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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Die fünf Schüler der Grundschule Tanas.

Wo Schule, da Leben Tanas sucht dringend Kinder, um die Grundschule am Leben zu erhalten. TANAS - „Wo Schule, da Leben“

war bereits im Jahre 2006 der Titel einer Publikation in der Bezirkszeitung der Vinschger, in dem die Verfasserin die damaligen Bergschulen des Vinschgaus, darunter Tanas, vorstellte. Tanas ist das einzige Dörfchen am Vinschger Sonnenberg, und neben Kirche und Gasthaus gibt es noch eine Grundschule mit fünf eingeschriebenen Schulkindern. Neben Tanas gibt es in Südtirol noch weitere 9 Grundschulen mit weniger als 10 Kindern. In Tanas waren zur Zeit des 2. Weltkrieges an die 50 Schüler, in den 50er Jahren noch knapp 40. Sogar zwei Volksschulen gab es früher in Tanas: eine in Obertels für die Kinder der Berghöfe, eine für die Tanaser Dorfkinder. Heute ist die Schule von der endgültigen Schließung bedroht, da für das Schuljahr 2019/20 zu wenige Kinder eingeschrieben werden. „Mindestens 2 Kinder fehlen“

„Es fehlen uns mindestens zwei Kinder“, bedauern die Mütter der jetzigen Grundschüler, die sich für den Erhalt der Schule stark machen. Gemeinsam mit der Lehrerin Kathrin Telser aus Kortsch suchen sie nach Wegen und Möglichkeiten, wie man die Mindestzahl von fünf Kindern für die nächsten Jahre erreichen könnte. „Vielleicht wären Eltern

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DER VINSCHGER 01/19

War es eines der letzten Weihnachtsfeste an der Grundschule Tanas?

aus Allitz oder der Umgebung interessiert, ihr Kind zu uns nach Tanas in die Schule zu schicken“, spielen sie verschiedene Möglichkeiten durch. „Wir würden sogar für das Mittagessen für diese Kinder sorgen“, versprechen sie, „wenn sich nur einige finden würden! Die Tanaser würden alles unternehmen, um ihre Schule zu erhalten!“, sind sich Valeria Wallnöfer, Monika Klar und Verena Matzohl einig. Ja, sie bezeichnen es sogar als Privileg, so eine Schule besuchen zu dürfen. Natürlich müsste der Schülertransport gewährleistet sein, aber selbst da haben die Mütter verschiedene Vorschläge, wie den Kindergartenbus oder den Dorfbus. Auf Anfrage der Bezirkszeitung der Vinschger bestätigte auch der Laaser Bürgermeister

Andreas Tappeiner, dass die Gemeindeverwaltung voll hinter der Tanaser Schule stehe und bisher auch alles unternommen habe, sie zu erhalten. Die Schüleranzahl von fünf Kindern sei bereits eine Sonderregelung, die unbedingt eingehalten werden müsse. Der Lernstoff ist für jede Klasse differenziert auf das einzelne Kind abgestimmt, so dass die jüngeren Schüler von den höheren Klassen profitieren. „Und die Großen bewundern die Fortschritte der Kleineren“, bestätigt Kathrin Telser. Es sei ein schönes Arbeiten, denn die Kinder werden in ihrer Ganzheit gesehen und man könne auf jedes Kind individuell je nach Lerntyp eingehen. Dass sich das altersgemischte Lernen nach skandinavischem Modell für kleinere Schulen bewährt hat,

bestätigen viele Studien. Ein- oder auch zweiklassige Schulen erweisen sich oft als Modelle einer modernen Schule mit fächerübergreifenden, Jahrgangs- und Klassen übergreifenden offenen Unterrichtsformen. Doch auch der Zusammenhalt, das Wir-Gefühl und die Gemeinschaft werden in kleineren Schulen intensiver gepflegt, bestätigen die Mütter. Dies zeigte auch die Aufführung des „verschwundenen Christkinds“ bei einer besinnlichen Weihnachtsfeier im Advent. Mit großem Einsatz und sichtlicher Freude spielten die Kinder das Stück von den drei kleinen Sternen, die nur leuchten, wenn sie Menschen glücklich sehen. Sogar Pfarrer Roland Mair spielte eine kleine Rolle im Stück, und die Parallele zur wirklichen Suche nach zwei Kindern war unverkennbar. Auch für Lehrerin Kathrin Telser finden die Mütter nur lobende Worte. Ihre Herzlichkeit und Kompetenz wirke sich positiv auf die kleine Schulgemeinschaft aus. Eine erhaltenswerte soziale Einrichtung für das Dorf Das Grundschulgebäude stammt aus dem Jahre 1982 und gilt als kultureller Treffpunkt und Ort der Begegnung für die Dorfgemeinschaft. Im 1. Stock liegt ein Mehrzwecksaal, der für dörfliche Feste und als Turnhalle gebraucht