zu ermöglichen, sondern das Neue bereits mitten in der Welt wirkt und die Welt verwandelt“. Der große Theologe der christlichen Hoffnung ist laut Lintner der Apostel Paulus. „Er lebt schon ganz in der Zeit zwischen der Auferstehung Jesu und dem Wiederkommen des Herrn, auf das Paulus mit all seinen Kräften hofft und worauf er auch die Christen immer wieder verweist.“ Entscheidend sei bei Paulus, dass das Wiederkommen nicht mit der Vernichtung des Gegenwärtigen einhergeht, sondern mit seiner Vollendung, weil das, was bei der Wiederkunft Christi offenkundig wird, durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung bereits begonnen hat. Lintner: „Man kann die Hoffnung als innere Kraft des Glaubens bezeichnen, denn der Glaube wird durch die Hoffnung

Mit einem ganz anderen Thema beschäftigte sich Gusztáv Kovácz: „Ist die EU (noch) ein Hoffnungsprojekt? Oder: Was muss Europa tun, um als Hoffnungsprojekt wahrgenommen zu werden?“ Kovács ist Rektor der Bischöflichen Theologischen Hochschule Pécs in Ungarn. Kovácz erzählte mehrere „kleine Geschichten aus dem Alltag“, um somit den Zuhörern einen Eindruck zu vermitteln, welche Hoffnungen die Menschen hatten und welche Enttäuschungen sie vor und nach den großen gesellschaftspolitischen Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte erfuhren. Trotz all dieser – auch negativer – Erfahrungen stehen die Ungarn heute mehrheitlich positiv zur EU. Kovácz: „Man spricht heute viel von einem gespaltenen Europa. Das sehe ich nicht so.“ Europa habe vielmehr eine enorme Vereinigungs- und Integrationskraft, unter anderem auch deshalb, weil „Europa die Fenster in die Welt“ öffnet. Die Europäische Union ist für Kovácz ein Hoffnungsprojekt, wobei er vor allem auf den „kleinen Raum“ setzt. „Es geht darum, ob wir

Anja Kirig

Gusztáv Kovácz

Günther Andergassen

Foto: Martin Geier

„Mit Zuversicht verbinden wir Hoffnung“

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DER VINSCHGER 13/19

Martin M. Lintner

Francesca Rigotti

Ilija Trojanow

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Perspektiven der Zuversicht  

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