Was die Bauern bewegt

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VINSCHGER THEMA

Im Bild (v.l.): Sepp Noggler, Franz Locher, Siegfried Rinner, Leo Tiefenthaler, Kurt Sagmeister, Arnold Schuler, Albrecht Plangger, Herbert Dorfmann und Raimund Prugger (am Rednerpult).

Rede und Antwort Vertreter des Bauernbundes und der Politik stellen sich der Diskussion. SCHLUDERNS - Bei Informationsund Diskussionsversammlungen ist es meistens so, dass das Publikum zunächst mit Referaten „vollgestopft“ wird. Anders ist es beim „bäuerlichen Informationsabend“, den der Bauernbund-Bezirk Vinschgau vor ca. eineinhalb Jahren zum ersten und am vergangenen 20. April zum zweiten Mal veranstaltet hat, dieses Mal im Kulturhaus in Schluderns. Neben dem Obmann und Direktor des Bauernbundes, Leo Tiefenthaler und Siegfried Rinner, stellten sich auch der EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, der Kammerabgeordnete Albrecht Plangger, Landesrat Arnold Schuler, Regionalassessor Sepp Noggler, der Direktor der IDM-Einheit West, Kurt Sagmeister, sowie der bäuerliche Landtagskandidat Franz Locher den Fragen der Landwirte.

„Pflänzchen“ soll nicht welken SBB-Bezirksobmann Raimund Prugger, der den Abend moderierte, erinnerte eingangs an die gute Zusammenarbeit mit Vinschgau Marketing. Im Zuge der Neuorganisation der Tourismusverbände wurde Vinschgau Marketing aufgelöst. Nun bildet der Vinschgau zusammen mit dem Bezirk Meran die IDM-Einheit West. Zur Frage von Prugger, ob das „Pflänzchen“, das zusammen mit Vinschgau Marketing gewachsen sei, nun welke, meinte Sagmeister: „Das hoffe ich nicht. Im Nachhinein betrachtet kam die Reform fast etwas zu früh. Aber es wird dennoch gut weiterge-

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hen. Die Leute sind dieselben und die Projekte werden weitergeführt.“ Absolut positiv gewesen seien während der Zeit von Vinschgau Marketing die Treffen des Fachbeirates. Auch in Zukunft sollte man nicht übereinander, sondern miteinander reden.

ernsthaft besorgt: „Wir fürchten um unsere Tiere und um den Weiterbestand der Almen und kleinen Bergbauernhöfe.“ Politische Bemühungen zur Lösung des Problems seien zwar lobenswert und gut, aber nicht umsetzbar, „deshalb werden wir uns mit Herdenschutzmaßnahmen behelfen müssen.“ Und hierzu wurde ein ForderungsDie „Wolf-Runde“ katalog vorgelegt: 600 Meter Zaun Die ersten Fragen aus dem für jede der 8 Almen in Martell Publikum bezogen sich auf das für die Errichtung von Koppeln; 8 Thema Wolf, dem Prugger eine Personen, die bei Bedarf die Zäune Sonder-Runde einräumte. Aus den aufstellen; mobile oder fixe UnterWortmeldungen der Bauern war künfte als eventuelle Nachtkoppeln; klar herauszuhören, dass der Wolf Hubschrauber-Flüge für den Transalles eher als willkommen ist, dass port von Zäunen und anderem er die Weidewirtschaft und Berg- Schutz-Zubehör und weitere Forlandwirtschaft insgesamt bedrohe, derungen. Alle Maßnahmen sollten dass er für die Bevölkerung und zu 100 Prozent finanziert werden. die Gäste eine Gefahr darstelle und In weiteren Wortmeldungen wurde dass Herdenschutzmaßnahmen sinngemäß gefordert: weg mit Wolf in Berggebieten, wie man sie in und Bär. Südtirol vorfindet, kaum umsetzbar und langfristig keine wirkliche „Regelung unerlässlich“ Lösung seien. „Die Großraubtiere, Schuler ist überzeugt, „dass vor allem aber der Wolf, sind ein Riesenproblem“, sagte Tiefenthaler. Südtirol mit seinen Almen, dem Wenngleich es „extrem schwierig“ Wanderwegenetz und anderen sei, politische Mehrheiten für ein touristischen Infrastrukturen kein wolf- und bärenfreies Land zu fin- Lebensraum für Großraubtiere ist.“ den, speziell in Brüssel und Rom, Die Tourismusbranche habe sich müsste es zumindest gelingen, „ge- in diese Sache bisher „zu ruhig fährliche Tiere entnehmen zu kön- verhalten.“ Mit der Wolf-Petition nen, sonst werden die Almen nicht werde versucht, sich Gehör zu mehr bewirtschaftet.“ Es bestehe verschaffen: „Die Städter denken dringender Handlungsgebedarf. anders als wir.“ Ein wolffreies Südtirol werde es laut Schuler nie mehr geben: „Kurzfristig können wir nur Forderungen aus Martell vorbeugen, also HerdenschutzBesonders Almvertreter und maßnahmen setzen.“ Langfristig Bergbauern aus Martell gaben sich sei eine Regulierung anzustreben,

„wie es sie auch bei anderen Wildtieren gibt.“ Unter Regulierung sei nicht nur der Abschuss von Problemtieren zu verstehen, sondern „geregelte Entnahmen, um die Population in Grenzen zu halten.“ Zu 100 Prozent finanziert werde nur ein in Taufers geplantes Herdenschutz-Pilotprojekt, sonst könne man nicht alles zur Gänze zahlen: „Es werden Kriterien aufgesetzt, in welchem Ausmaß und Umfang Maßnahmen mitfinanziert werden.“ Herdenschutz-Pilotprojekte sollen auch dazu dienen, überzeugende Argumente für die Forderung nach einer Regulierung des Wolf-Bestandes in die Hand zu bekommen „Kein Kompromiss möglich“ Plangger sieht in der Frage des Wolfes keine Möglichkeit eines Kompromisses: „Entweder die Leute passen sich dem Wolf an, wie ich es in den Abruzzen gesehen habe, oder umgekehrt.“ Klare Worte fand er auch zum Thema Bären: „Die Trentiner haben das Problem verursacht und die Trentiner sollen es lösen.“ Eine politische Lösung des Problems in Rom oder Brüssel sei in weiter Ferne. Plangger: „Was wir jetzt tun können, ist natürlich nicht Schießen, aber Maßnahmen wie das Vergrämen sind möglich.“ Es gehe darum, „die Grenzen zum Trentino zu sichern.“ Dass es zum Thema Wolf möglichst rasch eine Lösung braucht, unterstrich auch Dorfmann, „wobei selbstverständlich nur an gesetzliche Lösungen zu denken ist.“ Den Druck auf eine