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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Die Vinschger konnten sich ein Bild von der Haltung der Strohschweine machen.

Und es gibt sie doch… …die glücklichen Schweine. Das ist sich der Stilfser Roland Angerer sicher. Er war kürzlich auf einem „Strohschweine-Trip“. STILFS - Roland Angerer aus Stilfs, er will wissen woher sein Essen kommt. „Ich möchte bewusster und überlegter einkaufen, vor allem wenn es um tierische Lebensmittel geht“, erzählt er. Freilich, Vegetarier sei der Stilfser keiner. Jedoch achte er schon auf seine Ernährung. Und habe Respekt vor den Tieren. Alles Gründe, weshalb Angerer beim Schweinefleisch auf so genannte Strohschweine, wie sie im Vinschgau von der Metzgerei Gruber in Prad verarbeitet werden, setzt. Wie Angerer „auf das Schwein gekommen“ ist? Eine lange Geschichte. Mit dem der Vinschger hat der Stilfser darüber gesprochen. Es war bei einem Einkauf, als er den „glücklichen Schinken“ in den Regalen entdeckte. Ein Produkt, wo der Metzger darauf hinwies, dass das Fleisch vom Strohschwein stammt. Anfangs keine Ahnung, wobei es sich darum handelt, hat Angerer begonnen mit der Recherche. Das Interesse war geweckt. „Weil Schweine neugierig und lebhaft sind, wird ihnen flächendeckend Stroh als Einstreu und Beschäftigungsmaterial geboten. Dies wird nicht nur ihrem Spieltrieb gerecht, sondern auch als leckeres Futter verwendet“, erzählt Angerer. Die Tiere leben im Stall mit Zugang ins Freie. Sie haben reichlich Bewegungsmöglichkeit. Und der glückliche Schinken? „Der hat von Anfang an geschmeckt“,

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DER VINSCHGER 19/17

Der Bauernhof in Perg. Hier leben rund 300 Strohschweine.

Roland Angerer aus Stilfs

so Angerer. Er stieg Schweinefleischmäßig nun endgültig auf das Strohschwein um. Wie die Strohschweine aber überhaupt in den Vinschgau kommen und welches Leben diese Tiere führen, davon wollte er sich selbst ein Bild machen. Diese Möglichkeit hatte sich kürzlich, durch die „Frühlingsaktion Strohschwein“, einem Preisausschreiben beim Metzger, ergeben. Diese Schweine brauchen keinen Arzt Mit einer Gruppe weiterer Vinschger sowie der Belegschaft der Metzgerei Gruber machte

sich Angerer auf den Weg nach Oberösterreich. Insgesamt waren es rund 48 Personen. Ein schöner zweitägiger Ausflug. Mit dem Ziel Perg, einer i­dyllischen 8.000-Seelengemeinde. Dort, beim Bauernhof von Hans Georg Nenning, stand eine eintägige Besichtigung auf dem Programm. Es ist nämlich jener Bauernhof, der die Strohschweine nach Prad, zur Metzgerei Gruber, liefert. Als „interessant und authentisch“ beschreibt Angerer heute den Ausflug. „Der Bauer bewirtschaftet rund 30 Hektar Grund. Ausschließlich für seine Schweine. Er erklärte uns, wie das so alles abläuft. Wie die Tiere leben. Warum sie so leben. Und es war ersichtlich, dass sie ein glückliches Leben führen, bis hin zu ihrem Tod“, erzählt A ­ ngerer. Insgesamt habe der Bauer rund 300 Strohschweine. Sie allesamt leben, wie sollte es anders sein, im Stroh. Für die Fütterung wird das hofeigene Getreide verwendet. Einer aus der Gruppe habe die Frage gestellt, wie es mit Medikamenten und dergleichen aussieht, erinnert sich Angerer. „Anitbiotika und Co. sind hier

Fehlanzeige. Die Strohschweine werden nicht krank, die brauchen keinen Tierarzt“, erläuterte der Bauer. Die Schweine seien sehr widerstandsfähig. „Schweine sind sehr sensible und intelligente Wesen. Die spüren den Stress. Auch bei der Schlachtung wird auf Stressvermeidung geachtet. Sie werden nicht zur Schlachtung gehetzt“, weiß Angerer. Jedenfalls steht für ihn fest, dass die nach Südtirol gelieferten Strohschweine, auch wirklich das Prädikat glücklich verdienen. Glückliches Schweine-Leben „Für mich war es überzeugend. Ich habe gesehen, wie zufrieden die Schweine sind, wie wohl sie sich fühlen. Ich weiß jetzt, wenn ich den Schinken und allerlei Strohschwein-Produkte konsumiere, dass der Bauer auf das Wohlergehen der Tiere achtet“, freut sich Angerer. Der Bauer bekomme die Jung­ schweine vom Züchter mit 30 bis 40 Kilogramm. Nach fast einem Jahr geht es schließlich zur Schlachtung und dann direkt in den Vinschgau, wo sie unter anderem zum „glücklichen Schinken“, verarbeitet werden. Ein Schinken, den Angerer mit gutem Gewissen auch in Zukunft genießen wird. MICHAEL ANDRES