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Demenz – eine soziale Herausforderung? „Demenz ist keine Krankheit“ nannte Reimer Gronemeyer seinen Vortrag, der vom Bürgerheim und dem Bildungsausschuss organisiert wurde. SCHLANDERS - Demenz ist ein brennendes Thema, jetzt und in Zukunft noch mehr. Besonders die Frage, was die Gesellschaft mit den Menschen mit Demenz in Zukunft machen soll, muss gestellt werden. Doch „die Antwort ist das Unglück der Frage“ zitierte der bekannte Referent Reimer Gronemeyer den deutschen Romantiker Novalis und zeigte damit auch schon die Hilflosigkeit der Gesellschaft, aber auch der Medizin gegenüber der Diagnose Demenz auf. „Unsere Antwortgesellschaft muss feststellen, dass sie auf bestimmte Fragen keine Antwort hat“, sagte Gronemeyer. Die Medizin nämlich gebe ein frustrierendes Signal, dass auch in den nächsten 20 Jahren kein Medikament die Demenz heilen kann. Medikamente können zwar die Phase verlängern und die Erscheinung der Symptome mildern, aber die Demenz sei ein Phänomen des Alters, und es gehöre zum menschlichen Leben, dass im Alter der Verstand, ähnlich wie das Gehör oder die Sehkraft, verloren

Monika Wellenzohn, Präsidentin des Bürgerheimes, mit UniProfessor Reimer Gronemeyer

gehe. So sei es wichtig, besonders die soziale Seite von Demenz zu fördern und die Sensibilität zu entwickeln, die Hilfsbedürftigkeit der Menschen und ihrer Angehörigen zu erkennen. „Demenz wird eine große soziale Herausforderung unserer Gesellschaft, und niemals wird es genug Geld geben, all die betroffenen Menschen professionell zu betreuen“, so Professor Gronemeyer, der sich an der Universität in Gießen mit den Fragen des Alterns in der Gesellschaft beschäftigt. Umso wichtiger sei der zivilgesellschaftliche Aufbruch hin zu einer demenzfreundlichen Gemeinde, in der das Schenken von Zeit, Wärme und Zuwendung

auf Freiwilligkeit basiert und in der augenblickliche Hilfe von Nachbarn, Mitbürgern und den Verantwortlichen der Gemeinde geleistet wird. „Hinschauen auf die Not und Betroffenheit der Angehörigen und sie in ihrer Aufgabe unterstützen“ forderte der Referent das zahlreiche Publikum auf. Reimer Gronemeyer hat oft versucht, den Ursachen von Demenz auf den Grund zu gehen. Es seien viele Faktoren, die die Demenz begünstigen, wie ein ungesunder Lebensstil, wenig Bewegung, Junkfood, zu viel Zucker, Medikamentenmissbrauch usw. Vielleicht habe Demenz auch etwas damit zu tun, dass Menschen im Alter ihre soziale Rolle verloren

haben, dass sie zwar finanziell versorgt sind, sich aber in einer „kulturellen Wüste“ befinden und sich zu nichts mehr gebraucht fühlen. Demenzkranken Menschen muss man die Welt begreifbar machen, denn sie leben in einer Welt, die schwer zu begreifen ist. Das Beste sei Beschäftigung, und etwas wehmütig erinnerte er sich an eine ältere Tante, die zwar „tüddelig“ war, aber mit Hühnerfüttern, Holz tragen usw. eine Beschäftigung und Berechtigung im Alter gefunden hatte. Demenzkranke Angehörige zu Hause zu pflegen werde irgendwann zur Überforderung, in der letzten Phase solle man auch kein schlechtes Gewissen haben, sich in einer Pflegeeinrichtung Unterstützung zu suchen. Monika Wellenzohn, Präsidentin des Bürgerheims von Schlanders dankte dem Referenten und mahnte, dass man sich der Verantwortung über sich selbst und der demenzkranken Angehörigen bzw. Mitbürger in Zukunft nicht entziehen könne. INGE

Neue Wohnbauzone in Schluderns SCHLUDERNS - Einhellig hat der Gemeinderat von Schluderns am 1. Februar beschlossen, den Anger, der an das seit langem aufgelassene Gasthaus „Schweitzerhof“ angrenzt, von Zone für touristische Einrichtungen in eine Wohnbauzone C1 umzuwandeln. Die ursprünglichen Pläne der Eigentümerin des „Schweitzerhofes“, im dazugehörigen Anger ein Hotel zu errichten, haben sich längst zerschlagen. Die neue Wohnbauzone hat eine Größe von 3.324 Quadratmetern mit einer Baumassendichte von 1,5 Kubikmeter pro Quadratmeter. Somit ergibt sich ein Gesamtbauvolumen von knapp

Der Anger (Bildmitte) beim aufgelassenen Gasthaus „Schweitzerhof“ wurde in eine Wohnbauzone umgewandelt.

5.000 Kubikmetern, wovon 80% der Baumasse für den geförderten Wohnbau bestimmt sind. Somit können voraussichtlich 8 Einhei-

ten für den Geförderten Wohnbau und eine Einheit für den Freien Wohnbau errichtet werden. Die Erschließung der Wohn-

bauzone erfolgt über den öffentlichen Parkplatz, der rund 40 Stellplätze umfasst und gerinfügig erweitert wird. Zumal das Areal an eine A-Zone angrenzt, ist bei der entsprechenden Abänderung des Durchführungsplanes auch das Denkmalamt involviert und in diesem Falle auch der Landesbeirat für Baukultur. Dieser kann bekanntlich nur beratende Gutachten abgeben, nicht aber bindende. Sowohl das Denkmalamt als auch der Landesbeirat für Baukultur haben sich bereits gegen einen Abriss des „Schweitzerhofs“ ausgesprochen. SEPP DER VINSCHGER 05/18

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