Abschied mit Botschaft

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Der Recyclinghof in Naturns sorgt für Zündstoff.

Das Recycling-Dilemma Wertstoffhof in Naturns sorgt für Diskussionen. NATURNS - „Die Missstände am Recyclinghof sind unzumutbar. Das gibt es hierzulande nirgendwo sonst. Es kam zu Versäumnissen der Gemeinde. Nun müssen das die Bürger ausbaden“. Es ist scharfe Kritik, die Peter Erlacher vergangene Woche bei der Gemeinderatssitzung in Naturns im Rahmen der Fragestunde für die Zuhörer vorbrachte. Bereits zuvor hatte Gemeinderätin Evi Prader eine Anfrage zum Thema eingereicht. Erlacher setzt sich als Experte für Bauphysik und nachhaltiges Bauen immer wieder aktiv für Belange der Bürger ein, insbesondere wenn es um Themen wie Umwelt und Recycling geht. Er sprach bei der Sitzung von einem regelrechten Recyclinghof-Schlamassel, zu dem auch die Gemeindeverwaltung beigetragen habe.

cher. Zudem können Private nun auch kein Holz, keinen Bauschutt und keinen Sperrmüll mehr abgeben. Dies müsse man zur privaten Firma Erdbau bringen. „Da kommt jemand mit Kartons, Papier und 2 alten Tellern zum Recyclinghof und muss wegen der paar Teller extra weiter zum Erdbau. Das ist schwachsinnig“, so Erlacher.

Betriebe dazu aber nicht mehr gewillt sein. Es entsteht noch mehr Bürokratie für alle“, betonte Erlacher. Warum die Gemeinde trotz einiger Hinweise seitens des Amtes für Abfallwirtschaft nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen habe, warum die angekauften Bürocontainer und Ölabschneider nicht eingesetzt werden und wer für die Mehrkosten die Verantwortung trage – so Auch Betriebe betroffen die bei der Sitzung in den Raum Auch für Betriebe komme es geworfenen Fragen. Naturns sei in zu neuen Herausforderungen. dieser Hinsicht die „schlechteste „Diese dürfen laut Schreiben der Gemeinde“, schlussfolgerte.

Dieter PINGGERA „Einer von uns!“

Amt hat durchgegriffen

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DER VINSCHGER 33/18

Ländlicher Raum ist mir wichtig! Auftraggeber: Dieter Pinggera - Layout: Fritz, Schlanders

„Bis zum Mai 2018 konnten Private recht vieles im Recyclinghof abgeben. Nachdem aber seit Jahren die Auflagen des Amtes für Abfallwirtschaft nicht erfüllt wurden, hat das Amt durchgegriffen“, erklärte Erlacher. Die Folgen: Private können so einiges nicht mehr abgeben. „Zu den üblichen Öffnungszeiten dürfen keine so genannten gefährlichen Abfälle mehr abgebeben werden, wie zum Beispiel Bratfette, Speiseöle, Sparlampen, Batterien und dergleichen. Diese können nur mehr, wenn der Schrotthändler kommt, abgegeben werden“, führte Erlacher aus. Der Schrotthändler Santini komme zweimal monatlich für zwei Stunden nach Naturns. „Das sind Mehrkosten, die da entstehen“, schimpfte Erla-

• für die Stärkung des Vinschgaus • für den Erhalt von Ämtern und Diensten im Vinschgau • für die Errichtung einer Fachhochschule in Schlanders

Dieter Pinggera

Gemeinde keine Elektrosachen mehr abgeben, weder Monitore noch Computer. Früher konnten Verbraucher ihre alten Elektrosachen beim Betrieb, wo sie gekauft wurden, abgeben. So werden

„Es ist nicht einfach“ Scharfe Kritik, die Vizebürgermeister Helmut Müller so nicht stehen lassen wollte. „Die Ausführungen sind sehr genau. Sie

stimmen zum Teil. Zum Teil aber auch nicht“, so Müller, der u.a. für den Recyclinghof zuständig ist. Dass es in den vergangenen Jahren Versäumnisse gegeben habe, sei nicht von der Hand zu weisen. Aber: „Es ist keineswegs einfach. Und glaubt mir, ich bin selbst sehr unglücklich über die Situation. Wir tun unser Bestmögliches und werden dies auch weiterhin tun, um eine zufriedenstellende Lösung für alle zu finden.“ Vielleicht habe man „die Sache zu locker genommen“. Einiges sei in den vergangenen Jahren liegen geblieben. Die Schuld jedoch in erster Linie bei der Gemeindeverwaltung zu suchen, sei nicht gerecht. Schlechte Zusammenarbeit Es seien vor allem auch die Bürokratie und die teils schlechte Zusammenarbeit mit den Landesämtern gewesen, die es soweit haben kommen lassen. So sei die Zusammenarbeit mit dem Amt für Abfallwirtschaft schwierig gewesen. Man habe einen Container vor knapp 2 Jahren angekauft, doch damit war es dann nicht getan. Es seien diese und jene Bestimmungen dazu gekommen. Es habe auch das Geld für Investitionen gefehlt. „Die letzten 2 Jahre haben wir nie von Missständen gehört. Dann kam plötzlich das Amt für Abfallwirtschaft. Es hieß, dies und jenes müsse gemacht werden“, so Müller. „Tut was, oder wir sperren zu“, habe das Landesamt der Gemeinde die Pistole auf die Brust gesetzt. Einige Sofortmaßnahmen seien ergriffen worden. „Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt“, versicherte der Vizebürgermeister.