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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Klienten, Mitarbeiter und Praktikanten der Einrichtung.

Menschen, die wie Pflanzen sind

25 Jahre Arbeitsrehabilitationsdienst in Latsch bedeutet auch 25 Jahre im Dienste psychisch schwacher Menschen. Dies wurde beim Pflanzzeit-Fest klar.

In der Gärtnerei werden Gemüse- und Kräuterpflanzen produziert. LATSCH - „Man sieht die Früchte der Arbeit. Die Blumen stellen eine Art Sinnbild dar. Auch hier hat man es oft mit Menschen zu tun, die wie Pflanzen sind. Zart und verletzlich. Menschen, die man begleiten muss“, so Karin Tschurtschenthaler, die Direktorin der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Vinschgau kürzlich beim traditionellen Pflanzzeit-Fest im biologischen Gartenanbau in Latsch. Nicht nur das Fest wurde gefeiert, sondern gleichzeitig auch das 25-jährige Jubiläum des Arbeitsrehabilitationsdienstes, eine Struktur der sozialen Dienste der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, begangen. Seit vielen Jahren werden dabei psychisch kranke und schwache Menschen betreut. „Die Arbeitsrehabilitation ist eine Art Lehrbetrieb, wo sich Menschen mit einer psychischen Erkrankung unter praxisnahen Arbeitsbedingungen mit der Thematik Ar-

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DER VINSCHGER 19/17

Die Folkgruppe Titlà sorgte für die musikalische Unterhaltung.

Die zahlreichen Besucher deckten sich schon mal mit Pflanzen ein.

Dabei sei der Wille und die Bereitschaft das Leben selbstbestimmter zu gestalten für eine Aufnahme genauso wichtig, wie die zugrunde liegende Krankheit. Ein Höhepunkt

Karin Tschurtschenthaler, Direktorin der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Vinschgau.

beit auseinandersetzen können und bei ihrer beruflichen und sozialen Rehabilitation von geschulten Mitarbeitern begleitet und unterstützt werden“, erzählt Tschurtschenthaler. Die Arbeitsrehabilitation ziele auf die Integration in einem privaten oder öffentlichen Betrieb, oder in eine Sozialgenossenschaft ab.

Das Pflanzzeit-Fest war bis 2009 ein fester Bestandteil im Programm des biologischen Gartenanbaus in Latsch. Nach einigen Jahren Pause fand es 2015 erstmals wieder statt. Für Strukturleiter Peter Grassl und sein Team ist es ein Höhepunkt im Programm. „Wir können uns als Einrichtung präsentieren und den Besuchern zeigen, was wir machen“, freut sich Grassl. Und die Besucher beim diesjährigen Pflanzzeit-Fest waren zahlreich erschienen. Bei Kaiserwetter sorgte unter anderem die Folkgruppe Titlà für Unterhaltung. Eine Fülle von Kräutern, Blumen, Gemüse- und Salatpflanzen wurden

zum Verkauf angeboten. Nicht zuletzt öffnete der Arbeitsrehabilitationsdienst seine Tore. Die Besucher konnten sich nicht nur von der Gärtnerei und dem Gemüseanbau ein Bild machen, sondern bekamen auch Einblicke in die Tischlerei. Dort werden in erster Linie aus Massivholz Serienprodukte wie Holzkisten und Geschenksverpackungen, aber auch Einzelmöbel, hergestellt. In einem separaten Keramik „Trainingsbereich“ werden unter anderem Gartenkugeln, Lichtkugeln und Duftsteine produziert. Auch in der Küche zeigen sich die Klienten des Arbeitsrehabilitationsdienstes aktiv. Beim Pflanzzeit-Fest konnten die im Arbeitsrehabilitationszentrum betreuten Menschen schließlich ihr Können und ihren Fleiß unter Beweis stellen und halfen kräftig mit. MICHAEL ANDRES