Neubeginn in Prad

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nen und die Zugangskriterien - Mittelschule statt Matura mit 70 Punkten - auf Südtiroler Arbeitsmarktverhältnisse angepasst wurden. Dank dieser und weiterer Bemühungen sowie aufgrund einiger Neuzugänge sei man vor einigen Monaten der Meinung gewesen, „auf einem guten Weg zu sein und aus dem Personalnotstand herauszukommen.“

Bischof Hermann Glettler

Im Bildvordergrund (v.r.): Richard Theiner, Michael Horrer, Helmut Fischer und Ivo Muser.

Lage hat sich verschlechtert Nun aber sei alles schlimmer als vorher. Plangger: „Von den letzten 3 Neuzugängen im Dezember 2018 sind 2 schon wieder weg, da sie das ‚Klima’ und den Druck nicht ertragen konnten.“ Er fordert nun nach den „katastrophalen Missständen“ und dem „gewaltigen Image-Schaden der Post im Vinschgau“ einen Stopp der Reform. In einem Schreiben an die Bezirksobmänner-Kollegen des Eisack- und Wipptals, des Burggrafenamtes und des Gebietes Bozen-Unterland ruft Plangger dazu auf, das Land von einem sofortigen Stopp der Reform im Vinschgau und Pustertal zu überzeugen. „Auch in den anderen Bezirken soll die für den 18. Februar bzw. 4. März vorgesehene Umstellung aufgeschoben werden“, sagte Plangger. Es bestehe konkret die Gefahr, dass viele „Postler“ aufgrund der geänderten Arbeitsbedingungen kündigen und frisches Personal bei diesem Durcheinander kein Interesse am Briefträgerberuf hat. Hoffnungsschimmer Aber es gibt laut Plangger einen Hoffnungsschimmer: „Mit großer Spannung warten wir auf die Ergebnisse des Treffens zwischen Landeshauptmann Arno Kompatscher und Post-Chef Matteo Del Fante am 22. Februar in Bozen.“ Schon jetzt sehe man ein, dass dieses neue Zustellungsmodell an Südtiroler Verhältnisse und Notwendigkeiten angepasst werden müsse. So sollen für den Paketzustellungsdienst auch am späten Nachmittag zusätzliche neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die heutigen „Postler“ sollen wieder ungefähr gleich früh starten, wie vor der Umstellung, und ihre alten Verteilungszonen wieder zurückbekommen. SEPP

„Heimat ist dort, … … wo ich sein darf.“ LATSCH - Die Frage, was Heimat ist oder nicht ist, wird angesichts der Globalisierung, der zunehmenden Orientierungslosigkeit, der seelischen Obdachlosigkeit, der großen Umbrüche, des immer ärger um sich greifenden internationalen Kapitalismus und weltweiter Migrationsströme immer aktueller. „Wenngleich der Begriff Heimat an Kraft und Faszination nichts verloren hat, müssen wir ihn immer wieder kritisch unter die Lupe nehmen“, sagte Hermann Glettler, Künstler und Bischof der Diözese Innsbruck, am 8. Februar im CulturForum in Latsch. Er war von der Sozialgenossenschaft „Weltladen Latsch“ eingeladen worden, um zum Thema „Entfremdete Heimat“ zu referieren. Zum Vortrag konnte Richard Theiner im Namen der Genossenschaft rund 150 Zuhörer begrüßen, darunter auch den Südtiroler Bischof Ivo Muser, seinen Sekretär Michael Horrer, den Latscher BM Helmut Fischer und weitere Ehrengäste aus dem ganzen Tal und darüber hinaus. Junge Leute waren unter dem Publikum kaum zu sehen. Der Begriff Heimat unterliegt laut Glettler einem steten Wandel. Im Laufe der Geschichte sei der Begriff oft missbraucht worden, politisch ebenso wie ideologisch. „Im Dritten Reich war Heimat ein Ausschlusskriterium“, sagte Glettler. Auch in der heutigen Zeit werde Heimat nicht selten als „politischer Kampfbegriff“ missbraucht, speziell von populistischen und rechtsradikalen Gruppierungen. Heimat bedeute dann Ausgrenzung, Abgrenzung, Ablehnung alles Fremden. Also das

Gegenteil davon, was Heimat sein sollte. „Heimat heißt Gemeinschaft. Heimat geschieht in der Familie, im Miteinander. Heimat ist dort, wo Sinnstiftung geschieht“, so der Bischof. Daheim fühle er sich dort, „wo ich mich für das Dasein nicht rechtfertigen muss, wo ich sein darf, wo ich mich nicht erklären muss.“ Heimat habe mit Identität zu tun, mit Tradition, Sprache, Landschaft, Brauchtum und Authentizität, also mit echter Kultur und gewachsenen Traditionen, die nicht aus- und abgrenzen. Identität wachse nicht durch „aggressive Abgrenzung, sondern durch Zuspruch und Zutrauen, durch Hingabe.“ Was wirklich zähle, seien Beziehungen und Begegnungen, auch ein simpler Gruß oder ein Lächeln können wertvoll sein, vor allem im Umgang mit Menschen, die ihre Heimat wegen Krieg, Ausbeutung oder Armut verlassen mussten. Glettler wörtlich: „Die Integration ist heute eine zentrale Herausforderung für alle Beteiligten und wird es auch in Zukunft bleiben.“ Auch auf Formen des Ausverkaufs von Heimat ging der Bischof ein, etwa auf eine übertriebene touristische Vermarktung, die zu einer Aushöhlung und Untergrabung der urtümlichen Identität und Kultur führe. Heimat sei Suche nach Identität. Wer Heimat hat, „macht die Tür gerne auf.“ Wer ohne Heimat und Identität ist, laufe Gefahr, Opfer populistischer Manipulatoren zu werden. „Als Christen sind wir letztendlich im Glauben und in Gott beheimatet“, gab sich Glettler überzeugt. „Beheimatung und Aufbruch gehören zusammen. Wir müssen auf die Menschen

zugehen und Heimat mit anderen teilen. Wir müssen Heimat geben durch Wertschätzung und Toleranz.“ Heimat sei ein Geschenk und eine Aufgabe zugleich. „Heimat ist Tiefe, nicht Enge“, zitierte Glettler den österreichischen Kulturpolitiker und Volkskundler Hanns Koren. „Ich bin tolerant, weil ich Christ bin, nicht obwohl ich Christ bin. Als Christ muss man jedem Menschen Raum und Heimat geben“, so der Bischof. Seine Ausführungen stießen bei den Zuhörern auf viel Zuspruch. Besonders angetan zeigte sich auch Bischof Ivo Muser. Bei der Diskussion wurde eine Vielzahl von Themen und Fragen aufgeworfen. Es wurde u.a. zu mehr Zivilcourage aufgerufen, speziell im Zusammenhang mit gängigen Vorurteilen gegen Migranten. Kirche, Politik und Medien stünden ebenso in der Verantwortung wie jede einzelne Person. Populistische Parolen und Gewaltausdrücke seien aus den Medien zu verbannen. Die heutige Gesellschaft sei leider oft von Neid und Hass durchsetzt. Zur Feststellung, dass es mit der Pflege des christlichen Glaubens heutzutage nicht zum Besten steht, meinte Glettler: „Was hindert uns daran, den Schatz des Glaubens und der Kultur zu pflegen? Wir müssen uns trauen, unseren Glauben zu leben.“ Was Bischof Muser große Sorgen bereitet, ist der Umstand, „dass der Begriff Heimat nur mehr etwas Bewahrendes, Abgrenzendes an sich hat.“ Sorge bereite ihm nicht die Identität der anderen, „sondern die mangelnde Identität in den eigenen Reihen.“ SEPP DER VINSCHGER 06/19

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