„Ziehen an einem Strang“

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der Bevölkerung eine gewisse Akzeptanz gewinnen. Stichwort Tourismus. Wie geht es diesem in Prad? EGGER: Es gibt mittlerweile weniger kleine Betriebe. Privatzimmervermieter, die nur wenige Zimmer vermieten, haben abgenommen. Einerseits durch die bürokratischen Hürden, andererseits weil sie privat genutzt werden. Dafür haben wir zwei sehr gut arbeitende Hotels und zwei Campingplätze in Prader Händen. Sicherlich ist Prad eher ein Durchzugsgebiet für Sulden und teils auch für Trafoi. Davon profitiert Prad aber auch. Möglichkeiten gibt es hier zuhauf. Aufholbedarf ist aber natürlich noch da. Im oberen Vinschgau tobt die Pestizid-Diskussion. Was bekommt Prad davon zu spüren? BERNHART: Man kann die Situation zwischen Mals und Prad nicht vergleichen. Der Obstbau in Prad ist schon sehr weit fortgeschritten. Wir setzen auf Dialog und eine konstruktive Auseinandersetzung. Verbote allein machen dabei absolut keinen Sinn. Das Bestreben muss es natürlich sein, den Einsatz von Pestiziden zu verringern bzw. zu vermeiden. Aber ich sehe hier ohnehin eine

positive Entwicklung. Das geht Warum gibt es in Prad einen einigen natürlich viel zu langsam, Bevölkerungszuwachs seit einigen anderen aber auch viel zu schnell. Jahren? EGGER: Sicherlich aufgrund Welche Bauvorhaben stehen in der unserer großen Gewerbezone. Zudem kommen schon seit JahGemeinde an? EGGER: Die Sanierung der Mit- ren Menschen aus der Gemeinde telschule soll in den nächsten Stilfs zu uns. Des Weiteren hat Jahren abgeschlossen werden. Prad in den vergangenen Jahren Die Bauwirtschaft boomt der- Grundstücke für den geförderten zeit. Deshalb war es heuer sogar Wohnbau zur Verfügung gestellt. schwierig Handwerker zu finden. Dies nutzen einige Familien aus Das 2. Baulos in Sachen Mit- den umliegenden Gemeinden, telschule musste somit auf das auch weil, wiederum aufgrund nächste Jahr verschoben werden der starken Gewerbezone, häufig und wird dann gemeinsam mit ein Familienteil ohnehin in Prad dem 3. Baulos verwirklicht. In arbeitet. Auch hat Prad aufgrund Lichtenberg wird derzeit das alte seiner Lage und seiner vielfälWidum-Gebäude saniert. Im Erd- tigen Angebote an Attraktivität geschoss entsteht ein Hauspfle- gewonnen. gedienst, im Obergeschoss zwei Altenwohnungen und darüber Wie steht es um die Sennerei Prad? eine Pfarrwohnung. Auch der EGGER: Nach längerer SuBau des Feuerwehrgerätehauses che ist es der Eigenverwaltung in Lichtenberg startet bald. In der B.N.R. von Prad gelungen, einen Sportzone Prad sind Maßnahmen Pächter für die Dorfsennerei zu zur Aufwertung geplant. Auch in finden. Seit November 2017 ist Sachen „Alt werden in Prad“ sind ein belgischer Käseproduzent, wir dabei, ein Konzept zu verab- mit Wohnsitz in Nauders, dabei, schieden, das Wohngemeinschaf- Umbau- und Optimierungsarbeiten mit einer 24-Stunden-Betreu- ten durchzuführen, um größere ung vorsieht. Im 2. Baulos der Mengen von Kuh- und ZiegenSeniorenstruktur St. Antonius milch zu veredeln. Die Milch wird soll auch eine Kindertagesstätte von lokalen Bauern angeliefert. untergebracht werden, weil es Wir als Gemeinde sind froh, dass im Kindergarten aufgrund der die Sennerei wieder in Betrieb steigenden Kinderzahl zusehends ist und auch wieder den Namen eng wird. Dorfsennerei Prad tragen wird.

In diesen Tagen wurde Georg Wunderer, Obmann des E-Werks Prad, zu Grabe getragen. BERNHART: Ein großer Verlust für Prad. Er hat sehr viel für die Dorfgemeinschaft geleistet. Sein Tod reißt ein großes Loch in unserer Mitte. Wir sind ihm für seine Pionierleistungen vor allem im Energiesektor zu großem Dank verpflichtet. EGGER: Er hat tiefe und prägende Spuren in der Gemeinde Prad hinterlassen. An dieser Stelle nochmals ein aufrichtiges Beileid an die Familie. Wie steht es um Ihre politische Zukunft? BERNHART: Jetzt müssen wir erstmal diese fünfjährige Verwaltungsperiode bis 2020 erfolgreich zu Ende bringen. Dann schaut man weiter. Was kommt, wird sich ergeben. Ideen und Visionen gibt es immer. Das ist wichtig. Aber man weiß nie, was das Leben bringt. EGGER: Dem ist nichts hinzuzufügen. Niemand kann in die Zukunft blicken. Hier und heute wissen wir aber, dass wir als Teamplayer weiterarbeiten wollen. Wie beim Fußball. Nur wenn die Mannschaft eine Einheit bildet, ist man stark. INTERVIEW: MICHAEL ANDRES

Abschied von einem Pionier PRAD - Die Energie darf nicht dem Kapital dienen, sondern den Menschen. Das war das große Credo des Energieexperten, Visionärs und Pioniers Georg Wunderer aus Prad. Groß war die Zahl der Trauernden, die am 5. Juni in Prad von Georg Wunderer Abschied nahmen. Er war am 1. Juni im Alter von 69 Jahren gestorben. Das Mitgefühl der Trauergemeinschaft galt in erster Linie seiner Frau Greti, den Kindern Rainer und Ruth und den 5 Enkelkindern. Georg Wunderer war Fachsportlehrer, leidenschaftlicher Fußballer und Trainer sowie Funktionär im Sportverein und VSS. Das Interesse für das Thema Energie hatte sein Vater in ihm geweckt. Jahrzehntelang setzte sich Georg Wunderer als

Sachen Energie stets ein Vordenker und Visionär. Auch auf Bezirks- und Landesebene war er ein gefragter Fachmann und Berater, der sich zudem auch aktiv einbrachte, etwa bei der Gründung des Vinschgauer Energiekonsortiums oder als Mitbegründer des Raiffeisen Energieverbandes, den er 5 Jahre als Präsident führte Georg Wunderer war ein und aus dem nach dem ZusamEnergiepionier. Seine Kenntnisse, menschluss mit dem BiomasseVisionen und Erfahrungen waren verband der Südtiroler Energieim Vinschgau, in ganz Südtirol verband SEV hervorgegangen und weit darüber hinaus gefragt ist. Wunderer war bis zu seinem und geschätzt. Tod SEV-Vize-Präsident. Auch an seine Tätigkeit als langjähriges Obmann des E-Werks Prad für Ausschussmitglied der Gemeinde eine dezentrale, auf erneuerbare Prad erinnerte Rainer, der den Energiequellen aufbauende und Lebenslauf seines Vaters nachgenossenschaftlich orientierte zeichnete. 2015 wurde Georg Energieversorgung ein. Er war in Wunderer für sein Lebenswerk

mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol geehrt. Auch an die menschlichen Qualitäten und die Werte, die ihr Vater vertrat und vorlebte, erinnerten Rainer und Ruth. Das Wichtigste sei für ihn stets die Familie und der Zusammenhalt in der Familie gewesen. Er habe das Glas immer halb voll gesehen, immer an das Gute in den Menschen geglaubt und sei der Überzeugung gewesen, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Auch an seine Begeisterung und Leidenschaft für die Natur wurde erinnert. Laut Pfarrer Florian Öttl sei Georg Wunderer ein Mann gewesen, der Spuren hinterlässt, „denn er hat seine Begabungen und Fähigkeiten nicht für sich selbst, sondern für viele SEPP Menschen eingesetzt.“ DER VINSCHGER 21/18

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