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Ausbildung und die Motivation, soziale Dienstleistungen zu erbringen und in erster Linie eine individuelle Betreuung zu gewährleisten. Was das Thema Ausbildung betrifft, sei derzeit noch einiges im Aufbau. Auf diesen Aspekt verwies auch Verena Niederkofler. Das neue Gesetz, das Niederkofler als „Kind“ von Maria Hochgruber Kuenzer bezeichnete, sei auch als Zusatzangebot für Frauen und Männer zu werten, die es vorziehen, auf dem Hof tätig zu werden anstatt auswärts einer Arbeit nachzugehen.

Drei Angebote im Aufbau Derzeit im Aufbau seien im Besonderen drei Angebote: Arbeiten mit Jugendlichen, die den Pflichtschulabschluss nicht geschafft haben, wobei mit dem Schulamt zusammengearbeitet wird; Arbeiten mit Menschen mit Beeinträchtigung, wobei vor allem an Freizeitaktivitäten und Urlaubsangebote im Sommer gedacht wird; gestützte Interventionen mit Tieren und Pflanzen (z.B. Garten). „Alle Dienstleistungen beginnen mit der Ausbil-

dung“, unterstrich Niederkofler. Das übergeordnete Motto der Sozialen Landwirtschaft sei die gesundheitsvorsorgende und gesundheitsfördernde Tätigkeit für Menschen mit Hilfe von Tieren, Pflanzen und Natur. Ziel sei es, das soziale, geistige und pädagogische Wohlergehen von betreuten Menschen zu unterstützen und zu verbessern. Das Arbeitsfeld Landwirtschaft eigne sich dafür gut. Zumal die sozialen Tätigkeiten am Bauernhof zur landwirtschaftlichen Arbeit gerechnet werden, eröffnet sich auch eine Einkom-

mensperspektive für bäuerlichen Familien. Im Mittelpunkt stehe der Bauernhof als Arbeitsort, Bildungsort und Gesundheitsort. Als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten soll die Soziale Landwirtschaft laut Hochgruber Kuenzer nicht verstanden werden, sondern als Ergänzung. Auf die Zusammenarbeit mit anderen sozialen Dienstleistungen lege man großen Wert. SEPP

„Brauchtumsfibel“ als Jahresbegleiter

Die Autorin Jutta Tappeiner mit dem neuen Buch. KORTSCH - „Einige Bräuche drohen in Vergessenheit zu geraten, andere werden nicht weitergegeben und von wieder anderen weiß man nicht mehr, welchen tieferen Sinn und Ursprung sie haben. Und Bräuche sind fester Bestandteil unseres Lebens. Sie geben uns Halt, Orientierung und schaffen Identität.“ Das waren laut der Bezirksbäuerin Ingeborg Rainalter Rechenmacher die Hauptgründe, warum die Südtiroler Bäuerinnenorganisation beschlossen hat, das Buch „Lebendige Bräuche in Südtirol“ herauszubringen. Das traditionelle Brauchtum sei im Wandel begriffen, aber keineswegs überholt. Viele Bräuche seien noch im Kirchenjahr eingebunden, einige haben sich zu Volksfesten entwickelt, manche sind vollständig in Vergessenheit geraten oder werden gerade neu belebt. Fast drei Jahre lang hat die Bäuerinnenorga-

Im Bild (v.l.): Albin Pfitscher, Elisabeth Kofler, Verena Niederkofler, Jutta Tappeiner, Maria Hochgruber Kuenzer, Ingeborg Rainalter Rechenmacher und Helene Dietl Laganda.

nisation in Zusammenarbeit mit Experten an der Sammlung der Südtiroler Bräuche gearbeitet. Als Autorin konnte die aus Schlanders stammende Bäuerin Jutta Tappeiner gewonnen werden, die ihrerseits auf die Zusammenarbeit von Hans Grießmair bauen konnte, von dem u.a. die Einleitung stammt. Die Frucht der jahrelangen Arbeit ist ein über 300 Seiten starker Bildband, der mit kurzen Texten und beeindruckenden Fotos eine Gesamtschau auf das lebendige Brauchtum Südtirols bietet. „Es ist übrigens das erste und einzige Werk mit der Sammlung aller in unserem Land lebendigen Bräuche in Wort und Bild“, freute sich die Bezirksbäuerin, die allen Mitwirkenden dankte. Auch Jutta Tappeiner, die anschaulich in die Welt der Bräuche einführte, bezeichnete das im Athesia-Verlag erschienene Buch als ein Nachschlagewerk

und eine „Brauchtumsfibel“ als idealer Begleiter für das ganze Jahr. „Für mich haben Bräuche mit Emotionen zu tun, mit Musik, mit Gemeinschaft, mit besonderen Speisen, mit dem Jahreskreis und dem Lebenskreis“, sagte die Autorin. Auch viele Bräuche, wie sie nur im Vinschgau zu finden sind, werden im Bildband beschrieben. Das Zusslrennen zum Beispiel, das Scheibnschlogn oder das Klosn. Wie man räuchert, führte Jutta Tappeiner im Anschluss an ihre Ausführungen persönlich vor. Einen großen Dank zollte die Autorin der Bäuerinnenorganisation, den Experten und ganz besonders den Vinschger Bäuerinnen mit Ingeborg Rainalter Rechenmacher an der Spitze. Als Experten aus dem Vinschgau haben neben den anwesenden Helene Dietl Laganda aus Mals und Albin Pfitscher aus Martell noch Wilfried Stimpfl aus

Laas, Florian Eller aus Langtaufers, Hans Tappeiner aus Latsch, Norbert Punter aus Planeil und wesentlich auch Gilbert Stillebacher aus Prad an der Entstehung des Buches mitgearbeitet. Helene Dietl führte in die Bräuche der Advents- und Weihnachtszeit bis hin zu Lichtmess (2. Februar) ein. Wie schon Jutta Tappeiner verwies auch sie darauf, dass manche Bräuche zu „Gruselveranstaltungen“ ausgeartet seien, die mit der wirklichen Tradition nichts mehr zu tun haben. Dasselbe gelte für manche „importierten“ Bräuche. 100 Prozent echt sind hingegen die Stickarbeiten von Elisabeth Kofler aus Matsch. Dass der „blaue Schurz“ als Foto für das Titelbild ausgewählt wurde, ist kein Zufall. SEPP

DER VINSCHGER 43/18

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