Noch herrscht das Chaos

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VINSCHGER THEMA

Auch Vorschläge für gestalterische Maßnahmen auf der Passhöhe hat die Südtiroler Arbeitsgruppe unter der Leitung von Architekt Arnold Gapp erarbeitet.

Ungeschliffener Diamant Das Stilfserjoch und die Passstraße bergen ein riesiges Potential. STILFSERJOCH - Ein Radrennen

auf der Seite der Schweiz und der Lombardei, der Stilfserjoch Marathon auf Südtiroler Seite, Skifahrer, Snowboarder, Wanderer und mittendrin eine staatliche Anzahl von Kiwanis-Mitgliedern, die sich zu einem „Gipfeltreffen“ am Stilfserjoch eingefunden haben. All dieses und mehr hat sich am 16. Juni auf dem Joch zugetragen. „Der heutige Tag ist ein gutes Beispiel dafür, dass auf dem Joch bisweilen chaotische Zustände herrschen. Was fehlt, ist eine gemeinsame Regie, eine bessere Koordination sowie auch Voraussetzungen dafür, dass die Gäste nicht nur über den Pass fahren, sondern auch Zeit auf dem Joch verbringen.“ So brachte Stephan Gander, der Koordinator der 3 Arbeitsgruppen Vinschgau, Bormio und Val Müstair, die schon seit einiger Zeit am Konzept „Erlebnisraum Stilfserjoch“ arbeiten, das Problem auf den Punkt. Neben Gander konnten die Kiwanis-Vertreter Uwe Rinner (Vinschgau), Peter Paul Bernhard (Graubünden/Südtirol) und

Jon Fadri Huder (Schweiz/Liechtenstein) auch Landesrat Richard Theiner, Arnold Gapp, den Leiter der Südtiroler Arbeitsgruppe, den Historiker und Schulinspektor Claudio Gustin aus Sta. Maria sowie den Direktor des lombardischen Nationalparkanteils, Alessandro Meinardi, als Referenten begrüßen. Neue Ära Als Beginn einer neuen Ära nannte Richard Theiner die Durchführungsbestimmung, mit der die Verwaltunskompetenzen für den Nationalpark vom Staat auf die Länder Südtirol, Trentino und Lombardei übertragen wurden. In einem Strategiepapier, erarbeitet von Vertretern der Südtiroler Nationalparkgemeinden, lokaler Interessensgruppen aus Landwirtschaft, Tourismus und Umweltschutz sowie des Landes, wurden mehrere Ziele festgeschrieben: Förderung der Akzeptanz des Nationalparks seitens der ansässigen Bevölkerung und Etablierung des Na-

tionalparks zur „Modellregion für einen nachhaltigen alpinen Lebens- und Wirtschaftsraum“ sowie zur „Modellregion für die Erhaltung einer naturorientierten Landwirtschaft.“ Das Hauptziel des Nationalparkgesetzes, das der Landtag im März 2018 genehmigt hat, ist es, die Prozeduren zu vereinfachen und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. „Mit dem Parkplan und der Parkordnung sind wir in Südtirol auf der Zielgeraden“, sagte Theiner. Er erinnerte daran, dass dem Umweltministerium in Rom die Pläne aller drei Länder gleichzeitig vorzulegen sind. „Heißes Eisen“ Zonierung

Auch bezüglich der Zonierung laufen derzeit intensive Verhandlungen mit dem Ministerium und der gesamtstaatlichen Umweltbehörde Ispra. Es seien im Wesentlichen 4 Zonen vorgesehen: A (Kernzone), B (Bewahrungszone), C (Übergangsgebiete) und D (D1: Bewohnte Gebiete, D2: Skigebiete, D3: Stilfserjochstraße). Zu den besonderen Maßnahmen, die ins Auge gefasst wurden, gehört laut Theiner die Zusammenarbeit zwischen dem Nationalpark, der Landwirtschaft und IDM Südtirol, um die touristische und landwirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Die Ergebnisse der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus seien, vorsichtig ausIn den Bildern (v.l.): Stephan Gander, Arnold Gapp und Richard Theiner. gedrückt, „überschaubar.“

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DER VINSCHGER 22/18

Neue Gesellschaft Zum Vorhabenpaket „Panoramastraße Stilfserjoch“ kündigte der Landesrat die baldige Gründung einer neuen Gesellschaft an, an der Südtirol und die Lombardei zu jeweils 50% beteiligt sein werden. Die Gesellschaft wird mit der Umsetzung der Projekte zur Aufwertung der gesamten Nationalparkregion beauftragt. „Wir müssen auch Geld einsetzen und die Projekte konkret angehen, denn nur reden ist zu wenig“, so Theiner. Als wichtigen Baustein nannte er die Errichtung von Regionen übergreifenden Höhenwege: Ortler Höhenweg, Marmorweg und Trientner Höhenweg. Das wichtigste Ziel aller Vorhaben und Projekte sieht Theiner darin, die Menschen dies- und jenseits des Stilfserjochs wieder stärker zusammenzubringen: „Vor 100 Jahre tobte hier oben der Krieg, der zu einer Entfremdung führte, obwohl die Bevölkerung vor dem Krieg über Jahrhunderte hinweg friedlich zusammengelebt hatte.“ Riesiges Potential Stephan Gander führte in die Details des Konzeptes bzw. Projektes „Erlebnisraum Stilfserjoch“ ein. Er gab sich überzeugt, „dass hier ein Leuchtturm-Projekt mit internationaler Strahlkraft entstehen kann.“ Es sei gelungen, alle 3 angrenzenden Gebiete mit ins Boot zu holen. Das Potential, das die Passstraße und das Stilfserjoch bergen, sei enorm. Eine Aufwertung