Doppelgleisige Abschnitte im Visier

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Interregionale Zusammenarbeit STA. MARIA - Nach einer rund 9-jäh­ rigen Pause nehmen die betroffenen Gemeinden des Gesundheitswesens beiderseits der Grenze zusammen mit den zuständigen Regierungs­ stellen des Landes Südtirol und des Kantons Graubünden einen neuen Anlauf zur interregionalen Zusammenarbeit. Nach einheitlicher Überzeugung wurde am 22. Mai ein Projekt lanciert, das frühere und neue Anliegen aufgreift. Zum Treffen mit 17 Vertreterinnen und Vertretern des Landes Südtirol, des Kantons Graubünden sowie der Gemeinden Taufers, Mals und Val Müstair hatten das Center da Sandà Val Müstair und interessierte Politi­ kerinnen und Politiker aufgerufen. Die beiden Delegationen wurden von Landesrätin Martha Stocker und Christian Rathgeb, Regierungsrat und Departementsvorsteher Justiz, Soziales und Gesundheit des Kan­ tons Graubünden, angeführt. Im Rahmen des Treffens wurde defi­ niert, dass lokal ein Projektteam mit je drei strategisch und politisch ge­ mischten Vertretungen der betroffe­

Gruppenbild mit Regierungsrat Christian Rathgeb (4. v.l.) und Landesrätin Martha Stocker (5. v.l.).

nen Regionen gebildet wird, mit dem Auftrag, bis Ende September 2017 ein Grundsatzpapier zu erstellen, das die gesundheitsrelevanten Be­ dürfnisse konkretisiert und plausibel darstellt. Dabei sollen früher formu­ lierte Anliegen berücksichtigt, aber auch neue Anliegen miteinbezogen werden. Auszuloten sind nebst den Bedürfnissen einer leicht zugängli­ chen und kompetenten medizini­ schen überregionalen Versorgung auch die politische und rechtliche Machbarkeit, die von den betreffen­ den Regierungsstellen bis Ende 2017 geklärt werden, mit unterschied­ lichen Herausforderungen beid­ seits der Grenze. Während das Val

Müstair mit dem Center da Sandà im Kanton Graubünden als Vorzeige­ beispiel der integrierten Versorgung gilt, rund 30 Personen aus Südtirol beschäftigt und im Notfall oder für kleine Eingriffe immer wieder von grenznah wohnhaften Patientinnen und Patienten aufgesucht wird, sind auch im Südtiroler Gesundheitswe­ sen Optimierungen im Gang. Es gilt nun die Möglichkeiten für Synergien abzustecken und einen Win-WinProzess zu lancieren. Damit sollen die Gesundheitseinrichtungen im Vinschgau und Val Müstair gestärkt werden, zu Gunsten der Lebens­ qualität in den beiden Regionen. Zur Südtiroler Delegation gehörten

neben Martha S­ tocker auch Lau­ ra Schrott (Direktorin Abteilung Gesundheit), Johannes Ortler (ge­ schäftsführender Direktor Amt für Krankenhäuser), Anton Theiner (ärztlicher Direktor des Kranken­ hauses Schlanders), Irene Pechlaner (Direktorin Gesundheitsbezirk Mer­ an/Schlanders), Hugo Minach (Ver­ waltungsleiter Gesundheitsbezirk Meran/Schlanders), Astrid Pichler (persönliche Referentin), Roselinde Gunsch Koch (Bürgermeisterin von Taufers) und Ulrich Veith (Bürger­ meister von Mals). RED

Schwul, na und? LATSCH - Kinder und Jugendliche für das Thema Homosexualität sensibilisieren. Das hat sich der Latscher Jugendtreff Chillout mit einem Workshop zum Ziel gesetzt. „Junge Heranwachsende im Alter von gerade mal rund zehn Jahren beschimpften sich als Schwuch­ tel, sprachen herablassend über Sexualität“, erinnert sich Chris­ tian Greis, Jugend­arbeiter im Latscher Jugendcafe Chillout, an einige Erfahrungen die er in dieser Hinsicht machen musste. „Ein Bursche meinte, wenn er ein homosexuelles Kind hätte, würde er es verstoßen“, so der Jugendar­ beiter. Der Umgang in der Gesell­ schaft in den ländlichen Gebieten mit Homo­sexuellen allgemein sei noch geprägt von Vorurteilen und nicht selten auch von Hass. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. „Ich dachte mir, das kann es heutzutage doch nicht mehr sein“, so Greis. So wur­ de ein „echter“ Homo­sexueller nach Latsch eingeladen. Für einen Vortrag, um die Kinder und Ju­

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DER VINSCHGER 21/17

Interessiert nahmen die Jugendlichen am Workshop teil. Gabriel Hertscheg (sitzend links) klärte über Homosexualität auf. Mit dabei auch die Latscher Vizebürgermeisterin Sonja Platzer (3. von rechts).

gendlichen zu sensibilisieren. Der Workshop „Queer Format LGBT­ QI-Jugendliche klären auf“ wurde nach Latsch geholt. ­Gabriel Hert­ scheg, ein 19-jähriger Südtiroler, der sich als einer von wenigen schon als Jugendlicher „geoutet“, sprich sich zu seiner Homose­ xualität bekannt hatte, folgte der Einladung. Er vermittelte den Jugendlichen, was es bedeutet,

homosexuell zu sein. In einer Gesellschaft, wo Vorurteile noch gang und gebe seien. Gekonnt legte er dar, dass er und alle an­ deren Homosexuellen einfach nur gewöhnliche Menschen sind. Und auch als solche behandelt werden möchten. In Südtirol sei es immer noch schwierig für Homosexu­ elle, es gebe nur wenige Lokale und Veranstaltungen, wo man

unter Gleichgesinnten sei. Nicht selten komme es zu verletzenden Aussagen, insbesondere unter Ju­ gendlichen. Um Vorurteilen, die schlimmstenfalls in Hass münden, vorzubeugen, sei es wichtig, zu sensibilisieren. Das Latscher Ju­ gendtreff habe damit bereits einen guten Anfang gemacht, waren sich die Teilnehmer einig. AM