Haus des Getreides

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Die Stilfser Joch-Hochalpenstraße ist eine beliebte Strecke. Statt der heute 48 Kehren waren ursprünglich 61 geplant.

Arthur Gfrei referierte über die Baugeschichte der Hochalpenstraße über das Stilfser Joch.

Wechselvolle Geschichte am Joch Arthur Gfrei referiert über seine Forschungen in verschiedensten Archiven im In- und Ausland zur Baugeschichte der Stilfser Joch-Hochalpenstraße. SCHLANDERS - Mit 2.757 Metern Meereshöhe ist er der höchste Gebirgspass Italiens und die über ihn führende Hochalpenstraße verbindet heute den Vinschgau auf Südtiroler Seite und das Veltlintal auf lombardischer Seite. Die Rede ist von der Stilfser Joch-Hochalpenstraße, die 1825 als Verbindung zwischen der Lombardei und den nördlicheren Regionen des österreichischen Kaiserreichs errichtet wurde. „Dabei handelt es sich um die schönste und wichtigste Hochalpenstraße Europas, und vielleicht der ganzen Welt“, schwärmte Referent Arthur Gfrei kürzlich bei einem Vortrag in der Bibliothek Schlandersburg über die Baugeschichte der Straße. Gfrei, der über Jahre am Stilfser Joch ein Hotel betrieben hatte, sichtete in den vergangenen Jahren in verschiedenen Archiven von Bozen, Mailand, Innsbruck und Wien bisher rund 10.000 Seiten an Dokumenten zur Baugeschichte der Straße, transkribierte und ordnete sie. Dass er bei seinem Vortag nur auf einen kleinen Bruchteil der gesammelten Dokumente eingehen konnte, liegt auf der Hand. „Weitere 3.000 bis 4.000 Dokumente kommen

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vermutlich noch dazu“, merkte Gfrei an. Militärischer Zweck zentral für Bau Der Beginn der Baugeschichte der Hochalpenstraße lässt sich laut dem Experten auf das Jahr 1809 datieren: Frankreich und Bayern, zu dem damals auch Tirol

Drängen der Mailänder, am Bau der Hochalpenstraße festhalten. Insbesondere aus militärischen Gründen, denn die Österreicher befürchteten einen Einfall der Franzosen. „Gegen die Bau-Pläne wurde jedoch in Innsbruck gearbeitet“, schilderte Gfrei, weil man einen Bedeutungsverlust der Stadt Bozen als Handelsplatz fürchtete. Schließlich erhielt der italienische Ingenieur Carlo Donegani (1775-1845) den Auftrag für den Bau. 1820 bis 1825 wurde dann gebaut. Für einen Versteigerungspreis in der Höhe von 1.091.113,10 italienische Lira wurde der Bau vergeben, zudem verpflichtete sich die Firmengruppe, die Straße 9 Jahre lang zu erhalten. 200.000 Kubikmeter Aushubarbeiten, fast 100.000 Kubikmeter Trockenmauern, 48 gehörte, schlossen damals einen statt 61 Kehren und mehrere Tote Handelsvertrag. In diesem ist der später war der Bau vollendet. Für Bau einer Straße von Bormio nach die „einheitliche Choreographie“, Tirol geplant. Es folgen Vermes- wie Donegani die Straße bezeichsungen, 3,20 Meter breit soll die nete, brauchten die Arbeiter, vor Straße sein, doch dann kommt allem aus dem italienischen Raum, die Lombardei nach dem Sturz 14,5 Monate an effektiver Bauzeit, Napoleons unter die Herrschaft sieben Monate kürzer als geplant. der Habsburger. Aber auch unter MG der österreichischer Kaiserkrone will man, insbesondere auf