Bergbauern-Leben

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Was tun, wenn Bello Probleme macht? Lou: „Versuche den Hund zu verstehen, dann wird auch der Hund bereit sein, dich zu verstehen.“ NATURNS - Er gehorcht nicht,

zieht ständig an der Leine, setzt den Radfahrern nach, will nicht alleine bleiben und bellt die ganze Nacht über. Wenn sich Hundebesitzer mit diesen oder ähnlichen Problemen konfrontiert sehen, liegt die Ursache meistens bei ihnen selbst und nicht bei den Vierbeinern. „Bei 95 Prozent der Fälle ist der Fehler beim Menschen zu suchen und bei den restlichen 5 Prozent auch“, gab sich Lorenz Blaas, kurz Lou, kürzlich bei einem Vortragsabend in Naturns überzeugt. Untermauert hat der 55-jährige „Hundeflüsterer“, der seit 26 Jahren jeden Sommer auf der Fürstenalp in Graubünden Galtvieh hütet und schon allein von daher im Umgang mit Hunden viel Erfahrung hat, seine Ansichten mit zahlreichen Fallbeispielen. „Nicht ausgebildet, aber gebildet“ „Ich bin nicht ausgebildet, aber gebildet“, scherzte Lou im großen Saal des Bürger- und Rathauses, das fast bis auf den letzten Platz besetzt war. Insgesamt habe er bisher 515 Hunde „erzogen“ bzw. versucht, deren „Erziehungsfehler“ auszuwetzen. Auch Fachkurse im Ausland hat er besucht. Den Großteil seines Könnens und Wissens hat er sich aber selbst angeeignet. Entsprechend groß war auch die Schatzkiste an Erfahrungen, aus der Lou bei seinem ca. dreistündigen Vortrag schöpfen konnte. Anhand konkreter Beispiele zeigte er auf, was im Umgang mit Hunden richtig oder falsch ist. Bereits vor der Anschaffung eines Hundes sollte man sich im Klaren sein, dass man mit der Anschaffung die Verantwortung für ein gesamtes Hundeleben übernimmt. 18

DER VINSCHGER 08/19

Seit 26 Jahren ist Lou (dieses Foto enstand 2013) Hirte auf der Fürstenalp in Graubünden.

Verantwortung nicht unterschätzen Ausdrücklich gewarnt hat Lou vor der Anschaffung von Hunden, die von süditalienischen Tierschutz-Organisationen angeboten werden. „Bei der Zucht geht es oft um Geld und Geschäft. In den Tierheimen wird zwar gut gearbeitet, aber sie sind überlastet“, gab sich der Referent überzeugt. Die Verantwortung der Hundeerziehung liege immer beim Erwachsenen und könne nicht von einem Kind übernommen werden. Es gebe

viele Aspekte, die schon bei der Anschaffung zu beachten sind: Was geschieht mit dem Hund während der Urlaubszeit? Ist man bereit, den Hund als volles Familienmitglied mit den täglichen Bedürfnissen zu betrachten? Ist man bereit, während der erste Zeit schlaflose Nächte zu verbringen? Ist man bereit, mit dem Hund bei jedem Wetter hinaus zu gehen? Lou: „Man muss Zeit haben und sich Zeit nehmen.“ Wird darüber geklagt, dass der Hund an der Leine zieht, „ist es in Wahrheit oft der Mensch, der zieht.“

Konsequenz und Respekt Die wichtigsten Schlüsselworte in der Hunde-Erziehung seien Konsequenz und Respekt. Darin liege das Geheimnis „eines ausgeglichenen, zufriedenen und gehorsamen Hundes.“ Bei der Kommunikation ist es besser, klare und deutliche Worte zu verwenden und leise und ruhig zu sprechen. Gewalt und Erniedrigungen des Hundes seien zu vermeiden. Sehr wichtig sei das Loben. Wovon Lou wenig hält, ist die Futterbelohnung mit Leckerlies. Grundsätzlich gelte