Herr über ein Nadelöhr

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Foto: Georg Lembergh

VINSCHGER GESELLSCHAFT

Der Hauptdarsteller des Films „Das versunkene Dorf“ von Georg Lembergh und Hansjörg Stecher und der wichtigste Zeitzeuge der Tragödie war der Turm der Katharinen-Kirche von Altgraun.

Peppi Plangger aus Graun trat im Film als wichtiger Zeitzeuge auf. Die Szene mit dem Papierschiffchen war sein Abschied vom See und von dieser Welt. Er verstarb am 11. April 2014.

„Die Erinnerung muss wachgehalten werden“ Drei Tage lang war Graun der größte Kino-Saal Südtirols. An drei Abenden wurden 2.400 Personen selbst zu Zeitzeugen. GRAUN - Viele, sehr viele Oberländer haben sich den Film „Das versunkene Dorf“ mehrmals angesehen. Viele konnten für die Premiere in Meran ein Ticket erhaschen. Noch mehr kamen zur ersten Aufführung im Vinschgau nach Schlanders. Es folgten weitere Aufführungen in Südtirol und wiederum in Schlanders. Die Säle waren mehr als gefüllt; das Interesse blieb groß. Zuerst war es ein Gedanke, dann der kühne Plan. „Wir waren naiv“, gestand Filmemacher und Historiker Hansjörg Stecher. „Wir wollten direkt am Turm den Film zeigen, sozusagen in Augenhöhe mit dem Hauptakteur und dem wichtigsten Zeitzeugen, dem Turm im See.“ Die Ernüchterung folgte, als man zu rechnen begann. Regisseur Georg Lembergh und Partner Stecher kehrten aufs „Festland“ zurück und suchten nach Mitteln und Wegen.

DER VINSCHGER 28/18

800 Zuschauer als Anerkennung

Weitere Vorführung

Bevor der Projektor angeworfen und den Zeitzeugen das Wort gegeben wurde, erinnerte sich Moderator Martin Hanni, wie er zum ersten Mal den Turm gesehen habe und dass sein Vater über jeden Berggipfel mehr wusste als über den Turm von Alt-Graun. Hanni lud Filmemacher und Ehrengäste ein, nach vorn zu kommen und bat um "kurzweilige Reden". Bürgermeister Heinrich Noggler und Landesrat Philipp Achammer dankten

Freitag, 31. August, Innenhof der Tschenglsburg: 20.15 Uhr Zeitzeugen erzählen, 21 Uhr Film ab, Reservierungen 12-14 Uhr und 18-19.30 Uhr bei Hansjörg Stecher 340 83 45 236 / hansjoerg. stecher@albolina.org, Restkarten ab 19 Uhr an der Abendkasse. Je nach Anmeldungen und Witterung, Zusatztermin Samstag, 1. September, ab 20.15 Uhr.

„Die Erinnerung darf nicht verloren gehen“ erklärte der Landeshauptmann vor 800 Besuchern. Im Bild von links Georg Lembergh, Hansjörg Stecher, Martin Hanni, Arno Kompatscher und Philipp Achammer.

tirols größte Tragödie, den Untergang von Alt auch späteren Generationen zeigen zu können. „Wir haben hoch gepokert“, bestätigte Stecher, „wir hatten keinen wirklichen Plan B und bei schlechtem Wetter, nur einen einzigen Ausweichtermin.“ Diesmal hatten die Grauner Glück. Es regnete nie und wurde von Vorstellung zu Vorstellung wärmer. „Was will man mehr? Bei 14 Grad am späten Abend auf 1.500 Höhenmetern ist Hochsommer“, sagen die Oberländer. Für die Grauner im Wetterglück sonnenversengten „Unterlandler“ Auf historischem Boden, auf dem hatten die Organisatoren vorausletzten Zipfel des ehemaligen Grau- schauend auch gesorgt. Aus Bener Oberdorfes und symbolträchtig ständen des Zivilschutzes standen zwischen neuem Friedhof und Wolldecken zur Verfügung. Die altem Turm ließen sie die 50 Qua- Maßnahme wurde auch von Landratmeter große LED-Leinwand deshauptmann Arno Kompatscher, montieren. Es sei ein glücklicher Kulturlandesrat Philipp AchamZufall gewesen, dass man im 800 mer, IDM Präsident Hansi Pichler, Kilometer entfernten Leipzig die DME Direktor Kurt Sagmeister, Möglichkeit gefunden hat, Süd- HGV Präsident Manfred Pinzger,

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Bürgermeister Heinrich Noggler, seinem gesamten Ausschuss, von den Vertretern der Ferienregion Reschenpass und vielen wichtigen Vinschgern dankbar angenommen. Härter im Nehmen war Zeitzeuge, ehemals Grauner Bürgermeister und jetzt Parlamentsabgeordneter Albrecht Plangger.

Hansjörg Stecher und Georg Lembergh für „das so wichtige Projekt und für diese großartige Leistung“. Ein aufgeregter Stecher sprach vom „Wochenende meines Lebens“ und vom „Highlight der gesamten Filmauswertung“. „Für uns sind die 800 Besucher heute die größte Anerkennung und der schönste Dank“, meinte er. Landeshauptmann Kompatscher versprach: „Es wird und es muss aufgearbeitet werden, was die Seestauung damals für die Menschen bedeutet hat und wie das heute in der Erinnerung noch nachwirkt. Die Erinnerung muss wachgehalten werden. Deswegen haben wir uns mit den Gemeindeverwaltern zusammengesetzt und vereinbart, diesen besonderen Platz hier am Turm besser zu gestalten und aufzuwerten.“

GÜNTHER SCHÖPF