„Die Zahlen sprechen für sich“

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on querzufinanzieren, so ist das eine politische Entscheidung“, so Variola. Sein Rat für Latsch: „Hände weg von der Verteilung.“ Im Unterschied zu Schlanders sind beim SGW Latsch noch weitere Dienste angesiedelt (Wasser und Abwasser), was sich auf der Ausgabenseite natürlich ebenfalls niederschlägt. 257.483 Euro pro Jahr Wenngleich die VEK-Vertreter mehrmals betonten, beim Vergleich der Angebote für die Stromverteilung nicht nur die Zahlen bzw. das Geld zu sehen, sondern das jeweilige Gesamtpaket bzw. die Qualität des Dienstes, stachen bestimmte Zahlen doch sehr stark hervor. Vor allem der Unterschied der Miete: So hatte die Edyna 257.483 Euro an Miete pro Jahr angeboten, während das VEK mit einer jährlichen Konzessionsgebühr von 25.000 Euro aufwartete. Beim Kapitel Kundenübernahme sind es bei der Edyna einmalig 40.000 Euro, beim VEK jährlich 12 Euro pro VION-Kunde. Die Laufzeit liegt bei Edyna bei 5 Jahren (Beginn ab 2018), beim VEK bei 12 (Beginn ab 2019). „Wenn wir den Schuldenberg abbauen wollen, geht das nur mit dem Angebot der Edyna“, sagte Bürgermeister Fischer: „Meine Aufgabe als Bürgermeister ist es, das Defizit zu verringern. Wenn wir den Strom selbst verteilen, wird es nicht kleiner.“ Er unterstrich auch, dass das Netz im Eigentum der Gemeinde bleibt, dass keine Arbeitsplätze verloren gehen und dass es die Gemeinde sein wird, die Investitionen in das Netz vornehmen wird. Er könne es bei aller Sympathie für das VEK bzw. den „an-

Im Bild (v.l.): BM Helmut Fischer, Gemeindesekretär Georg Schuster, BM Dieter Pinggera und die VEKVertreter Andreas Tappeiner und Akexander Telser.

geblichen Vinschger Weg“ nicht verantworten, das wirtschaftlich weitaus bessere Angebot auszuschlagen: „Wenn wir das VEK-Angebot annehmen, bleiben wir als Gemeinde auf den Verbindlichkeiten sitzen.“ Unterschiedliche Bedenken Unterschiedliche Bedenken gegen die Annahme des Edyna-Angebotes äußerten vor allem die Räte Verena Rinner, Stephan Bauer, Harald Plörer, Christian Stricker und Joachim Weiss. Es wurde u.a. angeregt, jetzt nichts über das Knie zu brechen, die Liquidation in Ruhe über die Bühne zu bringen, den Strom für ein Jahr noch selbst zu verteilen, den Schalterdienst langfristig zu sichern und in der Bewertung der Angebote den Dienst am Kunden angemessen zu berücksichtigen. Für Verena Rinner steht die Frage der Qualität im Vordergrund: „Kaufe ich bei einem Großkonzern einen Liter Milch um 30 Cent oder gebe ich einen Euro für Qualitätsmilch aus dem Vinschgau aus?“ Fischer konnte diesem Vergleich nichts abgewinnen: „Auch bei der Edyna sind Vinschger beschäftigt.“ Zur Qualität der Dienstleistung seitens der Edyna, die übrigens landesweit 106 Gemeinden bedient, hatte sich

das Ratsmitglied Harald Trafoier in Partschins kundig gemacht, wo die Edyna seit einem Jahr den Strom verteilt: „Bürgermeister Albert Gögele sagte, dass die Edyna gute Arbeit leistet. Die Bürger sind zufrieden und er würde die Stromverteilung erneut an die Edyna verpachten.“

(Süd-Tiroler Freiheit) geht es jetzt vordergründig darum, die Schulden abzubauen. Werner Schuler bedauerte, „dass die Diskussion teilweise rein politisch ist, sprich Räte contra Bürgermeister.“ Vorwürfe seitens mehrerer Ratsmitglieder, wonach die Verwaltung zu lange zugewartet habe, wiesen Fischer und sein Ausschuss zurück. Dem Antrag von Harald Plörer für Die Zahlen sprechen für sich eine geheime Abstimmung stimmDie Ausschussmitglieder sowie ten neben ihm 4 weitere Räte zu. mehrere Räte, darunter auch Mit- 11 Räte sprachen sich in geheimer glieder der Opposition, stellten Abstimmung für die Verpachtung sich hinter die Argumentation der Stromverteilung an die Edyna des Bürgermeisters und des Aus- aus, 6 dagegen. schusses. „Die Zahlen sprechen für sich“, hieß es mehrfach. Es sei alles Kein Beitritt zur SELFIN daranzusetzen, den Schuldenberg möglichst rasch abzubauen, Einhellig abgelehnt hat der Geum den Gemeindehaushalt nicht meinderat übrigens einen Beitritt dauerhaft zu belasten „und Luft der Gemeinde Latsch als Gesellfür Investitionen zu schaffen“, wie schafterin der SELFIN sowie den sich Mauro Dalla Barba ausdrück- damit verbundenen Ankauf von te. Auch Sonja Platzer, Andrea Anteilen im Gesamtausmaß von Kofler und Robert Zagler stimm- rund 254.000 Euro, aufgeteilt auf ten sinngemäß darin überein, dass 3 Jahre. Der Gemeinderat zieht es unverantwortlich wäre, das es vor, anstelle des Ankaufs von beste wirtschaftliche Angebot ab- SELFIN-Anteilen in das StromSEPP zulehnen. „Wir werden sehen, wie netz zu investieren. sich die Dinge beim VEK weiter entwickeln. Vielleicht gibt es in 5 Jahren ein neues Angebot“, meinte Fischer. Auch für die Freiheitlichen Thomas Pichler und Sepp Kofler sowie für Christian Fasolt

Schloss Goldrain: Projekt-Genehmigung vertagt LATSCH - Vertagt wurde bei der Ratssitzung in Latsch die Genehmigung des Projektes für die Instandhaltung und Erweiterung des Bildungshauses Schloss Goldrain und des dazugehörigen Bettenhauses. Das Projekt mit einem Kostenaufwand von rund 3 Millionen Euro war im Sommer dem Gemeinderat vorgestellt worden. Ernst Steinkeller, der Obmann des Bildungshauses, berichtete dem

Gemeinderat, dass die Arbeiten für die Umsetzung des ersten Bauloses mit einem Kostenaufwand von knapp 1 Million Euro bereits im Gange seien. Im August sei überraschend die Zusage für einen Landesbeitrag in der Höhe von 70 Prozent der Ausgaben eingelangt – allerdings mit der Auflage, dass die Arbeiten noch in diesem Kalenderjahr ausgeführt und abgerechnet werden müssten.

Für die Restfinanzierung in der Höhe von 300.000 Euro muss die Gemeinde Latsch aufkommen. Thomas Pichler von den Freiheitlichen kritisierte heftig, dass hier ein Projekt umgesetzt werde, das noch nicht einmal vom Gemeinderat genehmigt worden und für das auch keine Finanzierung im Haushaltsvoranschlag vorgesehen sei. Die Gemeinde Latsch müsse für das gesamte Vorhaben rund

900.000 Euro aufbringen, was sich nachhaltig auf den Haushalt auswirke. BM Helmut Fischer versicherte, dass auch die Gemeinden des Tales um eine Beteiligung an der Finanzierung dieses übergemeindlichen Vorhabens ersucht werden. Man habe diesbezüglich schon Kontakt mit der Bezirksgemeinschaft aufgenommen. RED

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