Lebenswertes Mals

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VINSCHGER THEMA

Bürgermeister Ulrich Veith bei der Arbeit in seinem Büro.

Bürgermeister mit Leidenschaft Der Malser Bürgermeister Ulrich Veith über sein Amt, die Absage an den Landtag, die Pestizid-Debatte, Seitentäler und vieles mehr. gerichtlich vom Bozner Verwaltungsgericht vorläufig ausgesetzt. Sind Sie enttäuscht? Natürlich sind wir darüber enttäuscht. Dieses Urteil war nicht unbedingt zu erwarten. Für unsere Bio-Landwirte ist dies ein großes Problem. Bis zur definitiven EntDies ist aber keine Absage für immer? scheidung im Jänner ist hierbei Momentan denke ich nicht da- sozusagen kein Schutz mehr da. ran, sondern einzig und allein an Wenn der Nachbar, der integriermeine Arbeit in Mals die nächsten ten Obstanbau betreibt, PflanzenJahre. Aber man sollte natürlich nie schutzmittel ausbringt, kommt es nie sagen. Dass ich überhaupt mal aufgrund des Oberwindes nicht in die Politik gehe, hätte ich mir frü- selten zum Abdrift. Da ist dann her nicht vorstellen können. Nun schon die Gefahr da, dass zum arbeite ich mit großer Leidenschaft Beispiel Rückstände im Heu gein diesem Bereich. funden werden. Für Bio-Bauern ist dies dann auch ein finanzieller Schaden, vom gesundheitlichen Glauben Sie die Pestizid-Debatte Problem einmal abgesehen. war ein Hindernis für eine mögliche Kandidatur in der SVP? DER VINSCHGER: In den vergangeDas hat bei meiner Entscheidung Wohin führt der viel zitierte Malser nen Monaten gab es immer wieder keine Rolle gespielt. Und die Partei Weg? Viele Landwirte haben in den Meldungen über einen Wechsel in den hat sich in diese Debatte auch nicht eingemischt. Vielleicht hätte der vergangenen drei Jahren auf Bio Landtag. Neben der SVP wurden Sie eine oder andere bei einer even- umgestellt. Vor allem im Grünlandsogar als Kandidat für die Grünen ins Spiel gebracht. Woran ist die Kandida- tuellen Kandidatur interveniert, bereich sind wir die Gemeinde mit tur gescheitert? jedoch war dies für mich zu keiner den meisten Bio-Betrieben in ganz ULRICH VEITH: Es gab mehre- Zeit ein Thema. Südtirol. Im Jänner 2019 kommt re Gespräche mit verschiedenen es zur endgültigen Entscheidung Parteien, das stimmt. Ich habe Bleiben wir bei der Pestizid-Debatte. beim Verwaltungsgericht. Wir sind kurz überlegt, die Für und Wider Im März ist die Pestizid-Verordnung in zuversichtlich, dass die Verordnung abgewogen. Jedoch bin ich ziemlich Kraft getreten. Mitte Mai wurde diese standhält.

MALS - Seit 2009 bekleidet Ulrich Veith das Amt des Bürgermeisters in Mals. Er folgte auf Sepp Noggler, der damals in den Landtag wechselte. Ungebrochen seit jeher ist die Beliebtheit von Veith bei den Bürgern. Daran konnte auch die oft kritisierte Pestizidabstimmung nichts ändern. 2015 wurde er mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Veith ist ein Mensch, der die Politik lebt. In erster Linie die Gemeindepolitik. Deshalb zieht es ihn auch nicht in den Landtag. Im der Vinschger-Interview spricht der Malser Bürgermeister über seine Absage für die Landtagswahlen, die endlos wirkende Pestizid-Diskussion, Bauvorhaben, das Leben in den Malser Seitentälern und vieles mehr.

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DER VINSCHGER 24/18

schnell zum Schluss gekommen, dass ich definitiv hier weitermachen will. Die Gemeindearbeit macht mir viel Spaß und wir haben im Gemeinderat eine tolle Truppe sowie eine gute Mehrheit. Es gibt auch noch einiges zu verwirklichen.

Themenwechsel. Zur Gemeinde Mals zählen einige Seitentäler. Inwieweit sind Matsch, Plawenn und Co. von der Abwanderung betroffen? Wirklich mit Abwanderung zu leiden haben wir nicht. Bis auf Planeil, wo ein leichter Bevölkerungsrückgang zu spüren ist. Matsch ist ein sehr aktives Dorf mit vielen Vereinen. In Tourismus und Landwirtschaft wird hier gut gearbeitet. Die Auszeichnung als Bergsteigerdorf, welche Matsch erhielt, zeigt, dass man auf einem richtigen Weg ist. Viele Betriebe bieten Urlaub auf dem Bauernhof an, zudem gibt es gut arbeitende Almen. Was tut die Gemeinde für die Seitentäler? In erster Linie gilt es, die Infrastrukturen und gute Verkehrsanbindungen zu erhalten. Die Bus-Anbindung ist gut. Der Citybus fährt mehrmals täglich in die Seitentäler. Planeil ist schwer zu verbauen, aufgrund des steilen Geländes. In Planeil gibt es nach wie vor eine Grundschule. Diese haben im vergangenen Schuljahr acht Schüler besucht. Glücklicherweise ist die Schließung der Schule derzeit kein Thema. Zudem setzen wir auf Kindergarten-Transport