Neubeginn in Prad

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Vinschger Landtags-Boss Landtagspräsident Sepp Noggler hat seine Arbeit aufgenommen. MALS - Tagtäglich von Mals nach Bozen. Das Pendeln in die Landeshauptstadt, das kennt er. Seit über zehn Jahren ist der ehemalige Malser Bürgermeister Josef „Sepp“ Noggler (61) Teil des Landtags. Bei den letzten Wahlen konnte er 10.093 Stimmen auf sich vereinen. Viele sahen in ihm einen Landesrat, die SVP Vinschgau forderte einen Landesrat Noggler. Doch es kam anders, weder in der Landesregierung noch in der Regionalregierung war Platz. Stattdessen wurde es für Noggler das Amt des Landtagspräsidenten. Ein prestigeträchtiges, ein hohes Amt. Der Landtagspräsident vertritt den Landtag nämlich nicht nur nach außen, sondern beruft den Landtag auch ein und führt bei den Sitzungen den Vorsitz. Noggler hat die Aufgabe, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und sorgt für die Einhaltung der Geschäftsordnung. Als Landtagspräsident steht er der Landtagsverwaltung vor und sorgt mit deren Hilfe für die ordnungsgemäße Abwicklung der anfallenden Arbeiten. Noggler hat das Amt des Landtagspräsidenten während der ersten Hälfte der Legislaturperiode inne, in der zweiten wird er dann voraussichtlich das Amt des Regionalratspräsidenten übernehmen. Im der Vinschger - Interview spricht Noggler über sein neues Amt, die Chancen für den Vinschgau, hausgemachte SVP-Probleme und vieles mehr.

Landtagspräsident Sepp Noggler

bei der Volks- sowie Kinder- und Jugendanwaltschaft, wobei es sich um Gremien handelt, die beim Landtag angesiedelt sind. Sie haben einen Posten als Landesrat angestrebt. Überwiegt die Enttäuschung, diesen nicht erhalten zu haben oder die Zufriedenheit, Landtagspräsident geworden zu sein? Fakt ist, dass das Amt des Landtagspräsidenten im demokratischen System sehr bedeutend ist. Zudem ist es auch ein sehr prestigeträchtiges Amt. Man muss schon glücklich sein, wenn man für so ein Amt das Vertrauen bekommt. Aber es ist schon so, dass ich gerne als Landesrat gearbeitet hätte und dieses Amt angestrebt habe. Das wäre für unseren Bezirk sehr wichtig gewesen, denn als SVP stehen wir hier momentan nicht allzu gut da. Leider kam es anders. Ich bin aber nach wie vor der Überzeugung, dass ich die Voraussetzungen mitgebracht hätte, um das Amt des ehemaligen Landesrates Richard Theiner mit all seinen Aufgaben zu übernehmen. Dann hätte der politische Bezirk Vinschgau weiterhin einen gewichtigen Ansprechpartner in der Landesregierung gehabt.

der Vinschger: Vom Abgeordneten zum Landtagspräsidenten. Wie haben Sie sich in den vergangenen Wochen eingelebt? SEPP NOGGLER: Der Landtag ist für mich nichts Neues, ich bin ja schließlich schon einige Jahre dort. Jedoch ist die Funktion eine andere, der Aufgabenbereich hat sich schon deutlich geändert. Das Amt des Landtagspräsidenten ist ein hohes Amt, ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe. Schon in den vergangenen Wochen standen einige Antrittsbesuche auf Was können Sie als Landtagspräsidem Programm, bei der Gene- dent für die Vinschger tun? ralstaatsanwaltschaft, beim ReVielleicht ist es für den Bezirk gierungskommissariat, aber auch jetzt nicht so eine große Hilfe, wie

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DER VINSCHGER 06/19

Ein ewiges Thema, welches besonders Sie als Malser betrifft, ist die Pestizid-Diskussion. Das Urteil wird erwartet. Wie geht es aus? Das kann man nicht sagen, wie Gerichte bestimmen, weiß man nie. Unabhängig vom Urteil bin ich der Sie wirken als Landtagspräsident Meinung, dass man den Grundeigentümern, den Bauern, nicht jedoch nicht direkt in der täglichen vorschreiben sollte, wie sie ihre Parteipolitik mit? Es ist ein Amt, wo man über den Arbeit machen sollen. Diskussion Dingen stehen muss, auch über der schön und gut, dabei einmischen Partei. Es ist nicht vorgesehen, als will ich mich jedoch nicht mehr, als Landtagspräsident Beschlussanträ- ehemaliger Bürgermeister möchte ge zu verfassen. Man hält sich aus und kann ich meinem Nachfolger der Parteipolitik auch mal zurück, nicht in seine Arbeit dreinreden. um die Objektivität zu wahren. Es ist meine Aufgabe, Diskussionen Bleiben wir bei der Landwirtschaft. parteiunabhängig zu leiten. Und Wie steht es um die heimischen diese Aufgaben werde ich versu- Bergbauern? chen gewissenhaft wahrzunehmen. Es ist natürlich nicht immer einfach. Die Situation für Bergbauern In der Vinschger SVP läuft derzeit ist generell kompliziert, nicht nur im Vinschgau, sondern in ganz nicht alles rund. Was muss sich Südtirol. Es ist aber ein Problem, ändern? Wir sind fast beim Nullpunkt an- das auf EU-Ebene mitgelöst werden gekommen und müssen aufpassen, muss. Die Unterstützung muss innicht in der Bedeutungslosigkeit tensiviert werden, auch auf Landeszu verschwinden. Ich glaube, wir ebene. Der Ankauf lokaler Produkhaben im Wahlkampf zu wenig te muss unterstützt werden, unter Kante gezeigt und nicht deutlich anderem bei öffentlichen Einrichdargelegt, was wir eigentlich wol- tungen. Aufgrund der rechtlichen len. Zudem wurde zu wenig der Situation der Ausschreibungen ist Kontakt mit den Bürgen gesucht, dies jedoch derzeit nicht möglich, man hat sich von Volk und Basis hier sollte man ansetzen. Es muss zu sehr distanziert. Da muss ein das Ziel sein, dass die Produkte unUmdenken her. serer Bergbauern mehr honoriert werden und die Wertschätzung für Was sind für Sie die drei brennenihre Arbeit am Bergbauernhof wieden Themen im Vinschgau? der größer wird. Die BerglandwirtEs braucht Lösungen im Be- schaft ist schließlich ein Merkmal reich der Mobilität, die Verkehr- für unser Land und spielt auch für sprobleme im Vinschgau müssen den Tourismus eine wichtige Rolle. angegangen werden. Ein zweiter großer Bereich ist die schulische Wie sieht Ihre persönliche politiAusbildung, hierbei ist es vor allem sche Zukunft aus? Klappt es in fünf an der Zeit, das Schülerheim in Jahren in der möglichen vierten Mals zu verwirklichen. Ein drittes Legislaturperiode mit dem Posten großes Thema im Vinschgau ist die als Landesrat? Schaffung von qualitativ hochwerDas kann ich jetzt noch nicht satigen Arbeitsplätzen in der Periphe- gen. Es hängt auch von Gesundheit, rie. Es gilt, den ländlichen Raum zu Familie und weiteren Faktoren ab, stärken, die Verwaltungsbereiche ob ich überhaupt nochmal kandiauch mehr in die Peripherie zu ver- diere. Es gilt, die nächsten Jahre legen und nicht die Zentralisierung weiterhin mit Freude und Einsatz voranzutreiben. Dazu habe ich in zu arbeiten, dann sehen wir weiter. der letzten Legislaturperiode auch einen Beschlussantrag eingereicht, MICHAEL ANDRES der deutlich angenommen wurde. es das Amt des Landesrates gewesen wäre. Aber auch als Landtagspräsident kann man durchaus Einfluss nehmen. Man hat auf alles Einfluss, kann überall Einblick nehmen und stets mitdiskutieren.


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